Skip to content

Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

☞

Menu
Menu

Mehr Sabotage!

Thea­ter, das man mit dem fran­zö­si­schen Fremd­wort »Esprit« in Ver­bin­dung bringt, ist rar, z. B. in Stutt­gart. Da hat es Ber­lin mit »Sabo­ta­ge« (in der Schau­büh­ne) von Yael Ronen besser.

Da sind meh­re­re heik­le The­men (»Iden­ti­tät«, Gaza, Isra­el), die auf kurz­wei­li­ge, aber kei­nes­wegs ober­fläch­li­che Wei­se im wahr­sten Sin­ne ver- und behan­delt wer­den. Und das für eine gebil­de­te Mit­tel­schicht – wer geht sonst ins Thea­ter? –, die noch nicht ver­blö­det ist, son­dern zumin­dest in ihrem Milieu nach ver­schie­de­nen Rich­tun­gen unter­wegs ist. Sabo­tiert wer­den hier ein Film, eine Ehe, ein The­ra­pie­set­ting, ein Fuß­ball­kom­men­ta­tor und Reli­gio­nen. Wer traut sich das in unse­re Zen­sur­ge­sell­schaft noch? Jesus spielt mit als blin­der Fleck wie eben­so ein israe­li­scher Gelehr­ter, dem es geht und ging wie ande­ren, sie wur­den über­hört: Jescha­ja­hu Leibowitz.

Die Fra­ge bei unse­rem Besuch war zum Schluss, ob der Film in der ARD gesen­det wur­de (wer­den wür­de). Natür­lich nicht. Am Ende bleibt eine Ver­lust­er­fah­rung, aber die­se erle­ben zu kön­nen, ist schon mehr, als den mei­sten heu­te zuzu­trau­en ist.

Denn ver­lo­ren geht mehr, als ein klu­ger Phi­lo­soph für Isra­el vor­aus­ge­sagt hat, auch bei uns wur­den nicht nur Sinn und Ver­stand verloren …

Dass Thea­ter zur Besin­nung bei­tra­gen kann oder hel­fen, den Begrif­fen schwim­men zu leh­ren, damit sie in stür­mi­scher See nicht unter­ge­hen, ist das Beste, was man sich gera­de wün­schen kann.

PS: Marx dach­te sich als Auf­ga­be der sozia­li­sti­schen Gesell­schaft die Abschaf­fung des Staa­tes, der immer ein Repres­si­ons­in­stru­ment der herr­schen­den Klas­se war und ist. Nun fra­ge ich mich, ob das gewünsch­te Ver­bot, die Abschaf­fung des jüdi­schen Staa­tes zu den­ken, wie selbst­ver­ständ­lich auch des unse­ren, der frei­lich durch EU und WHO schon etwas »abge­schafft« wur­de, nicht auch gegen einen sozia­li­sti­schen Gedan­ken gerich­tet ist. Wür­de zu unse­rer »Wer­te­ge­mein­schaft« pas­sen, die ihre Zukunft gera­de abschafft.