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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Die Schande des Westens

Vor weni­gen Tage durf­te die Welt erle­ben, dass end­lich der letz­te west­li­che Besat­zungs­sol­dat Afgha­ni­stan ver­las­sen hat – flucht­ar­tig, fast genau zwan­zig Jah­re, nach­dem das US-ame­ri­ka­ni­sche Impe­ri­um nebst des­sen in Treue fest erge­be­nen Nato-Vasal­len einen völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriffs­krieg gegen das Land am Hin­du­kusch und sei­ne Men­schen ent­fes­selt hat­ten. Die­sem Men­schen- und Völ­ker­rechts­ver­bre­chen fie­len in den letz­ten zwan­zig Jah­ren Aber­tau­sen­de afgha­ni­sche Män­ner, Frau­en, Kin­der und Alte zum Opfer – ermor­det, ver­stüm­melt, ver­ge­wal­tigt, gefol­tert – und dies viel­fach gera­de auch durch die­je­ni­gen, die von ver­meint­lich zivi­li­sier­ten, demo­kra­ti­schen Natio­nen ent­sandt wor­den waren mit dem Auf­trag, Afgha­ni­stan Men­schen­rech­te, Demo­kra­tie, Frei­heit und Wohl­stand zu bringen.

Legi­ti­miert wur­de der krie­ge­ri­sche Ein­fall in das Land am Hin­du­kusch als Selbst­ver­tei­di­gung gegen einen Akt, den Hel­mut Schmidt als ter­ro­ri­sti­sches »Mam­mut­ver­bre­chen« bezeich­net hat­te – wobei es dabei offen­bar nicht die gering­ste Rol­le spiel­te, dass an den Ter­ror­an­schlä­gen von New York und Washing­ton am 11. Sep­tem­ber 2001 nicht ein ein­zi­ger Afgha­ne betei­ligt war. Schon damals gab es welt­weit Mil­lio­nen Men­schen, die die­sen krie­ge­ri­schen Will­kür­akt des US-Prä­si­den­ten Geor­ge W. Bush und sei­ner Spieß­ge­sel­len in der Nato nicht hin­neh­men woll­ten und auf­stan­den, um ihre Stim­me gegen Krieg und Ter­ror zugun­sten einer nicht­mi­li­tä­ri­schen Kon­flikt­lö­sung zu erhe­ben. Dazu zähl­ten auch die vie­len Tau­send um den Frie­den besorg­ten Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich am 13. Okto­ber 2001 in Stutt­gart ver­sam­melt hat­ten, um gegen die weni­ge Tage zuvor gestar­te­te US-Inva­si­on in Afgha­ni­stan zu demonstrieren.

Als sei­ner­zeit noch akti­ver Sol­dat der Bun­des­wehr war ich auf­ge­for­dert wor­den, einen Bei­trag zu die­ser Kund­ge­bung zu lei­sten. Mei­ne Wei­ge­rung, dem am Hin­du­kusch insze­nier­ten Akt der Bar­ba­rei zuzu­stim­men, geschwei­ge denn, mich dar­an zu betei­li­gen, begrün­de­te ich damals unter ande­rem mit fol­gen­den Wor­ten: »Selbst­ver­ständ­lich muss der mör­de­ri­sche Ter­ro­ris­mus ein­ge­dämmt und besei­tigt wer­den; auch bin ich kein Anhän­ger fun­da­men­tal­pa­zi­fi­sti­scher Auf­fas­sun­gen. Den­noch habe ich ganz gra­vie­ren­de Zwei­fel an der Sinn­haf­tig­keit von Ter­ro­ris­mus­be­kämp­fung mit­tels mili­tä­ri­scher Gewalt­an­wen­dung in der Form, wie wir sie der­zeit erle­ben müs­sen. Denn das Töten von Ter­ro­ri­sten, Fun­da­men­ta­li­sten, Isla­mi­sten oder son­sti­gen Fein­den der zivi­li­sier­ten Völ­ker und die Ver­nich­tung ihrer eher arm­se­li­gen, jeden­falls schnell zu erset­zen­den Infra­struk­tur stellt doch nur ein Kurie­ren von Sym­pto­men dar. Es ändert nicht das Gering­ste an den Ursa­chen für das Ent­ste­hen von Denk­scha­blo­nen und Hand­lungs­mu­stern, mit denen fun­da­men­ta­li­sti­sche Mär­ty­rer in ihren Hei­li­gen Krieg gegen eine als gott­los und zutiefst unge­recht emp­fun­de­ne Welt ziehen.«

