Wer sich immer wieder besorgte Gedanken macht, warum wir heute in einem so kriegerischen, gefährlichen Weltzustand leben, und welche friedensstiftenden Auswege sich daraus ergeben könnten, findet in den öffentlich-rechtlichen, privaten und auch sozialen Medien, in Zeitschriften und Büchern oder unzähligen Diskussionsrunden in der Regel oft nur dürftige, verwirrende und meist widersprechende Antworten. Wenn außenpolitische Debatten überhaupt stattfinden, kreisen sie zumeist hilflos um die aktuellen Ereignisse und unterliegen dem Sog eines süchtig machenden Aktualitäten-Fetischismus, dem auch ich mich kaum entziehen kann. Umso wichtiger ist es, immer wieder innezuhalten, den Ohnmachtsgefühlen zu widerstehen und über das gewaltsame Geschehen um uns herum nachzudenken, um für friedliche Lösungen ringen zu können.
Über die Rolle der jetzigen USA-Administration: Nach meiner Überzeugung, sind wir Zeugen des um seine weltwirtschaftliche, finanzielle, politische und ideologische Überlegenheit ringenden globalen Kapitalismus, mit der jetzigen, größenwahnsinnigen USA-Regierung an der Spitze, die irrational um ihre schwindende Vormachtstellung ringt.
Über die ideologische Selbstverblendung des globalen Kapitalismus, der seit feudalen Zeiten auf dem Mythos beruht, dass seine »christlichen Werte« ihn dazu berechtigten, seine »Werte basierte Ordnung« durch blutige Eroberung der Kontinente, notfalls auch durch Völkermord, den »Barbaren« gewaltsam aufzuzwingen, um die »Ungläubigen« zu »christianisieren« und um deren Bodenschätze extensiv auszubeuten und die »Wilden« als Arbeitssklaven zu benutzten. Das zentrale Gebot des Christentums »Du sollst nicht töten oder morden!« sowie die gesamte bürgerliche Werteordnung galt eher als fragile »Rechtsgrundlage« innerhalb des eigenen bürgerlichen Systems, nicht aber gegenüber den unterworfenen indigenen Bevölkerungen oder gegenüber anderen Nationen und nationalen Minderheiten. So wie die griechische Demokratie nicht für Frauen, Sklaven und Fremde galt und auch dort die Oligarchie die Macht ausübte. Diese innen- und außenpolitisch relevante Selbstverblendung des Kapitalismus, als angeblicher Heilsbringer seiner Gesellschaftsordnung, seiner »Freiheit« und »Demokratie«, ist bisher nie in der öffentlichen Debatte, geschweige denn, als permanente Menschenrechtsverletzungen gegen das internationale Völkerrecht aufgearbeitet worden.
Über die Ideologie des Nationalismus, verbunden mit einem latenten und offenen Rassismus sowie der Propagierung einer frauenfeindlichen Männerherrschaft. Suggeriert wird dabei, dass eine rechtskonservative, rechtsradikale Politik wie »Amerika First« oder auch »Deutschland, den Deutschen – Ausländer raus«, die Arbeits- und Lebensbedingungen sowie Sozialsysteme der eigenen Bevölkerung schützen und verbessern würde und deshalb auch eine gewaltsame Abschiebe- und kriegerische Außenpolitik notwendig sei. In Wirklichkeit wird dadurch genau das Gegenteil erreicht: Die neokolonialen, westlichen Kriege und die weltweite Ausbeutung mit ihren ökologischen Folgen treiben immer mehr Menschen aus allen Himmelsrichtungen in die stärker wohlhabenden westlichen Länder, um ihr nacktes Überleben irgendwie zu sichern.
Die Lüge von der Bedrohung, gar atomaren Bedrohung durch Länder wie Russland, China und dem Iran dient nur als Vorwand, um die eigene Vorherrschaft zu sichern. Denn was würde der Einsatz von Atomwaffen, wenn überhaupt vorhanden, anderes bewirken als die Selbstvernichtung aller Seiten? Die Rückkehr zu einer diplomatischen Politik des gegenseitigen Wandels durch Annäherung und Handel ist die friedensstiftende Lösung, die wir vor 1989 erlebt haben. Nur sie kann die despotischen Verhärtungen auf allen Seiten dauerhaft zurückdrängen. Das Gegenteil davon endet in der Apokalypse.
Fazit: Über diese und verwandte globale Zusammenhänge gilt es, viel stärker als bisher, leidenschaftlich aufzuklären. Es gilt, in der politischen Debatte und im Ringen um alternative Politikansätze deutlich herauszustellen, dass die größten Feinde der Menschheit sich z. Z. in den Regierungen der USA und in Israel befinden, die versuchen, mit allen Mitteln kriegerischer Gewalt, eigene nationalistische Kapitalinteressen gegen die Selbstbestimmungsrechte, gegen nationale Minderheiten und Nationen durchzusetzen. Dabei wirkt sich diese gewaltsame Vorwärts-Strategie auch verheerend auf die eigenen Nationen aus: durch Tausende eigener Tote und massive Zerstörungen, durch steigende Energiepreise, Billionen von Staatsschulden, Inflation und kollabierende Sozialsysteme, der Vertiefung sozialer Spaltung und durch die ökologische Krise. Die Gefahr eines selbstzerstörerischen 3. Weltkrieges ist zum Greifen nah, wenn sich nicht endlich die fundamentale Erkenntnis durchsetzt: Der Westen befindet sich auf einem katastrophalen Irrweg der Geschichte, der im Grunde auch das eigene, einstmals humane, christlich-jüdische Wertesystem endgültig zerstört.
Nur eine Rückkehr zu den Grundsätzen der UN-Charta kann die weltpolitische Spannungs- und Gewaltspirale langfristig zurückdrängen, nicht aber der Export des westlichen Gesellschaftssystems, das schon vor 500 Jahren, bei der blutigen Eroberung der Kontinente begann und inzwischen ein bedrohlicher, völlig kontraproduktiver, gesellschaftlicher Anachronismus geworden ist.