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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Feinde der Menschheit

Wer sich immer wie­der besorg­te Gedan­ken macht, war­um wir heu­te in einem so krie­ge­ri­schen, gefähr­li­chen Welt­zu­stand leben, und wel­che frie­dens­stif­ten­den Aus­we­ge sich dar­aus erge­ben könn­ten, fin­det in den öffent­lich-recht­li­chen, pri­va­ten und auch sozia­len Medi­en, in Zeit­schrif­ten und Büchern oder unzäh­li­gen Dis­kus­si­ons­run­den in der Regel oft nur dürf­ti­ge, ver­wir­ren­de und meist wider­spre­chen­de Ant­wor­ten. Wenn außen­po­li­ti­sche Debat­ten über­haupt statt­fin­den, krei­sen sie zumeist hilf­los um die aktu­el­len Ereig­nis­se und unter­lie­gen dem Sog eines süch­tig machen­den Aktua­li­tä­ten-Feti­schis­mus, dem auch ich mich kaum ent­zie­hen kann. Umso wich­ti­ger ist es, immer wie­der inne­zu­hal­ten, den Ohn­machts­ge­füh­len zu wider­ste­hen und über das gewalt­sa­me Gesche­hen um uns her­um nach­zu­den­ken, um für fried­li­che Lösun­gen rin­gen zu können.

Über die Rol­le der jet­zi­gen USA-Admi­ni­stra­ti­on: Nach mei­ner Über­zeu­gung, sind wir Zeu­gen des um sei­ne welt­wirt­schaft­li­che, finan­zi­el­le, poli­ti­sche und ideo­lo­gi­sche Über­le­gen­heit rin­gen­den glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus, mit der jet­zi­gen, grö­ßen­wahn­sin­ni­gen USA-Regie­rung an der Spit­ze, die irra­tio­nal um ihre schwin­den­de Vor­macht­stel­lung ringt.

Über die ideo­lo­gi­sche Selbst­ver­blen­dung des glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus, der seit feu­da­len Zei­ten auf dem Mythos beruht, dass sei­ne »christ­li­chen Wer­te« ihn dazu berech­tig­ten, sei­ne »Wer­te basier­te Ord­nung« durch blu­ti­ge Erobe­rung der Kon­ti­nen­te, not­falls auch durch Völ­ker­mord, den »Bar­ba­ren« gewalt­sam auf­zu­zwin­gen, um die »Ungläu­bi­gen« zu »chri­stia­ni­sie­ren« und um deren Boden­schät­ze exten­siv aus­zu­beu­ten und die »Wil­den« als Arbeits­skla­ven zu benutz­ten. Das zen­tra­le Gebot des Chri­sten­tums »Du sollst nicht töten oder mor­den!« sowie die gesam­te bür­ger­li­che Wer­te­ord­nung galt eher als fra­gi­le »Rechts­grund­la­ge« inner­halb des eige­nen bür­ger­li­chen Systems, nicht aber gegen­über den unter­wor­fe­nen indi­ge­nen Bevöl­ke­run­gen oder gegen­über ande­ren Natio­nen und natio­na­len Min­der­hei­ten. So wie die grie­chi­sche Demo­kra­tie nicht für Frau­en, Skla­ven und Frem­de galt und auch dort die Olig­ar­chie die Macht aus­üb­te. Die­se innen- und außen­po­li­tisch rele­van­te Selbst­ver­blen­dung des Kapi­ta­lis­mus, als angeb­li­cher Heils­brin­ger sei­ner Gesell­schafts­ord­nung, sei­ner »Frei­heit« und »Demo­kra­tie«, ist bis­her nie in der öffent­li­chen Debat­te, geschwei­ge denn, als per­ma­nen­te Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen gegen das inter­na­tio­na­le Völ­ker­recht auf­ge­ar­bei­tet worden.

