Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Der Poet Handke

Als er den Nobel­preis 2019 erhielt, war wie­der mal die Zeit gekom­men, über ihn zu rich­ten: den üblen Ver­tei­di­ger von Miloše­vić, den Leug­ner jugo­sla­wi­scher, sprich: ser­bi­scher Gräu­el, den lei­sen Mann, der nicht in den Chor der lau­ten Kriegs­trei­ber von NATO und Bun­des­wehr ein­stim­men mochte.

Dass der öster­rei­chi­sche Thea­ter­au­tor, Roman­cier und Essay­ist auch ein Lyri­ker von Rang ist, wird bei sol­cher Gele­gen­heit gleich ganz ver­ges­sen. Dabei erschie­nen sei­ne Gedich­te im Suhr­kamp Ver­lag. Die Rei­he »Poe­sie­al­bum«, seit 1967 exi­stent und ab Herbst 2007 neu im Mär­ki­schen Ver­lag ediert, nahm sich sei­ner nun an. Hans-Die­ter Schütt wähl­te drei Dut­zend Tex­te aus, der Ver­lag ver­sah das hoch­for­ma­ti­ge Heft mit einer dop­pel­sei­ti­gen Innen­gra­fik und einer Titel-Feder des Dich­ters sowie einer roten Ban­de­ro­le »Nobel­preis 2019«.

Hand­kes Tex­te sind zum Teil mehr­sei­ti­ge Anwei­sun­gen und Stil­übun­gen, die dann auch »Rat­schlä­ge für einen Amok­lauf« oder »Zug­aus­kunft« hei­ßen oder »Satz­bio­gra­fie« unter­ti­telt sind. Neben kur­zen Mehr­zei­lern fin­den sich am Fuß der Sei­ten Apho­ris­men: »Ich wer­de mich ent­schlos­sen ver­ir­ren.« Damit die Lang­ge­dich­te gut zur Gel­tung kom­men, gibt es auch mal eine gefal­te­te Sei­te zum Auf­blät­tern. Einer der Tex­te hebt immer wie­der an: »Was ich nicht bin«, und wie in einem Ron­do schlie­ßen die Stro­phen des Wort­spiel­tex­tes »Vor der Baum­schat­ten­wand nachts« jeweils mit der kur­si­ven Beschwö­rung »Fast ein Gedicht«.

Man muss sich von der Spra­che gern ver­blüf­fen las­sen, man muss Grund und Grün­de in ihr fin­den kön­nen, man muss Wör­ter als schön und rät­sel­haft erken­nen wol­len, um die­se Lyrik zu mögen. Und man muss neben kräf­tig loben­den Stim­men von Hand­kes Kol­le­gin­nen (Elfrie­de Jeli­nek, Albert Oster­mai­er, Wim Wen­ders, Eva Men­as­se) sich nicht dar­an stö­ren, dass in der hier abge­druck­ten kur­zen Bio-Biblio­gra­phie min­de­stens fünf Zei­len Par­tei ergrei­fen für Hand­kes Hal­tung zur Jugoslawien-Frage.

»Poe­sie­al­bum 352 Peter Hand­ke«, Aus­wahl Hans-Die­ter Schütt, Gra­fik von Peter Hand­ke, Mär­ki­scher Ver­lag, 34 Sei­ten, 5 €