Theater, das man mit dem französischen Fremdwort »Esprit« in Verbindung bringt, ist rar, z. B. in Stuttgart. Da hat es Berlin mit »Sabotage« (in der Schaubühne) von Yael Ronen besser.
Da sind mehrere heikle Themen (»Identität«, Gaza, Israel), die auf kurzweilige, aber keineswegs oberflächliche Weise im wahrsten Sinne ver- und behandelt werden. Und das für eine gebildete Mittelschicht – wer geht sonst ins Theater? –, die noch nicht verblödet ist, sondern zumindest in ihrem Milieu nach verschiedenen Richtungen unterwegs ist. Sabotiert werden hier ein Film, eine Ehe, ein Therapiesetting, ein Fußballkommentator und Religionen. Wer traut sich das in unsere Zensurgesellschaft noch? Jesus spielt mit als blinder Fleck wie ebenso ein israelischer Gelehrter, dem es geht und ging wie anderen, sie wurden überhört: Jeschajahu Leibowitz.
Die Frage bei unserem Besuch war zum Schluss, ob der Film in der ARD gesendet wurde (werden würde). Natürlich nicht. Am Ende bleibt eine Verlusterfahrung, aber diese erleben zu können, ist schon mehr, als den meisten heute zuzutrauen ist.
Denn verloren geht mehr, als ein kluger Philosoph für Israel vorausgesagt hat, auch bei uns wurden nicht nur Sinn und Verstand verloren …
Dass Theater zur Besinnung beitragen kann oder helfen, den Begriffen schwimmen zu lehren, damit sie in stürmischer See nicht untergehen, ist das Beste, was man sich gerade wünschen kann.
PS: Marx dachte sich als Aufgabe der sozialistischen Gesellschaft die Abschaffung des Staates, der immer ein Repressionsinstrument der herrschenden Klasse war und ist. Nun frage ich mich, ob das gewünschte Verbot, die Abschaffung des jüdischen Staates zu denken, wie selbstverständlich auch des unseren, der freilich durch EU und WHO schon etwas »abgeschafft« wurde, nicht auch gegen einen sozialistischen Gedanken gerichtet ist. Würde zu unserer »Wertegemeinschaft« passen, die ihre Zukunft gerade abschafft.