Über die Ideo­lo­gie des Natio­na­lis­mus, ver­bun­den mit einem laten­ten und offe­nen Ras­sis­mus sowie der Pro­pa­gie­rung einer frau­en­feind­li­chen Män­ner­herr­schaft. Sug­ge­riert wird dabei, dass eine rechts­kon­ser­va­ti­ve, rechts­ra­di­ka­le Poli­tik wie »Ame­ri­ka First« oder auch »Deutsch­land, den Deut­schen – Aus­län­der raus«, die Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen sowie Sozi­al­sy­ste­me der eige­nen Bevöl­ke­rung schüt­zen und ver­bes­sern wür­de und des­halb auch eine gewalt­sa­me Abschie­be- und krie­ge­ri­sche Außen­po­li­tik not­wen­dig sei. In Wirk­lich­keit wird dadurch genau das Gegen­teil erreicht: Die neo­ko­lo­nia­len, west­li­chen Krie­ge und die welt­wei­te Aus­beu­tung mit ihren öko­lo­gi­schen Fol­gen trei­ben immer mehr Men­schen aus allen Him­mels­rich­tun­gen in die stär­ker wohl­ha­ben­den west­li­chen Län­der, um ihr nack­tes Über­le­ben irgend­wie zu sichern.

Die Lüge von der Bedro­hung, gar ato­ma­ren Bedro­hung durch Län­der wie Russ­land, Chi­na und dem Iran dient nur als Vor­wand, um die eige­ne Vor­herr­schaft zu sichern. Denn was wür­de der Ein­satz von Atom­waf­fen, wenn über­haupt vor­han­den, ande­res bewir­ken als die Selbst­ver­nich­tung aller Sei­ten? Die Rück­kehr zu einer diplo­ma­ti­schen Poli­tik des gegen­sei­ti­gen Wan­dels durch Annä­he­rung und Han­del ist die frie­dens­stif­ten­de Lösung, die wir vor 1989 erlebt haben. Nur sie kann die des­po­ti­schen Ver­här­tun­gen auf allen Sei­ten dau­er­haft zurück­drän­gen. Das Gegen­teil davon endet in der Apokalypse.

Fazit: Über die­se und ver­wand­te glo­ba­le Zusam­men­hän­ge gilt es, viel stär­ker als bis­her, lei­den­schaft­lich auf­zu­klä­ren. Es gilt, in der poli­ti­schen Debat­te und im Rin­gen um alter­na­ti­ve Poli­tik­an­sät­ze deut­lich her­aus­zu­stel­len, dass die größ­ten Fein­de der Mensch­heit sich z. Z. in den Regie­run­gen der USA und in Isra­el befin­den, die ver­su­chen, mit allen Mit­teln krie­ge­ri­scher Gewalt, eige­ne natio­na­li­sti­sche Kapi­tal­in­ter­es­sen gegen die Selbst­be­stim­mungs­rech­te, gegen natio­na­le Min­der­hei­ten und Natio­nen durch­zu­set­zen. Dabei wirkt sich die­se gewalt­sa­me Vor­wärts-Stra­te­gie auch ver­hee­rend auf die eige­nen Natio­nen aus: durch Tau­sen­de eige­ner Tote und mas­si­ve Zer­stö­run­gen, durch stei­gen­de Ener­gie­prei­se, Bil­lio­nen von Staats­schul­den, Infla­ti­on und kol­la­bie­ren­de Sozi­al­sy­ste­me, der Ver­tie­fung sozia­ler Spal­tung und durch die öko­lo­gi­sche Kri­se. Die Gefahr eines selbst­zer­stö­re­ri­schen 3. Welt­krie­ges ist zum Grei­fen nah, wenn sich nicht end­lich die fun­da­men­ta­le Erkennt­nis durch­setzt: Der Westen befin­det sich auf einem kata­stro­pha­len Irr­weg der Geschich­te, der im Grun­de auch das eige­ne, einst­mals huma­ne, christ­lich-jüdi­sche Wer­te­sy­stem end­gül­tig zerstört.

Nur eine Rück­kehr zu den Grund­sät­zen der UN-Char­ta kann die welt­po­li­ti­sche Span­nungs- und Gewalt­spi­ra­le lang­fri­stig zurück­drän­gen, nicht aber der Export des west­li­chen Gesell­schafts­sy­stems, das schon vor 500 Jah­ren, bei der blu­ti­gen Erobe­rung der Kon­ti­nen­te begann und inzwi­schen ein bedroh­li­cher, völ­lig kon­tra­pro­duk­ti­ver, gesell­schaft­li­cher Ana­chro­nis­mus gewor­den ist.