Doch anstatt inne­zu­hal­ten, die Fol­gen bis­he­ri­ger Welt­po­li­tik der USA zu über­den­ken und die­se gege­be­nen­falls grund­le­gend zu ändern, ver­kün­de­te der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent einen »Kreuz­zug gegen den Ter­ro­ris­mus«, sprach von »jagen« und »aus­räu­chern«, schwor Rache und Ver­gel­tung, for­der­te in Wild­west-Manier die Aus­lie­fe­rung des Haupt­ver­däch­ti­gen Osa­ma bin Ladin »dead or ali­ve«. Und welt­weit stimm­ten die Regie­run­gen in die Kriegs­rhe­to­rik ein, unter dem anfäng­li­chen Bei­fall fast der gesam­ten Medienlandschaft.

Dabei star­ben an jedem Tag, an dem die sil­ber­nen Tür­me des World Trade Cen­ters im Licht der auf­ge­hen­den Son­ne noch erstrahl­ten, in der Drit­ten Welt vier­zig­tau­send Kin­der an den Fol­gen von Elend, Hun­ger, Krank­heit und Krieg. Vier­zig­tau­send – das sind fast zehn­mal so viel Opfer, wie nach dem Atten­tat von New York zu bekla­gen waren. Aber hat man jemals davon gehört, dass die Bör­se an der Wall Street ihren Han­del mit einer Gedenk­mi­nu­te für die­se still und lei­se vor sich hin­ster­ben­den Kin­der in der Drit­ten Welt eröff­net hät­te? Natür­lich sind Ent­set­zen, Wut und Trau­er über die »eige­nen« Toten stets am größ­ten, aber darf man des­halb den Tod der ande­ren schlicht­weg ignorieren?

Die Rüstungs­aus­ga­ben der USA errei­chen in die­sem Jahr die astro­no­mi­sche Sum­me von etwa 700 Mil­li­ar­den DM – das ist mehr als das Fünf­zehn­fa­che des deut­schen Ver­tei­di­gungs­etats. Die­se unge­heu­er­li­che Ver­schwen­dung von Res­sour­cen ist schlech­ter­dings obszön. Nicht allein des­we­gen, weil die gewal­tig­ste Mili­tär­ma­schi­ne­rie der Welt­ge­schich­te ange­sichts der eis­kal­ten Ratio­na­li­tät, der kaum über­biet­ba­ren kri­mi­nel­len Ener­gie, der bar­ba­ri­schen Ent­schlos­sen­heit und der selbst­mör­de­ri­schen Furcht­lo­sig­keit der Täter gran­di­os ver­sagt hat, ja ver­sa­gen muss­te. Son­dern vor allem des­we­gen, weil bereits mit einem Bruch­teil der für mili­tä­ri­sche Zwecke auf­ge­wen­de­ten Mit­tel die Ursa­chen und nicht nur die Sym­pto­me ter­ro­ri­sti­scher Gewalt bekämpft wer­den könn­ten. Statt­des­sen stellt der ame­ri­ka­ni­sche Kon­gress umstands­los, qua­si aus der Por­to­kas­se, über 80 Mil­li­ar­den DM für eine unsin­ni­ge Ter­ro­ri­sten­hatz mit mili­tä­ri­schen Mit­teln zur Ver­fü­gung. Man stel­le sich die Ent­rü­stung der­sel­ben Abge­ord­ne­ten vor, hät­te man von ihnen ver­langt, die glei­che Sum­me für Ent­wick­lungs­hil­fe bereit­zu­stel­len. Dabei ist offen­sicht­lich, dass in einem Land wie Afgha­ni­stan, in dem seit Jahr­zehn­ten der Bür­ger­krieg tobt, Bom­ben und Rake­ten das letz­te sind, was zur Frie­dens­stif­tung bei­tra­gen kann.

