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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Akteneinsicht!

Die Kam­pa­gne »Ich will mei­ne Akte sehen« wur­de gera­de mal wie­der im Fal­le der soge­nann­ten Sta­si-Opfer erneu­ert (NDR-Geschich­te vom 13.3.26). Eine Kam­pa­gne für den Ein­blick in die Gesta­po-Akten hat es jedoch nie gege­ben. War­um wohl? Und was ist mit dem Ein­blick in die Ver­fas­sungs­schutz­ak­ten? Auf die­sem Feld zu ackern, wäre nach der Wei­mer-Attacke gegen Buch­händ­ler, die völ­lig ahnungs­los waren, beson­ders ange­bracht. Was vie­le nicht wis­sen: Das Akten­ein­se­hen ist auch bei den aktu­el­len VS-Ämtern mög­lich, wenn auch in sehr beschränk­tem Aus­maß. Den­noch wäre die mas­sen­haf­te Inan­spruch­nah­me des Rechts auf Aus­kunft schon des­halb wich­tig, weil dann end­lich Betrof­fe­ne offi­zi­ell von den Bespit­ze­lun­gen durch den VS etwas erfah­ren – und sie kön­nen dann damit an die Öffent­lich­keit gehen und sich weh­ren. Denn es ist es doch so: Die Buch­händ­ler wuss­ten vor dem Wei­mer-Angriff nicht, dass sie »obser­viert« wur­den, und fie­len dann aus allen Wol­ken. Die VS-Beob­ach­tung führ­te zu »Erkennt­nis­sen«, die wie sol­che eines Gerichts gewer­tet wer­den. Sie wer­den getrof­fen von Leu­ten wie jenem Herrn Maa­ßen, bis 2018 VS-Chef und hoch­gra­dig rechts­extre­mi­stisch, damals wie auch danach.

Die Wir­kungs­wei­se des VS führt zu neu­en Berufs­ver­bo­ten. Und sie führ­te zum Abzug des Sta­tus‘ der Gemein­nüt­zig­keit demo­kra­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen noch zu Maa­ßens Zei­ten. Begrün­det wur­de dies damit, dass z. B. der Autor die­ser Zei­len links­extre­mi­stisch und Bun­des­spre­cher der VVN-BdA sei, er wür­de Karl Lieb­knecht zustim­mend zitie­ren. Der dama­li­ge Finanz­mi­ni­ster Olaf Scholz (SPD) ver­füg­te: Wer in einem VS-Bericht eines Bun­des­lan­des genannt wird, ist zu behan­deln, als ste­he er in allen Geheim­dienst­be­rich­ten sämt­li­cher Bun­des­län­der. Als San­der dann aus Alters­grün­den als VVN-Bun­des­spre­cher aus­schied, ent­fiel die Begrün­dung für den Ein­trag der VVN-BdA in dem baye­ri­schen VS-Bericht, der für die gan­ze Repu­blik galt. Dies und der viel­tau­send­fa­che Pro­test führ­ten zur Auf­he­bung des Beschlus­ses für den Ent­zug des Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus‹. Aller­dings nur im Fal­le der VVN-BdA, ande­re Orga­ni­sa­tio­nen wer­den wei­ter nach der Scholz-Metho­de dis­kri­mi­niert. Übri­gens hat­te der Ent­zug des Gemein­nüt­zig­keits­sta­tus‹ der VVN-BdA einen von des­sen Ver­ur­sa­chern unge­woll­ten Neben­ef­fekt. Es waren 3000 neue VVN-BdA-Mit­glie­der zu verzeichnen!

Wenn wir auf die gegen­wär­ti­ge Regie­rungs­kam­pa­gne gegen die För­de­rung demo­kra­ti­scher Nicht-Regie­rungs­or­ga­ni­sa­tio­nen blicken, so wis­sen wir, dass es auch bald wie­der los­ge­hen kann mit dem flä­chen­decken­den Ent­zug des Gemein­nüt­zig­keits-Sta­tus‹. Und dabei wird es nicht blei­ben. Am 27.3.26 ent­hüll­te Heri­bert Prantl in der Süd­deut­schen, wie und war­um die Regie­rung Merz Demo­kra­tie­för­der­pro­gram­me ein­stellt: »Weil ihr der Ein­satz für man­che The­men suspekt ist.« Die gesam­te Zivil­ge­sell­schaft soll vom Ver­fas­sungs­schutz durch­leuch­tet werden.

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­ni­ste­rin Karin Prien (CDU) dele­gi­ti­miert demo­kra­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen und Bewe­gun­gen, deren För­de­rung sie strei­chen will. Damit wird den Rechts­extre­mi­sten der Wunsch erfüllt, ihnen Kri­ti­ker mög­lichst vom Leib zu hal­ten. Prantl: »Zur Zivil­ge­sell­schaft gehö­ren zum Bei­spiel die Initia­ti­ven, Ver­ei­ne und Stif­tun­gen, die in den ver­gan­ge­nen zwei Wochen in ganz Deutsch­land zu Ver­an­stal­tun­gen unter dem Mot­to ›100 Pro­zent Men­schen­wür­de‹ auf­ge­ru­fen haben – mit gro­ßem Echo.«

Also ran an den Vor­schlag, den mir kürz­lich ein pro­mi­nen­ter Rechts­an­walt schil­der­te: »Auf das Recht auf Aus­kunft immer wie­der öffent­lich auf­merk­sam zu machen und dar­über hin­aus, ein – gesetz­lich zu ver­an­kern­des – Recht auf Ein­sicht in die eige­ne VS-Akte ein­zu­for­dern – etwa per Peti­ti­on …«.

Star­ten wir eine Kam­pa­gne: »Ich will mei­ne VS-Akten sehen!« Um dann gegen deren ille­ga­le Urtei­le über Demo­kra­ten ent­schie­den vorzugehen.