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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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»Um sechse nachm Kriech«

Mhm. Eigent­lich zu knapp und zu dürf­tig, um mit­tels muf­fi­ger Buch­sta­ben der immer wie­der gebeu­tel­ten deut­schen Zei­tungs­spra­che einer noch mie­se­ren Stim­mung Aus­druck zu geben. Aber was Bes­se­res fällt mir im Momang nicht ein. Nen­nen wir es mal all­ge­mei­ne Unzu­frie­den­heit mit der inter­na­tio­na­len poli­ti­schen Ent­wick­lung, mit neu auf­ge­sat­tel­ten Atom­dro­hun­gen, mit der Kli­ma­ka­ta­stro­phe, mit der per­sön­li­chen Lage und dem Älter­wer­den, mit Krank­hei­ten, mit den mate­ri­el­len Unsi­cher­hei­ten der Fami­lie. Kein Ende des Wald­ster­bens in Sicht? Kein Fina­le der Coro­na­pan­de­mie am Hori­zont? War­um Wie­der­be­le­bung von Atom­kraft­wer­ken und des Braun­koh­len­ta­ge­baus? Woher kommt das Fisch­ster­ben in der Oder? Wer ist für das aus­tre­ten­de Gas aus den Ost­see­lei­tun­gen ver­ant­wort­lich? Wie kann das wei­te­re Abbren­nen von Wäl­dern ver­hin­dert werden?

Fan­gen wir mal mit der gro­ßen Poli­tik an. Jahr­zehn­te­lang galt: Nie wie­der Krieg! Seit dem Krieg zwi­schen Russ­land und der Ukrai­ne gilt das schon lan­ge nicht mehr, von ande­ren lang­fri­stig schwe­len­den Schau­plät­zen über den Glo­bus ganz abge­se­hen. Plötz­lich wird umge­dacht, anti­quier­te Pan­zer wer­den neu ange­stri­chen oder neu beket­tet, und das Heu­len von Jagd­bom­bern ist wie­der zur Gewohn­heit gewor­den wie getanz­te Schla­ger­mu­sik. Wie vie­le USA-Ein­woh­ner bau­en schon an angeb­lich atom­si­che­ren Bun­kern? Schwen­ken die Grü­nen wei­ter zur mili­tä­ri­schen Kampf­par­tei um? Wird auf­ein­an­der zu schie­ßen wie­der ein Pri­vi­leg oder Nor­ma­li­tät im mili­tä­ri­schen, öffent­li­chen und pri­va­ten Sek­tor? Ver­wan­deln sich Stra­ßen in auto­weg­schwem­men­de Schiffs­we­ge? Wer­den Leh­rer knap­per, Schü­ler schieß­wü­ti­ger und ver­nünf­tig gesäu­ber­te Schul­toi­let­ten sel­te­ner? Bei Din­gen des täg­li­chen Bedarfs wird der Man­gel noch offen­sicht­li­cher – von Sprit über Toma­ten bis zum Beam­ten­sta­tus und zum Toilettenpapier.

Die Poli­tik strei­tet über die Zustän­dig­keit des Bun­des oder der Län­der und wofür und war­um auch immer, den Mini­stern, Sena­to­ren oder Staats­se­kre­tä­ren geht es um die Finan­zen, und über Geld reden alle, obwohl angeb­lich kei­ner genug hat, die Mil­lio­nä­re schon gar nicht.

Die Dis­kri­mi­nie­rung von angeb­li­chen Aus­län­dern oder ande­ren Volks­grup­pen wird von Belei­di­gun­gen in und zwi­schen den Län­dern und Per­so­nen beglei­tet, und das Umbrin­gen und die Beschimp­fung von Staats­funk­tio­nä­ren und vie­ler Unge­nann­ter wird als Miss­ver­ständ­nis oder Ord­nungs­wid­rig­keit zelebriert.

Mhm. Lasst mich noch ein wenig dar­über nach­den­ken. Ist es per­spek­ti­visch denn über­haupt noch vor­stell­bar, dass Kos­mo-, Astro-, Beta-, Emma- oder ande­re Nau­ten aus unter­schied­li­chen Kon­ti­nen­ten oder Welt­tei­len in einer gemein­sam von ihnen beherrsch­ten Kap­sel die Welt befor­schen, gemein­sam das unver­gleich­li­che Blau bestau­nen, an inter­na­tio­na­len Kon­zer­ten oder Kon­fe­ren­zen auf oder hin­term Glo­bus teil­neh­men oder sich auch nur in inter­na­tio­na­ler Beset­zung zu einer freund­schaft­li­chen Schlem­m­er­mahl­zeit im Pra­ger Restau­rant »Kelch« mit Schwe­jk »um sech­se nachm Kriech« verabreden?

Nein, dar­über will ich heu­te doch lie­ber nicht wei­ter nach­den­ken! Aber ich kom­me wohl nicht um die Fra­ge her­um, ob die Wah­len vom Sep­tem­ber 21 völ­lig oder teil­wei­se oder gar nicht wie­der­holt wer­den müs­sen. Kommt es durch die Wie­der­ho­lung der gesam­ten Wah­len zu einem Macht­wech­sel? Und wird mit Mas­ke gewählt oder ohne? Und wie wird mit den­je­ni­gen Wäh­lern ver­fah­ren, die sich am Wahl­tag 2021 in Qua­ran­tä­ne oder auf der Mara­thon­strecke befan­den? Wird die Wahl­wie­der­ho­lung 2022 viel­leicht als neue Weih­nachts­über­ra­schung aus dem Sack gezau­bert? Wer­den die skur­ri­len Lori­ot-Kata­stro­phen dann durch moder­ne­re abgelöst?