Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Antworten

Wer­ner Abels­hau­ser, Wirt­schafts­hi­sto­ri­ker, offen­her­zig. – In der ARD-Sen­dung »Kas­sen­sturz Euro­pa« am 20. Mai war Ihre pro­fes­so­ra­le Exper­ti­se gefragt. Zu der Tat­sa­che, dass deut­sche EU-Bei­trä­ge auch zur Finan­zie­rung von Pro­jek­ten in ande­ren Mit­glieds­län­dern ver­wen­det wer­den, bemerk­ten Sie: »Das ist der Preis für den Zusam­men­halt der EU. Wenn wir das nicht zah­len wür­den, wür­de die Euro­päi­sche Uni­on aus­ein­an­der­fal­len, und wir haben ein Inter­es­se dar­an, die Euro­päi­sche Uni­on hin­ter uns zu haben, wenn wir deut­sche Inter­es­sen auf dem Welt­markt und im Welt­sy­stem der Herr­schaft durch­set­zen wol­len.« Haben Sie kei­ne Angst um Ihren Job, wenn Sie so ganz ohne Rück­sicht auf die gän­gi­gen Sprach­re­ge­lun­gen die Din­ge beim Namen nen­nen? Erin­nern Sie sich nicht an einen gewis­sen Horst Köh­ler? Der plau­der­te als Bun­des­prä­si­dent auf dem Rück­flug von einem Besuch in Afgha­ni­stan unge­niert über deut­sche Inter­es­sen und die Mit­tel zu ihrer Durch­set­zung. Zu den – bekannt­lich rein huma­ni­tä­ren – Aus­lands­ein­sät­zen der Bun­des­wehr sag­te er, dass »im Not­fall auch mili­tä­ri­scher Ein­satz not­wen­dig ist, um unse­re Inter­es­sen zu wah­ren, zum Bei­spiel freie Han­dels­we­ge«. Danach soll­te er nicht mehr lan­ge Bun­des­prä­si­dent blei­ben. Nun ist natür­lich die finanz­tech­ni­sche Vari­an­te sehr viel ver­fas­sungs­kom­pa­ti­bler. Außer­dem kommt Ihnen zugu­te, dass Äuße­run­gen von offe­nem Chau­vi­nis­mus heu­te nur noch sel­ten Auf­re­ger sind. Trotz­dem: Pas­sen Sie auf sich auf!

Micha­el Kret­schmer, Mini­ster­prä­si­dent Sach­sens. – Sie gaben bei einer Gedenk­ver­an­stal­tung kund, rich­tig wütend zu wer­den, wenn jun­ge Leu­te mei­nen, das Leben in der DDR sei bes­ser gewe­sen. Sie wis­sen bestimmt, wer ihnen das ein­ge­re­det hat, aber trau­en sich doch nicht so ganz, die Genera­ti­on ihrer Eltern zu beleh­ren. In Betracht Ihres, für das Amt des MP Sach­sens, puber­tä­ren Alters sei Ihnen Ihre wüten­de Unwis­sen­heit nach­ge­se­hen, aber im kom­men­den Land­tags­wahl­kampf soll­ten Sie sich um brei­te­re Bevöl­ke­rungs­krei­se inklu­si­ve deren Erfah­run­gen bemühen.

Wolf­gang Ischin­ger, Prä­si­dent der Münch­ner »Sicher­heits­kon­fe­renz«. – In der Talk-Show »Mar­kus Lanz« wur­de, nach­dem zunächst die jüdi­sche Zeit­zeu­gin Lau­re­en Nuss­baum aus­führ­lich zu Wort gekom­men war, an Sie die Fra­ge gerich­tet, wel­che Bedeu­tung die Berich­te von Zeit­zeu­gen der NS-Ver­bre­chen heu­te noch für Deutsch­land und die Deut­schen haben. Sie ant­wor­te­ten mit einem Lob­ge­sang auf die inten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung, die Ihrer Mei­nung nach zu die­sem The­ma in Deutsch­land statt­ge­fun­den habe. »Ich glau­be«, sag­ten Sie, »wir Deut­schen sind in einer bes­se­ren Lage – ich will es mal auf den Punkt brin­gen – als unse­re Nach­barn, die Öster­rei­cher. Und auch ein paar ande­re, die das in die­ser Klar­heit, in die­ser Tie­fe nicht mit­ge­macht haben.« Nicht nur mit­ge­macht, son­dern »wir haben es durch­ge­macht« und sei­en des­halb »jetzt in einer glück­li­che­ren Lage«. Das Glück besteht, wenn wir Sie rich­tig ver­stan­den haben, dar­in, dass »wir« jetzt ohne schlech­tes Gewis­sen auf »Sicher­heits­kon­fe­ren­zen« (frü­her: »Wehr­kun­de­ta­gung«) Auf­rü­stung und mili­tä­ri­sche Kon­flikt­lö­sun­gen erör­tern und die Kon­se­quenz der Anti­fa­schi­sten »Nie wie­der Faschis­mus! Nie wie­der Krieg!« als naiv belä­cheln können.