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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Regisseurinnen in der DDR

Die DEFA-Stif­tung ver­wal­tet die Kino­fil­me der DDR und macht sie als Teil des natio­na­len Kul­tur­er­bes für die Öffent­lich­keit nutz­bar. Dar­über hin­aus unter­hält die Stif­tung ein umfang­rei­ches Archiv audio­vi­su­el­ler Zeit­zeu­gen­be­rich­te und betreut Publi­ka­tio­nen, die im Zusam­men­hang mit den DEFA-Fil­men ste­hen, so auch den jetzt vor­ge­leg­ten Band »Sie – Regis­seu­rin­nen und ihre Filme«.

Die Film­wis­sen­schaft­le­rin und Dra­ma­tur­gin Cor­ne­lia Klauß und der Film­wis­sen­schaft­ler und Publi­zist Ralf Schenk hat­ten die Idee, eine Liste aller DEFA-Regis­seu­rin­nen zusam­men­zu­stel­len und waren über­rascht, auf wie vie­le Namen sie bei ihren Recher­chen stie­ßen. Dar­aus ent­wickel­ten sie das oben genann­te Buch.

Im ein­lei­ten­den Kapi­tel »Die eige­ne Hand­schrift« schreibt Cor­ne­lia Klauß: »Der ›weib­li­che Blick‹ zeigt sich unbe­strit­ten erst ein­mal in der Blick­rich­tung der Regis­seu­rin­nen, die einen vor­nehm­li­chen Fokus auf Frau­en­the­men hat­ten. Sie waren mit ihren Prot­ago­ni­stin­nen auf Augen­hö­he. […] Und sie haben dezi­diert die offi­zi­el­le Frau­en­po­li­tik der DDR, auf die ›man‹ so stolz war, auf dem Prüf­stand gestellt.«

Das Buch berich­tet über die Jah­re zwi­schen 1946 und 1992, in denen mehr als sech­zig Regis­seu­rin­nen für die DEFA – vom Spiel- und Doku­men­tar­film über den popu­lär­wis­sen­schaft­li­chen und den Wer­be­film bis zum Trick­film und der Wochen­schau »Der Augen­zeu­ge« – tätig waren. Für jede der Künst­le­rin­nen steht ein Bei­trag in essay­isti­scher Form, in der Regel von vier Sei­ten und mit einem Por­trät­fo­to und der Fil­mo­gra­fie, im Band.

Zur Rol­le der Frau­en in der Film­bran­che schreibt Ralf Schenk: »Im Kino der Vor­kriegs­zeit und in der Bun­des­re­pu­blik galt Regie lan­ge Zeit als Män­ner­sa­che, sieht man ein­mal von Leni Rie­fen­stahl ab oder von Lot­te Rei­ni­ger im Ani­ma­ti­ons­film. Auch im DEFA-Spiel­film­stu­dio kom­men nach Bärbl Berg­mann mit der früh ver­stor­be­nen Ingrid Resch­ke, mit Iris Gus­ner, Han­ne­lo­re Unter­berg und Eve­lyn Schmidt erst um 1970 ein paar weni­ge Frau­en auf den Regie­stuhl. Statt­des­sen wur­de es zu einer Art Mar­ken­zei­chen des DEFA-Spiel­films, dass vie­le Män­ner immer wie­der Geschich­ten von star­ken Frau­en erzähl­ten […] Die­se Fil­me wur­den oft von Autorin­nen geschrie­ben; ich den­ke nur an Hel­ga Schütz. Auch in der DEFA-Dra­ma­tur­gie arbei­te­ten vie­le Frau­en, brach­ten ihre The­men geschickt ›an den Mann‹.«

Die erste Frau, die bei der DEFA als Regis­seu­rin Spiel­fil­me dre­hen durf­te – wenn auch nur von 30 bis 60 Minu­ten Län­ge –, war Bärbl Berg­mann (1931–2003). Ihren ersten Film, »Ein unge­wöhn­li­cher Tag« dreh­te sie 1959, mit Danie­la Dahn als Haupt­dar­stel­le­rin, damals 10 Jah­re alt.

Bei­trä­ge für den Band lie­fer­ten unter ande­rem der Trick­fil­mer Jörg Her­mann, der zeich­nen­de Autor Harald Kretz­sch­mar, der Dra­ma­turg Hans Mün­che­berg und die Jour­na­li­stin Anke West­phal. Zum Buch gehö­ren zwei DVDs mit 18 DEFA-Film­per­len aus den Jah­ren von 1949 bis 1990.

Der Doku­men­tar­film »Akt­fo­to­gra­fie – Gun­du­la Schul­ze« von Hel­ke Mis­sel­witz, pro­du­ziert 1983, wider­spricht der Behaup­tung, es habe in der DDR kei­nen Femi­nis­mus geben.

Cor­ne­lia Klauß/​Ralf Schenk (Hg.): »Sie – Regis­seu­rin­nen der DEFA«, Schrif­ten­rei­he der DEFA-Stif­tung, 416 Sei­ten, 2 DVDs, 29 €, Bezug über Bertz + Fischer Ver­lag, Gör­lit­zer Stra­ße 7, 10997 Ber­lin, mail@bertz-fischer.de