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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Windiges

Ach, wie lie­be ich die­se Arti­kel aus der Stutt­gar­ter Zei­tung, die vom pral­len Leben bzw. der prall­vol­len Bla­se berichten!

Da sind mal wie­der in einem Regio­nal­zug alle Toi­let­ten kaputt oder nicht benutz­bar. Was soll frau machen in ihrer Not? Hat sie Klas­sen­be­wusst­sein, geht sie in die 1. Klas­se und sucht sich dort einen Ort für ihre Not­durft. Lei­der ent­deckt sie eine Zug­be­glei­te­rin. Es kommt zum Ärger, ein Hand­ge­men­ge mit Haar­zie­hen, die Bahn­kun­din soll sich aggres­siv ver­hal­ten haben, statt sich über eine sicher hilfs­be­rei­te Kon­trol­leu­rin zu freu­en; zwei ver­mut­lich 1. Klas­se Rei­sen­de haben sich auf die Sei­te der staat­li­chen Ord­nung gestellt und die Frau über­wäl­tigt, bis die Bahn- und Lan­des­po­li­zei sie ver­haf­ten konn­te – und wg. ihres Zustan­des in ein Kran­ken­haus brin­gen muss­te. Auch die Bahn­mit­ar­bei­te­rin konn­te wg. Kopf­schmer­zen ihre Arbeit nicht fort­set­zen. – Wo sind mei­ne Sym­pa­thien in die­sem Fall?

Wir haben einen Qua­li­täts­be­auf­trag­ten in Baden-Würt­tem­berg, der sich um die Belan­ge der Kun­den küm­mern darf. Lei­der hat er wohl nicht die Mit­tel, etwas zu ver­bes­sern. Wir ahnen ja schon, wo das Pro­blem liegt, aber gegen den eiser­nen Wil­len zur Pro­fi­ma­xi­mie­rung ist in die­sem Land, und schon gar nicht bei der Bahn, kein Kraut gewach­sen. (Und dass man dafür über Lei­chen geht, zeigt die jüng­ste Ver­gan­gen­heit, die davor sowieso.)

Und neben­bei bemerkt: Solan­ge die Men­schen in die­sem Land die Par­tei­en wäh­len, die direkt oder indi­rekt für das Elend ver­ant­wort­lich sind, das sich Deut­sche Bahn nennt (schwei­gen wir vom Woh­nungs­bau usw.), bleibt wohl nur die indi­vi­du­el­le Not­lö­sung, wie sie unse­re Kun­din ver­sucht, und die lei­der im Kran­ken­haus endete.

Auch ich bin kürz­lich mit der Bahn nach Ber­lin gefah­ren, unser Ziel­bahn­hof wur­de nicht ange­fah­ren, statt­des­sen ein ande­rer, was min­de­stens eine Stun­de geko­stet hat. Beim War­ten auf den ver­spä­te­ten Zug habe ich mir in uner­freu­li­cher Umge­bung gleich eine Erkäl­tung ein­ge­fan­gen. Auf dem Rück­weg wie­der über eine Stun­de Ver­spä­tung. Jeder kennt die­se Geschich­ten! Nur, war­um wird nichts besser?

Viel­leicht soll­te man/​frau öfters ihre Not­durft, nen­nen wir es Not­wehr, in der 1. Klas­se ver­rich­ten, sonst sehe ich – vor allem da hier die neue Regie­rung die Fort­set­zung der alten ist – wenig Hoffnung?!

»Die­ser Staat gab sich nicht damit zufrie­den, einen Men­schen nie­der­zu­schla­gen, um hun­dert ande­re zu erzie­hen, wie es die Roten Bri­ga­den noch vol­ler Nach­druck geschrie­ben hat­ten, die­ser Staat schlug wahl­los auf jeden ein, um alle zu dis­zi­pli­nie­ren und ein gan­zes Land an die Kan­da­re zu neh­men.« Fer­ra­ri, Dario: Die Pau­se ist vor­bei. Roman. Ber­lin 2026.