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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Nun aber dalli, Scholz – zum Arzt

Die SPD-Zen­tra­le kober­te für ihr Debat­ten­camp im Inter­net: »Sei dabei, wenn unser Kanz­ler­kan­di­dat Olaf Scholz sei­ne Visi­on vor­stellt.« Darf Oben­ge­nann­ter eine Visi­on haben?

Wil­ly Brandt hat­te. Er ver­ließ die Gro­ße Koali­ti­on unter Kanz­ler Kurt Georg Kie­sin­ger (NSDAP/​CDU) gegen den wüten­den Wider­stand von Her­bert Weh­ner und Hel­mut Schmidt und bil­de­te die sozi­al­li­be­ra­le Koalition.

Es war eine Erlö­sung. Neue Ost­po­li­tik. Ent­span­nung. Aller­dings auch – den Weh­ner wur­de Brandt nicht los – Berufs­ver­bot für jeden, den man für einen Kom­mu­ni­sten hielt. Brandts Visi­on von einem bes­se­ren Deutsch­land erfüll­te sich nur zu einem Teil.

Der Nach­fol­ger und schnei­di­ge Hit­ler-Offi­zier Hel­mut Schmidt beschied sei­ne Genos­sen: »Wer Visio­nen hat, soll zum Arzt gehen.« Und betrieb gegen den wüten­den Wider­stand der 68er Jugend die Poli­tik der Nachrüstung.

Aber Olaf Scholz, die­se Pro­me­na­den­mi­schung aus Weh­ner und Schmidt, die als Ger­hard Schrö­ders Scholzo­mat per­fekt die Hartz-IV-Lita­nei zur Schi­ka­nie­rung der Arbeits­lo­sen auf­sa­gen konn­te, hat für das SPD-Debat­ten­camp eine Visi­on gefun­den: mehr Respekt für die Arbeit­neh­mer. Wobei er sich als erster unter die­sen ver­steht. Denn Respekt, den hät­te er gern, den braucht er drin­gend. Aber woher nehmen?

Das Urteil über die­se stol­ze Scholz-Bemü­hung sprach die anson­sten nicht SPD-unfreund­li­che Süd­deut­sche Zei­tung. Sie brach­te eine 20-Zei­len-Mel­dung über das SPD-Debat­ten­camp zur Prä­sen­ta­ti­on des SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten. Zwei­deu­ti­ge Über­schrift: »Scholz will mehr Respekt«. Dane­ben ein wohl­wol­len­der 180-Zei­ler mit gro­ßem Bild (»Der ent­spann­te Kan­di­dat«) über den CDU-Bewer­ber für Vor­sitz und Kanz­ler­amt Nor­bert Röttgen.

Armer Scholz. Noch ärme­re SPD. Ärzt­li­che Hil­fe tut Not.