Robert Bow­man, der als Kampf­pi­lot der ame­ri­ka­ni­schen Streit­kräf­te wäh­rend des Viet­nam­kriegs selbst Tod und Ver­nich­tung vom Him­mel schick­te und heu­te als Bischof der Ver­ei­nig­ten Katho­li­schen Kir­che in Mel­bourne Beach, Flo­ri­da, wirkt, gei­ßelt die Kriegs­po­li­tik sei­ner Regie­rung mit fol­gen­den Wor­ten: »Anstatt unse­re Söh­ne um die Welt zu schicken, um Ara­ber zu töten, damit wir das Öl, das unter deren Sand liegt, haben kön­nen, soll­ten wir sie sen­den, um deren Infra­struk­tur wie­der in Stand zu set­zen, rei­nes Was­ser zu lie­fern und hun­gern­de Kin­der füt­tern.« Und er fährt fort: »Kurz­um, wir soll­ten Gutes tun anstel­le von Bösem. Wer wür­de ver­su­chen, uns auf­zu­hal­ten? Wer wür­de uns has­sen? Wer wür­de uns bom­bar­die­ren wol­len? Das ist die Wahr­heit, die die ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger und die Welt hören müssen.«

Nicht Krieg also kann den Frie­den brin­gen, son­dern allein Gerech­tig­keit. In Abwand­lung des alt­be­kann­ten römi­schen Wahl­spruchs muss die Devi­se dem­nach lau­ten: Wenn du den Frie­den willst, so die­ne dem Frie­den! Die­ser Kampf für den Frie­den muss um die See­len und Her­zen der Men­schen in den isla­mi­schen Län­dern geführt wer­den. Jede Bom­be auf Afgha­ni­stan stei­gert den Hass und die Res­sen­ti­ments gegen die USA in der mus­li­mi­schen Welt ins Uner­mess­li­che. Jeder Rake­ten­ein­schlag dient der Sta­bi­li­sie­rung von Regie­run­gen im Nahen und Mitt­le­ren Osten, die durch und durch kor­rupt, men­schen­ver­ach­tend und alles ande­re als demo­kra­tisch sind. Doch all dies zählt offen­bar nichts, wenn frü­he­re Schur­ken heu­te als Alli­ier­te benö­tigt wer­den. Die sich zivi­li­siert nen­nen­den Natio­nen die­ser Welt soll­ten nicht dem Jar­gon von Ter­ror und Gegen­ter­ror ver­fal­len. Ange­sichts der ent­setz­li­chen Kata­stro­phe von New York und Washing­ton und der sich nun abzeich­nen­den, min­de­stens so grau­en­vol­len Hun­ger- und Flücht­lings­ka­ta­stro­phe in Afgha­ni­stan soll­ten sie sich statt­des­sen mit aller Kraft der Ver­bes­se­rung der uner­träg­li­chen poli­ti­schen, öko­no­mi­schen und sozia­len Ver­hält­nis­se in jener Regi­on der Welt widmen.

Ich habe afgha­ni­sche Flücht­lings­la­ger im Iran und Paki­stan mit eige­nen Augen gese­hen, das Elend in den Palä­sti­nen­ser­la­gern des Süd­li­ba­non und die unbe­schreib­li­che Armut der Men­schen im Sudan. Zumin­dest ein Gedan­ke resul­tiert aus jenen Bil­dern, näm­lich dass dies die Höl­len sind, in denen jene zor­ni­gen jun­gen Män­ner gebo­ren wer­den, die nur ein Wunsch beseelt: Ihre Höl­le in unse­re Höl­le zu verwandeln.

Zugleich bin ich im Ver­lau­fe vie­ler Rei­sen durch den Nahen und Mitt­le­ren Osten unge­zähl­ten Men­schen – Män­nern und Frau­en, Kin­dern und Alten – begeg­net, die mir als »rei­chem Ale­man« trotz eige­ner Armut dut­zend­fach groß­ar­ti­ge Herz­lich­keit und über­wäl­ti­gen­de Gast­freund­schaft ent­ge­gen­brach­ten. Es ist an der Zeit, etwas von die­sen Erfah­run­gen zurück­zu­ge­ben, und wenn es nur ein wenig Soli­da­ri­tät und die Gewiss­heit ist, dass die­ser Krieg nicht mein Krieg ist!

