Acht Jahre verbrachte Axl Leskoschek (1889-1976) in Brasilien, von 1941 bis 1948, und ist dort bis heute als Künstler und Universitätslehrer noch immer bekannter als in seiner Heimat Österreich, die er aus politischen Gründen hatte verlassen müssen. Nachdem er aus dem Ersten Weltkrieg schwer verwundet heimgekehrt war, wurde aus dem adeligen Albert von Leskoschek der linke Künstler Axl Leskoschek, Maler, Buchillustrator, Holzschneider und Kupferstecher. In den 1920er-Jahren illustrierte er zahlreiche Romane, Erzählungen und Kinderbücher und verfasste daneben auch Bilderbücher, die damals jedoch nicht veröffentlicht wurden und die er später in sein Exil nach Brasilien mitnahm. Zugleich betätigte er sich politisch innerhalb der Sozialdemokratie, was ihn im Austrofaschismus nach den Februarkämpfen des Jahres 1934 – inzwischen Kommunist – in Zuchthaus und Internierungslager führte. Nach dem »Anschluss« Österreichs an NS-Deutschland gelangte er über die Schweiz nach Brasilien, wo er – bald für seine Illustrationen berühmt – rasch Fuß fassen konnte.
1925 hatte er die Bildergeschichten Sonnenregenapfel und Der verirrte Donnerhund geschrieben und gezeichnet. In Brasilien wurden daraus A laranja Amarante und O cão-trovão. Wiederum ergab sich keine Möglichkeit, sie zu publizieren, und die Originale sind bis heute unauffindbar. Aufgrund von Fotoausdrucken konnten diese Geschichten bearbeitet und nun wiederhergestellt werden, wobei die kurzen portugiesischen Texte zwar als Teil der einzelnen Blätter belassen, aber zusätzlich ins Deutsche übersetzt wurden.
Anlässlich des fünfzigsten Todestages ihres Schöpfers wurden die beiden Märchen nun in einem Band in ausgezeichneter Qualität und Ausstattung vom Grazer CLIO-Verlag erstmals veröffentlicht. »Die Orange Amarante« erzählt von der Begegnung und Freundschaft eines Regentropfens mit einem verirrten Sonnenstrahl, endend mit einem großen Fest im Himmel. »Der verirrte Donnerhund« Bum-Bum-Bububu wiederum hat sein Herrchen, den Blitz Tschsssss verloren und irrt auf der Suche nach diesem durch die Gefahren des Alls, bis er, den Blitz gefunden, in einem spektakulären Finale den Erdenbewohnern einen Blick auf Schönheit hinterlässt.
Dass sich große Verlage jahrzehntelang für derartige Arbeiten Leskoscheks nicht interessierten, ist dem charakteristischen Umgang der österreichischen Nachkriegsgesellschaft mit aus dem Exil heimgekehrten NS-Gegnern und insbesondere Kommunistinnen und Kommunisten geschuldet. Während er in Brasilien vor allem als Illustrator unter anderem der Bücher Der Jüngling, Der ewige Gatte, Der Spieler, die Brüder Karamasow und Die Dämonen von Fjodor Michailowitsch Dostojewski oder Ulrich Bechers Brasilianischen Romanzero bekannt und ab 1946 als Universitätslehrer geschätzt wurde, erhielt er im Österreich des Kalten Krieges die ihm in Aussicht gestellte Professur nicht: »Dort, in Brasilien, wo auch damals Getulio Vargas, aber noch als Diktator, regierte, ließ man mich im großen und ganzen in Ruhe, ja man gab mir sogar eine Professur. Dieses Ereignis wiederholte sich keineswegs nach meiner Rückkehr nach Österreich, obwohl der Rektor und die Professorenschaft einer hiesigen Hochschule meine Betrauung mit einer Lehrstelle beantragt hatten.«
So lebte er neben seiner Tätigkeit als Illustrator und Buchgrafiker von Kunstkritiken für die kommunistische Volksstimme und verschiedene andere Zeitungen im Umfeld der KPÖ. Eine öffentliche Würdigung erhielt er erst, nachdem er 1968 nach der Niederschlagung des Prager Frühlings aus der KPÖ ausgetreten war. Das umfangreich mit Werken Leskoscheks illustrierte Nachwort des Herausgebers und Historikers Heimo Halbrainer zeichnet dessen Lebensweg als bildenden Künstler und aufrechten Kämpfer für eine soziale Gesellschaft, illustriert mit einem Querschnitt aus seinem Werk, nach.
Axl Leskoschek: Zwei Märchen. Die Orange Amarante. Der verirrte Donnerhund. Aus dem Portugiesischen von Michaela Wolf. Hg. u. mit einem Nachwort von Heimo Halbrainer, CLIO: Graz 2026, 80 S., 20 €.