Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Im Energiesparmodus

Man will es ein­fach nicht glau­ben, ich gehö­re zwar der Genera­ti­on an, die stän­dig ermahnt wur­de: »Tür zu … Licht aus«, aber die elter­li­chen Auf­for­de­run­gen von damals wer­den in der momen­ta­nen Situa­ti­on nicht rei­chen. Jetzt müs­sen wir alle zu Ener­gie­spar­be­ra­tern wer­den. Die Hei­zun­gen im Win­ter run­ter­dre­hen, kalt duschen, das Auto für den Wochen­ein­kauf in der Gara­ge ste­hen­las­sen, die Nach­rich­ten der Han­dy-Apps ein­fach igno­rie­ren – doch bei allem löb­li­chen Ener­gie­spar-Eifer reicht der gute Wil­le oft nicht aus. Dann mel­det sich unser inne­rer Schwein­hund und ver­langt sei­ne mor­gend­li­che Dusche bei Wohl­fühl­tem­pe­ra­tu­ren. Obwohl Kalt­du­schen eini­ge gesund­heit­li­che Vor­tei­le hat, wol­len laut einer Umfra­ge nur rund 10 Pro­zent ihren Kreis­lauf damit auf Vor­der­mann bringen.

Doch so geht es nicht wei­ter. Krea­ti­ve Ideen sind gefor­dert und so wer­den wir mit Ener­gie­spar-Rat­schlä­gen regel­recht über­schüt­tet: Fen­ster­tausch, Wär­me­pum­pe statt Gas­hei­zung, spar­sa­me Dusch­köp­fe, Stand-by abschal­ten, Waschen ohne Vor­wä­sche, Anschaf­fung strom­spa­ren­der Elek­tro­ge­rä­te oder die Ver­wen­dung eines Topf­deckels, was unser Porte­mon­naie um immer­hin 20 Euro im Jahr ent­la­sten soll. Im Win­ter dann mit dicken Socken und Kuschel­decke vor dem Fern­se­her sit­zen oder gleich ganz auf das Fern­seh­pro­gramm ver­zich­ten. Mal wie­der zum Buch grei­fen, natür­lich bei Ker­zen­licht. Über­haupt hat faul her­um­hän­gen das größ­te Ener­gie­spar­po­ten­ti­al und damit die nied­rig­ste CO2-Bilanz.

Mit dem gan­zen Ener­gie­spa­ren stecken wir jedoch mit­un­ter in einem Dilem­ma, denn wer sei­ne Hän­de wäscht, ver­schwen­det Ener­gie, doch wer dar­auf ver­zich­tet, ver­brei­tet Coro­na. Auch die Nach­bar­schaft lei­det dar­un­ter. Heu­te stand doch unser Nach­bar mit frisch gewa­sche­nen Haa­ren am Gar­ten­zaun: »Sag mal, schämst du dich nicht?«.