Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu
Close
Skip to content

Antwort

Huber­tus Kna­be: Strei­ter gegen das Unrecht – Wer­ter Herr Kna­be, als Gast­kom­men­ta­tor der Bild-Zei­tung stimm­ten Sie in den all­jähr­li­chen Mau­er­bau-Blues mit hoher Stim­me ein. Sie bekla­gen, dass die Opfer des Kom­mu­nis­mus noch »nicht ein­mal ein Denk­mal bekom­men« haben – neben­bei bemerkt, eine selt­sa­me Kla­ge, haben Sie doch selbst ein­mal ein sol­ches »Denk­mal« gelei­tet –, und fin­den es uner­hört, dass etwa Bodo Rame­low (Die Lin­ke) und Manue­la Schwe­sig (SPD) »sogar bestrei­ten, dass die DDR ein Unrechts­staat war«. Nun ja, sowohl das Bau­werk, des­sen Errich­tung übri­gens kei­ne »Nacht- und Nebel-Akti­on«, son­dern von den West­mäch­ten gedeckt war (sie­he den Bei­trag »Nach­trag zum 13. August 1961« in die­sem Heft), als auch den Staat, der sei­ne Bür­ger damit »ein­schloss« und des­sen Ver­teu­fe­lung Sie seit Jah­ren für »histo­ri­sche Auf­ar­bei­tung« hal­ten, gibt es längst nicht mehr. Wir könn­ten also der Abwechs­lung hal­ber gern auch mal an ein ande­res Jubi­lä­um erin­nern: Vor 65 Jah­ren, eben­falls im August, wur­de in West­deutsch­land die Kom­mu­ni­sti­sche Par­tei ver­bo­ten. Tau­sen­de ihrer Anhän­ger kamen vor Gericht und vie­le für Jah­re ins Gefäng­nis. Was Unrecht im Namen des Rechts angeht, die juri­sti­sche Ver­fol­gung Anders­den­ken­der, nicht weil sie etwas »ver­bro­chen«, son­dern weil sie die »fal­sche Gesin­nung« hat­ten, kann sich die alte BRD also durch­aus neben der DDR sehen las­sen. Da lagen die bei­den Staa­ten im Unrechts-Wett­be­werb gewis­ser­ma­ßen Kopf an Kopf.