Unge­ach­tet des­sen ver­si­cher­te eine rot-grü­ne Bel­li­zi­sten-Misch­po­ke, allen vor­an Gerd Schrö­der, Josch­ka Fischer und Peter Struck Deutsch­lands »unein­ge­schränk­te Soli­da­ri­tät« im Rah­men der unter dem Rubrum »Glo­bal War on Ter­ror« anste­hen­den Glo­ba­li­sie­rungs­krie­ge. Die Nagel­pro­be für mei­ne dama­li­ge, offen ange­kün­dig­te Wei­ge­rung, den Krieg gegen Afgha­ni­stan und sei­ne Men­schen aktiv zu unter­stüt­zen, kam im März 2007, als ich den dienst­li­chen Befehl erhielt, den vom Deut­schen Bun­des­tag mit demo­kra­ti­scher Digni­tät abge­nick­ten Ein­satz von Tor­na­do-Waf­fen­sy­ste­men der Luft­waf­fe im afgha­ni­schen Mazar-i-Sha­rif logi­stisch zu unter­stüt­zen. Dar­auf­hin mel­de­te ich mei­nem Dis­zi­pli­nar­vor­ge­setz­ten in einer offi­zi­el­len »Dienst­li­chen Erklä­rung«, dass ich es nicht mit mei­nem Gewis­sen ver­ein­ba­ren kön­ne, den Ein­satz die­ser Waf­fen­sy­ste­me in Afgha­ni­stan in irgend­ei­ner Form zu unter­stüt­zen, da mei­ner Auf­fas­sung nach nicht aus­zu­schlie­ßen war, dass ich hier­durch kraft akti­ven eige­nen Han­delns zu einem Bun­des­wehr­ein­satz bei­tra­ge, gegen den gra­vie­ren­de ver­fas­sungs­recht­li­che, völ­ker­recht­li­che, straf­recht­li­che sowie völ­ker­straf­recht­li­che Beden­ken bestan­den. Zugleich bean­trag­te ich, auch von allen wei­te­ren Auf­trä­gen, die im Zusam­men­hang mit der »Ope­ra­ti­on Endu­ring Free­dom« – bei die­ser Mis­si­on han­del­te es sich um den völ­ker­rechts­wid­ri­gen Pri­vat­krieg des Herrn Bush gegen den Ter­ro­ris­mus – stan­den, ent­bun­den zu werden.

Mein dama­li­ger Ent­schluss basier­te auf meh­re­ren Überlegungen:

Der Ein­satz der Bun­des­wehr-Tor­na­dos in Afgha­ni­stan bedeu­te­te not­wen­di­ger­wei­se die Teil­nah­me Deutsch­lands an völ­ker­rechts­wid­ri­gen und vom Nato-Ver­trag nicht gedeck­ten Mili­tär­ak­tio­nen, denn die von jenen Waf­fen­sy­ste­men ermit­tel­ten Auf­klä­rungs­er­geb­nis­se wur­den an das ame­ri­ka­ni­sche Ober­kom­man­do zu Zwecken der »Ope­ra­ti­on Endu­ring Free­dom« wei­ter­ge­lei­tet – kurz, die deut­schen Luft­waf­fen­ma­schi­nen klär­ten jene Zie­le auf, die anschlie­ßend von den Alli­ier­ten bom­bar­diert wurden.

Die Krieg­füh­rung der USA im Rah­men der OEF war unter meh­re­ren Aspek­ten völ­ker­rechts­wid­rig, nämlich:

Sie ließ sich nicht mehr als Selbst­ver­tei­di­gung recht­fer­ti­gen und war nicht auf ein Man­dat des Sicher­heits­rats gestützt;

sie über­schritt bei der Art und Wei­se, ins­be­son­de­re hin­sicht­lich der Aus­wir­kun­gen auf die Zivil­be­völ­ke­rung, selbst die Ermäch­ti­gung der afgha­ni­schen Regie­rung Karzai;

sie war im Hin­blick auf die in Kauf genom­me­nen soge­nann­ten Kol­la­te­ral­schä­den an der Zivil­be­völ­ke­rung mit den völ­ker­recht­li­chen Regeln zum Schutz der Zivil­be­völ­ke­rung nicht ver­ein­bar, und

sie ver­stieß hin­sicht­lich der Behand­lung von Gefan­ge­nen gegen fun­da­men­ta­le men­schen­recht­li­che Grundsätze.

