Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Friedensökologie Fridays for Future

Vie­le Grün­de habe ich gegen Krieg und Rüstung für Frie­den und Abrü­stung vor­zu­brin­gen, die frie­dens­öko­lo­gi­sche Dimen­si­on ist eine davon.

Selbst in dem klei­nen Ort Salz­we­del demon­strier­te unlängst eine Grup­pe Jugend­li­cher gegen die dro­hen­de Kli­ma­ka­ta­stro­phe. Ich war an einem Frei­tag gera­de dabei, Fei­er­abend zu machen, und stand mit mei­nem Fahr­rad vor dem Büro, um nach Hau­se zu fah­ren. Ich bin Jahr­gang 1962, eine etwas jün­ge­re Frau sprach mich an, ob ich denn die Kids nicht unter­stüt­zen mag. Doch ich will.

»Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr …«. Wer ist ihr?

Wenn ich in mei­nem Leben selbst etwa 700.000 Kilo­me­ter mit Ben­zin­au­to und Motor­rad gefah­ren bin, so meist aus Not­wen­dig­kei­ten her­aus. Dar­über hin­aus bin ich mit ande­ren im Auto mit­ge­fah­ren, auch mit Bus und Bahn. Gut, zwei Flü­ge nach dem minoi­schen Kre­ta und zwei nach dem alten Irland habe ich zu ver­tre­ten. Nun hör­te ich, dass die Ant­wort der herr­schen­den Poli­tik dar­in bestehe, Steu­ern zu erhö­hen. Die Metho­de greift ganz sicher zu kurz. Die Ener­gie­ge­win­nung aus Braun­koh­le ein­zu­stel­len ist sicher richtig.

Die Stahl­pro­duk­ti­on und die Beton- bezie­hungs­wei­se Zement­pro­duk­ti­on sind für star­ke CO2-Emis­sio­nen ver­ant­wort­lich. Für Krieg und Mili­tär benö­tigt man »besten« Stahl auch für Pan­zer, gepan­zer­te Fahr­zeu­ge und Über- und Unter­was­ser­schif­fe. Die Fahr­zeu­ge wer­den meist mit einem star­ken Die­sel­mo­tor ange­trie­ben. Für Start- und Lan­de­bah­nen benö­tigt man Beton. Auch mili­tä­ri­sche Deckun­gen wer­den als Beton­bun­ker gefer­tigt. Auf dem Flug­platz Laage bei Rostock kann man die enor­men Start- und Lan­de­bah­nen, geschlos­se­ne Deckun­gen für Flug­zeu­ge und Kraft­fahr­zeu­ge sehen. Neu­er­dings soll in den Aus­bau der Infra­struk­tur der Ver­kehrs­we­ge nach Ost­eu­ro­pa mas­siv inve­stiert wer­den. Augen­schein­lich geht es dabei um den Aus­bau der für das Mili­tär nutz­ba­ren Infra­struk­tur. Der Trans­port des Mili­tärs und des­sen Aus­rü­stung in die Welt ist nicht CO2-neu­tral. Nach der Ver­fas­sung (Grund­ge­setz) und dem Straf­ge­setz­buch hat das Mili­tär der BRD in dem zer­schla­ge­nen Jugo­sla­wi­en, Afgha­ni­stan und Afri­ka nichts zu suchen.

Prak­ti­ka­ble öko­lo­gi­sche Sofort­maß­nah­men sind: der sofor­ti­ge Stopp der Rüstungs­pro­duk­ti­on, unter ande­rem Pan­zer, U-Boo­te, Schif­fe; der sofor­ti­ge Stopp des mili­tä­ri­schen Aus­baus der Infra­struk­tur im NATO-Gebiet; die Rück­ho­lung aller NATO-Trup­pen aus dem Aus­land auf dem öko­lo­gisch gün­stig­sten Weg in das jeweils eige­ne Land; die NATO erklärt ihr eige­nes Gebiet zur Flug­ver­bots­zo­ne für eige­ne mili­tä­ri­sche Flü­ge per Mora­to­ri­um und for­dert ande­re mili­tä­risch bedeut­sa­me Staa­ten auf, es ihr gleich­zu­tun; Flü­ge der NATO-Trup­pen außer­halb ihres Gebie­tes sind ein­zu­stel­len; die Trup­pen blei­ben in den Kaser­nen, mili­tä­ri­sche Übun­gen sind untersagt.

Die­se Grund­rich­tung öko­lo­gi­schen Frie­dens lässt sich aus­wei­ten und ver­tie­fen. In jedem Fall wer­den unter ande­rem CO2-Aus­stoß, Ener­gie und Roh­stof­fe gespart.

Die enor­men Rüstungs­aus­ga­ben und Mili­tär­be­stän­de an Kriegs­ge­rät und Mann­schaf­ten der NATO ein­schließ­lich der USA über­stei­gen die von Russ­land und Chi­na zusam­men bei wei­tem. So ist mein Vor­schlag, dass die NATO Vor­rei­ter einer Ent­mi­li­ta­ri­sie­rung sein muss, vor ihrer bal­di­gen Auflösung.

Für Rüstungs­kon­ver­si­on muss Sor­ge getra­gen wer­den. Die Unter­neh­men konn­ten sich schon lan­ge dar­auf ein­rich­ten. Krieg und Rüstung schä­di­gen das Gemein­wohl. Die Mit­ar­bei­ter der Rüstungs­kon­zer­ne sind in fried­fer­ti­ge Tätig­kei­ten umzu­len­ken. Auch sind Nord- und Ost­see von der ver­senk­ten Welt­kriegs­mu­ni­ti­on zu säu­bern. Die Sol­da­ten kön­nen ihre Kräf­te einst­wei­len bei der Auf­for­stung, dem Pflan­zen von Bäu­men und deren Bewäs­se­rung einsetzen.

Veit Noll arbei­tet als Rechts­an­walt in Salz­we­del. Zuletzt erschie­nen von ihm zwei Bän­de zu Quel­len in der Rei­he Johann August von Ein­sie­del (1754–1837) – Leben, Denk­wei­se und Quel­len 2017 und 2019. Der Frie­dens­phi­lo­soph und Afri­ka­for­scher August von Ein­sie­del war ein Freund Her­ders und Goethes.