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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Wiederentdeckt: Axl Leskoschek

Acht Jah­re ver­brach­te Axl Les­ko­schek (1889-1976) in Bra­si­li­en, von 1941 bis 1948, und ist dort bis heu­te als Künst­ler und Uni­ver­si­täts­leh­rer noch immer bekann­ter als in sei­ner Hei­mat Öster­reich, die er aus poli­ti­schen Grün­den hat­te ver­las­sen müs­sen. Nach­dem er aus dem Ersten Welt­krieg schwer ver­wun­det heim­ge­kehrt war, wur­de aus dem ade­li­gen Albert von Les­ko­schek der lin­ke Künst­ler Axl Les­ko­schek, Maler, Buch­il­lu­stra­tor, Holz­schnei­der und Kup­fer­ste­cher. In den 1920er-Jah­ren illu­strier­te er zahl­rei­che Roma­ne, Erzäh­lun­gen und Kin­der­bü­cher und ver­fass­te dane­ben auch Bil­der­bü­cher, die damals jedoch nicht ver­öf­fent­licht wur­den und die er spä­ter in sein Exil nach Bra­si­li­en mit­nahm. Zugleich betä­tig­te er sich poli­tisch inner­halb der Sozi­al­de­mo­kra­tie, was ihn im Austro­fa­schis­mus nach den Febru­ar­kämp­fen des Jah­res 1934 – inzwi­schen Kom­mu­nist – in Zucht­haus und Inter­nie­rungs­la­ger führ­te. Nach dem »Anschluss« Öster­reichs an NS-Deutsch­land gelang­te er über die Schweiz nach Bra­si­li­en, wo er – bald für sei­ne Illu­stra­tio­nen berühmt – rasch Fuß fas­sen konnte.

1925 hat­te er die Bil­der­ge­schich­ten Son­nen­re­gen­ap­fel und Der ver­irr­te Don­ner­hund geschrie­ben und gezeich­net. In Bra­si­li­en wur­den dar­aus A lar­an­ja Ama­ran­te und O cão-tro­vão. Wie­der­um ergab sich kei­ne Mög­lich­keit, sie zu publi­zie­ren, und die Ori­gi­na­le sind bis heu­te unauf­find­bar.  Auf­grund von Foto­aus­drucken konn­ten die­se Geschich­ten bear­bei­tet und nun wie­der­her­ge­stellt wer­den, wobei die kur­zen por­tu­gie­si­schen Tex­te zwar als Teil der ein­zel­nen Blät­ter belas­sen, aber zusätz­lich ins Deut­sche über­setzt wurden.

Anläss­lich des fünf­zig­sten Todes­ta­ges ihres Schöp­fers wur­den die bei­den Mär­chen nun in einem Band in aus­ge­zeich­ne­ter Qua­li­tät und Aus­stat­tung vom Gra­zer CLIO-Ver­lag erst­mals ver­öf­fent­licht. »Die Oran­ge Ama­ran­te« erzählt von der Begeg­nung und Freund­schaft eines Regen­trop­fens mit einem ver­irr­ten Son­nen­strahl, endend mit einem gro­ßen Fest im Him­mel. »Der ver­irr­te Don­ner­hund« Bum-Bum-Bubu­bu wie­der­um hat sein Herr­chen, den Blitz Tschs­s­s­ss ver­lo­ren und irrt auf der Suche nach die­sem durch die Gefah­ren des Alls, bis er, den Blitz gefun­den, in einem spek­ta­ku­lä­ren Fina­le den Erden­be­woh­nern einen Blick auf Schön­heit hinterlässt.

Dass sich gro­ße Ver­la­ge jahr­zehn­te­lang für der­ar­ti­ge Arbei­ten Les­ko­scheks nicht inter­es­sier­ten, ist dem cha­rak­te­ri­sti­schen Umgang der öster­rei­chi­schen Nach­kriegs­ge­sell­schaft mit aus dem Exil heim­ge­kehr­ten NS-Geg­nern und ins­be­son­de­re Kom­mu­ni­stin­nen und Kom­mu­ni­sten geschul­det. Wäh­rend er in Bra­si­li­en vor allem als Illu­stra­tor unter ande­rem der Bücher Der Jüng­ling, Der ewi­ge Gat­te, Der Spie­ler, die Brü­der Kara­ma­sow und Die Dämo­nen von Fjo­dor Michai­lo­witsch Dosto­jew­ski oder Ulrich Bechers Bra­si­lia­ni­schen Roman­zero bekannt und ab 1946 als Uni­ver­si­täts­leh­rer geschätzt wur­de, erhielt er im Öster­reich des Kal­ten Krie­ges die ihm in Aus­sicht gestell­te Pro­fes­sur nicht: »Dort, in Bra­si­li­en, wo auch damals Getu­lio Var­gas, aber noch als Dik­ta­tor, regier­te, ließ man mich im gro­ßen und gan­zen in Ruhe, ja man gab mir sogar eine Pro­fes­sur. Die­ses Ereig­nis wie­der­hol­te sich kei­nes­wegs nach mei­ner Rück­kehr nach Öster­reich, obwohl der Rek­tor und die Pro­fes­so­ren­schaft einer hie­si­gen Hoch­schu­le mei­ne Betrau­ung mit einer Lehr­stel­le bean­tragt hatten.«

So leb­te er neben sei­ner Tätig­keit als Illu­stra­tor und Buch­gra­fi­ker von Kunst­kri­ti­ken für die kom­mu­ni­sti­sche Volks­stim­me und ver­schie­de­ne ande­re Zei­tun­gen im Umfeld der KPÖ. Eine öffent­li­che Wür­di­gung erhielt er erst, nach­dem er 1968 nach der Nie­der­schla­gung des Pra­ger Früh­lings aus der KPÖ aus­ge­tre­ten war. Das umfang­reich mit Wer­ken Les­ko­scheks illu­strier­te Nach­wort des Her­aus­ge­bers und Histo­ri­kers Heimo Halb­rai­ner zeich­net des­sen Lebens­weg als bil­den­den Künst­ler und auf­rech­ten Kämp­fer für eine sozia­le Gesell­schaft, illu­striert mit einem Quer­schnitt aus sei­nem Werk, nach.

Axl Les­ko­schek: Zwei Mär­chen. Die Oran­ge Ama­ran­te. Der ver­irr­te Don­ner­hund. Aus dem Por­tu­gie­si­schen von Michae­la Wolf. Hg. u. mit einem Nach­wort von Heimo Halb­rai­ner, CLIO: Graz 2026, 80 S., 20 €.