Indem die Bun­des­re­gie­rung den Ein­satz der Tor­na­do-Waf­fen­sy­ste­me in Afgha­ni­stan beschloss, betei­lig­te sie sich aktiv an einem Kriegs­ein­satz, der auf der Grund­la­ge einer Mili­tär­stra­te­gie geführt wur­de, die mit den fun­da­men­ta­len Grund­sät­zen der UN-Char­ta und des Nato-Ver­tra­ges unver­ein­bar war.

Die Ent­wick­lung, die der von einem grö­ßen­wahn­sin­ni­gen US-Impe­ri­um insze­nier­te Krieg in Afgha­ni­stan im Ver­lau­fe der letz­ten zwan­zig Jah­re genom­men hat, war unver­meid­lich und bestä­tigt sowohl mei­ne Ein­schät­zung als auch mein ent­spre­chen­des Han­deln voll­auf. Denn die Bilanz nach all den Jah­ren des Krie­ges lässt sich nur mit einem Wort beschrei­ben: ver­hee­rend. Hun­dert­tau­sen­de gezielt ermor­de­te oder als soge­nann­te zivi­le »Kol­la­te­ral­schä­den« abge­buch­te Afgha­nen und Afgha­nin­nen, Zig­tau­sen­de euphe­mi­stisch zu »Gefal­le­nen« umge­lo­ge­ne frem­de Inva­so­ren, unge­zähl­te an Kör­per und See­le Ver­wun­de­te auf bei­den Sei­ten, exzes­si­ve Kriegs- und Men­schen­rechts­ver­bre­chen, began­gen an der afgha­ni­schen Bevöl­ke­rung, eine immense Selbst­mord­ra­te, vor allem unter den US-ame­ri­ka­ni­schen Angriffs­krie­gern, von Tau­sen­den Luft­an­grif­fen zer­bomb­te Dör­fer und Städ­te, von Muni­ti­on aus abge­rei­cher­tem Uran ver­gif­te­te Land­stri­che, Bil­lio­nen von US-Dol­lar und Mil­li­ar­den von Euros ver­schwen­de­ter Steu­er­gel­der, von denen zuvör­derst die Rüstungs­in­du­strie, Logi­stik­kon­zer­ne und Söld­ner­fir­men des Westens pro­fi­tiert haben, zudem von all­ge­gen­wär­ti­ger Kor­rup­ti­on voll­kom­men zer­rüt­te­te Staats­struk­tu­ren in Afgha­ni­stan, eine als unfä­hi­ger Papier­ti­ger demas­kier­te Nato sowie ein Westen, der nur noch sei­ne mora­li­sche Bank­rott­erklä­rung offen­ba­ren kann.

Dies­be­züg­lich mag es ledig­lich eine Peti­tes­se am Ran­de dar­stel­len, dass die Nomen­kla­tu­ra der Sowjet­uni­on immer­hin nach zehn Jah­ren Krieg begrif­fen hat­te, dass ein sol­cher in Afgha­ni­stan nicht zu gewin­nen war, wäh­rend die Igno­ran­ten und Schwach­köp­fe in den Regie­rungs­kanz­lei­en des Westens dop­pelt so lan­ge benö­tig­ten, um zu die­ser im Grun­de a prio­ri evi­den­ten Erkennt­nis zu gelan­gen. Wie hat­te ein Tali­ban-Kom­man­deur dies­be­züg­lich kürz­lich ange­merkt? »Ihr im Westen habt die Uhren, wir aber haben die Zeit.«

Was bleibt am Ende zu tun? Ganz ein­fach: groß­zü­gig und vor allem unei­gen­nüt­zig Soli­da­ri­tät mit dem afgha­ni­schen Volk üben und jed­we­de Unter­stüt­zung lei­sten, die für einen fried­li­chen Wie­der­auf­bau des Lan­des so unab­ding­bar not­wen­dig ist – und dies gepaart mit der Ein­sicht: Nie wie­der Men­schen­rechts­im­pe­ria­lis­mus, nie wie­der Krieg!

Der Autor war Oberst­leut­nant der Bun­des­wehr und ist Vor­sit­zen­der des För­der­krei­ses Darm­städ­ter Signal.