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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Der DKP-Ausschluss

Kurt Bach­mann, Wider­stands­kämp­fer aus jüdi­scher Fami­lie, war Grün­dungs­vor­sit­zen­der der DKP. Im Vor­wort zur neu­en Aus­ga­be sei­nes Buches »Wir müs­sen Vor­kämp­fer der Men­schen­rech­te sein« durf­te ich auf eine »nicht unwich­ti­ge Klei­nig­keit« hin­wei­sen, die vie­len Mit­bür­ger nicht klar zu sein scheint: »Die DKP gehört zur poli­ti­schen Kul­tur unse­res Lan­des; ohne lega­le DKP als Resul­tat von 1968 hät­te es auch kei­ne zuge­las­se­ne PDS/​Die Lin­ke als Resul­tat von 1989 gege­ben, denn dann wäre Schäub­le viel­leicht auf sehr merk­wür­di­ge Ideen gekom­men.« Jetzt kommt man hin­ge­gen auf merk­wür­di­ge Ideen. Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass der Wahl­aus­schuss ganz »unab­hän­gig« und unvor­ein­ge­nom­men ver­sucht, die DKP zu vernichten.

Wenig bekannt ist der Wort­laut des Ver­bots­ur­teils gegen die KPD von 1956. Dar­in wird ein Ende des KPD-Ver­bots für den Zeit­punkt der Wah­len zur Wie­der­ver­ei­ni­gung fest­ge­legt. Da weder Kom­mu­ni­sten noch Anti­kom­mu­ni­sten mit die­ser gesamt­deut­schen Wahl rech­ne­ten, blieb der Pas­sus im Urteil weit­ge­hend unbe­ach­tet, der auch die Rück­ga­be des Par­tei­ver­mö­gens im Fal­le der Ein­heit vor­sah. Es ist zu hof­fen, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, das nie eine Mög­lich­keit sah, das Ver­bots­ur­teil auf­zu­he­ben, sich in sei­nem anste­hen­den end­gül­ti­gen Urteil zum Wahl­aus­schus­s­ent­scheid an den Text sei­nes 56er Urteils erin­nert. Es möge jeden Ver­such zurück­wei­sen, die Lega­li­tät der kom­mu­ni­sti­schen Par­tei im heu­ti­gen Gesamt­deutsch­land in Fra­ge zu stel­len. Die DKP schuf für alle Demo­kra­ten die Frei­heit, sich in Wort und Schrift zu demo­kra­ti­schen Alter­na­ti­ven zu beken­nen. Ohne lega­le KP ist die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit aller gefähr­det. Nicht ohne Grund haben sich die Alli­ier­ten der Anti­hit­ler­ko­ali­ti­on auf die Ent­na­zi­fi­zie­rung einer­seits und die Zulas­sung der anti­fa­schi­sti­schen Par­tei­en der Arbei­ter­be­we­gung ande­rer­seits geei­nigt – auch wenn die­se Einig­keit mit dem Kal­ten Krieg ein Ende fand. Und auch Arti­kel 139 GG mit der ein­deu­ti­gen Über­schrift »Fort­gel­tung der Ent­na­zi­fi­zie­rungs­vor­schrif­ten« soll­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Erin­ne­rung rufen: »Die zur ‹Befrei­ung des deut­schen Vol­kes von Natio­nal­so­zia­lis­mus und Mili­ta­ris­mus› erlas­se­nen Rechts­vor­schrif­ten wer­den von den Bestim­mun­gen die­ses Grund­ge­set­zes nicht berührt.« Zu die­sen Rechts­vor­schrif­ten der Alli­ier­ten gehör­te das Ver­bot der NSDAP und aller Nach­fol­ge­par­tei­en. Sol­che Par­tei­en exi­stie­ren und exi­stier­ten jedoch mehr­fach, nur eine (SRP) wur­de ver­bo­ten. NPD, Die Rech­te, der III. Weg wur­den nicht ange­ta­stet, der III. Weg wur­de sogar offi­zi­ell als Par­tei zur Bun­des­tags­wahl zugelassen.

Mit der Ver­ga­be des Par­tei­en­sta­tus an Rech­te war man immer frei­gie­big. Zwar wur­de der Frei­heit­li­chen Arbei­ter­par­tei FAP die­ser Sta­tus aberkannt – durch die Innen­mi­ni­ster und nicht durch das Gericht –, aber bald erwies es sich als zweck­mä­ßig für die Neo­na­zis, dem Ver­bot von Kame­rad­schaf­ten mit oder ohne e. V.-Charakter bald den Par­tei­sta­tus fol­gen zu las­sen. So im Fal­le der Par­tei »Die Rech­te«. Die FAP hat­te ihren Sitz in Dort­mund so wie heu­te »Die Rech­te«. Es stellt sich die Fra­ge, ob auf der Lin­ken der Par­tei­sta­tus abge­schafft wer­den soll, um die­se als e. V. bes­ser ver­bie­ten zu kön­nen. Und auf der Rech­ten wird der Par­tei­en­sta­tus groß­zü­gig gewährt, um die­se nicht durch das BVerG ver­bie­ten zu können.

Die Dort­mun­der Antifaschist:innen sehen es als ihre Ver­ant­wor­tung an, im Zen­trum der rech­ten, betont anti­se­mi­ti­schen Bewe­gun­gen den Druck der Demo­kra­ten aufrechtzuerhalten.