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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Stierkämpfer und Ex-Generale

Ein histo­ri­sches Desa­ster droht dem jun­gen Vor­sit­zen­den der Parti­do Popu­lar (PP), Pablo Casa­do, obwohl er die Par­tei kom­plett erneu­ert hat. Seit er sich auf dem Son­der­par­tei­tag im Juli 2018 gegen die ehe­ma­li­ge Vize­prä­si­den­tin Sora­ya Sáenz de San­ta­ma­ría durch­set­zen konn­te, wur­den alle Ver­trau­ten sei­nes Vor­gän­gers Maria­no Rajoy aus der Par­tei­spit­ze ent­fernt. Bei der vor­ge­zo­ge­nen Wahl zum spa­ni­schen Par­la­ment am 28. April stel­len sich in der Mehr­heit neue Köp­fe zur Wahl. Die Umfra­gen beschei­ni­gen den­noch Casa­do kein gutes Ergeb­nis. Durch die kon­kur­rie­ren­de rechts­li­be­ra­le Par­tei Ciu­da­da­nos und die neue ultra­rech­te Par­tei VOX käme die PP nur auf 86 der 350 Par­la­ments­sit­ze. Das wären 51 Par­la­ments­sit­ze weni­ger als bei der letz­ten Wahl im Dezem­ber 2016 – das schlech­te­ste Ergeb­nis der PP in der Geschich­te. Casa­do hat für die Wahl die Tra­di­ti­on des Stier­kamp­fes wie­der­ent­deckt. Im Jahr 2013 hat­te die Rajoy-Regie­rung den Stier­kampf zum spa­ni­schen Kul­tur­gut erklärt. Die Kata­la­nen ver­tra­ten eine ande­re Sicht und bau­ten die Stier­kampf­are­na in Bar­ce­lo­na zu einer Shop­ping­mall um. Casa­do will nun den Abwärts­trend der PP mit den Tore­ros Miguel Abel­lán und Sal­va­dor Vega stop­pen und schickt sie als Kan­di­da­ten ins Rennen.

Auch der Vor­sit­zen­de der VOX-Par­tei Sant­ia­go Abas­cal hat zwei Tore­ros als Kan­di­da­ten für sei­ne Par­tei zur Wahl auf­ge­stellt. Kei­ne Hem­mun­gen hat er, dass Reser­ve­of­fi­zie­re für Rechts­po­pu­li­sten jetzt Stim­men aus den Kaser­nen und der Guar­dia Civil brin­gen sol­len. Aus­ge­wählt hat Abas­cal zwei ehe­ma­li­ge Gene­rä­le, die 2004 im Irak-Krieg mit dabei waren. Die spa­ni­sche Armee ist dar­über nicht glück­lich, muss­te sie doch mehr als 40 Jah­re um ihre gesell­schaft­li­che Akzep­tanz rin­gen. Auf den Demos der VOX-Par­tei in Bar­ce­lo­na tauch­ten Fah­nen der ehe­ma­li­gen Frem­den­le­gi­on auf und Pla­ka­te, auf denen man Frau­en, die in Spa­ni­en für Gleich­be­rech­ti­gung kämp­fen, als »Femi­ni­sti­sche Nazis« bezeich­ne­te. Die PP hat der­weil für die Wahl in der Enkla­ve Melil­la den ehe­ma­li­gen Kom­man­dan­ten der Guar­dia Civil als Kan­di­da­ten auf­ge­stellt. Wir wer­den sehen, ob Stier­kämp­fer und Ex-Gene­ra­le bei den Wäh­lern ankommen.