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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Quod licet Iovi

Wer schon ein­mal ver­sucht hat, Fri­seur­ko­sten, Schmin­ke oder All­tags­klei­dung fürs Büro als beruf­li­che Kosten in der Steu­er­erklä­rung gel­tend zu machen, der kennt das übli­che Ableh­nungs-Argu­ment vom Amt: »Auf­wen­dun­gen der all­ge­mei­nen Lebens­füh­rung sind kei­ne Wer­bungs­ko­sten.« Da die oben genann­ten Aus­ga­ben nicht aus­schließ­lich beruf­lich ver­an­lasst sind, dür­fen sie nach dem Gesetz nicht berück­sich­tigt wer­den. Selbst der schwar­ze Anzug des Beer­di­gungs­red­ners geht nicht durch. Denn, wie die Behör­de alt­klug for­mu­liert, »der könn­te ja auch pri­vat getra­gen wer­den«. Und so dür­fen auch Fern­seh­mo­de­ra­to­rin­nen ihre Sty­ling-Kosten nicht steu­er­lich absetzen.

So weit, so klar. Aller­dings, für beson­de­re Men­schen, wie sie im Par­la­ment und auf Regie­rungs­bän­ken anzu­tref­fen sind, gilt Beson­de­res. Über­ra­schen­der­wei­se war den Medi­en zu ent­neh­men – der Focus vom 25.1.2023 berich­te­te –, dass im letz­ten Jahr aus dem Etat des Aus­wär­ti­gen Amtes eine Sum­me von 136.000 Euro allein für »Pudern, Schmin­ken und Sty­len« der Außen­mi­ni­ste­rin aus­ge­ge­ben wur­de. Das ist schon was. In der Syste­ma­tik des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes gibt es dafür den Fach­aus­druck geld­wer­ter Vor­teil. Sol­che Sach­be­zü­ge sind prin­zi­pi­ell steu­er­pflich­tig (§ 8 Abs.2 EStG). Ihr Geld­wert wird nach den »übli­chen End­prei­sen am Abga­be­ort« ange­setzt. Wenn mei­ne Fir­ma mir bei­spiels­wei­se Spi­ri­tuo­sen oder Tank­gut­schei­ne für 10.000 Euro geben wür­de, dann gin­gen dafür zwi­schen zwei- und vier­tau­send Euro Steu­ern drauf.

Ich bin mir fast sicher, und wir kön­nen getrost davon aus­ge­hen, dass Frau Baer­bock auf ihre Sty­ling-, Schmink- und son­sti­gen Sach­be­zü­ge kei­ne Steu­ern ent­rich­tet. So ähn­lich ver­hält es sich auch mit der Kosten­pau­scha­le der Mit­glie­der des Bun­des­ta­ges; die beträgt monat­lich 4.725,48 Euro. Von den nicht uner­heb­li­chen Bezü­gen eines Abge­ord­ne­ten gel­ten somit nach Adam Ries 56.705 Euro jähr­lich als Auf­wen­dun­gen, »die durch das Man­dat ent­ste­hen«, und zwar ohne, dass sie im Ein­zel­nen nach­zu­wei­sen sind. Begrün­dung: Das Sam­meln von diver­sen Ein­zel­be­le­gen wäre für solch hoch­ran­gi­ge Man­dats­trä­ger nicht zumutbar.

Dage­gen soll der durch­schnitt­li­che Unter­tan flei­ßig Bele­ge sam­meln, sofern er monat­lich mehr als 100 Euro Berufs­ko­sten gel­tend machen will. Wie der römi­sche Komö­di­en­dich­ter Terenz schon ca. 168 vor Chri­stus schrieb: Wenn es ande­ren erlaubt ist, ist es nicht des­halb auch dir erlaubt. Ali­is si licet, tibi non licet. Oder, in der klas­si­schen For­mu­lie­rung selbst­be­wuss­ter Arro­ganz, als gereim­tes Sprich­wort: Quod licet Iovi, non licet bovi. Was Jupi­ter darf, ist dem Rind­vieh noch lan­ge nicht erlaubt