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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Bedingt friedensfähig

Men­schen kön­nen aggres­si­ver und viel gewalt­tä­ti­ger als Tie­re sein, schon durch ihre ver­stö­rend weit ent­wickel­ten, töd­li­chen Waf­fen­sy­ste­me. Wir unter­schei­den uns aller­dings trotz­dem nicht grund­sätz­lich von den Tie­ren, die nach dem Gesetz des Stär­ke­ren han­deln. Auch wir sind mit ambi­va­len­tem, trieb­haf­tem Natu­rell aus­ge­stat­tet: haben Sex, zeu­gen und wer­den gebo­ren, sind krank und ster­ben, stoff­wech­seln und schlafen.

Wir stam­men bekannt­lich von den Affen ab und ver­hal­ten uns oft »natur­wüch­sig«, um unse­re indi­vi­du­el­len, fami­liä­ren, regio­na­len, schließ­lich natio­na­len und mul­ti­na­tio­na­len, Klas­sen- und Grup­pen­in­ter­es­sen durch­zu­set­zen, auch auf Kosten ande­rer Men­schen und ihrer natür­li­chen und künst­lich geschaf­fe­nen Lebens­räu­me. Die­ser Trieb kann so gewalt­tä­tig sein, dass er zur Ver­skla­vung und Ver­nich­tung von Mil­lio­nen Men­schen, ja, zukünf­tig zur Ver­nich­tung der gesam­ten Schöp­fung füh­ren kann. Dabei ste­hen die Inter­es­sen der Besit­zen­den und Mäch­ti­gen aller Rich­tun­gen, mit ihrem Drang nach Pro­fit- und Macht­ma­xi­mie­rung, nur an der Spit­ze die­ser mör­de­ri­schen Expan­si­ons­ket­te, an des­sen trau­ri­gen Ende Mil­lio­nen Armuts- und Kriegs­flücht­lin­ge ste­hen, die sich auf der Suche nach bes­se­ren Lebens­be­din­gun­gen welt­weit in Gefahr begeben.

Es gibt, behelfs­wei­se, dage­gen nur die fra­gil sozia­li­sier­ten, reli­giö­sen und säku­la­ren huma­ni­sti­schen Moral­ge­bo­te. Und, besten­falls, noch eine mehr oder weni­ger, auf­be­geh­ren­de, soli­da­ri­sche Zivil­ge­sell­schaft oder auch eine besänf­ti­gen­de oder sogar kämp­fe­ri­sche poli­ti­sche Kul­tur und die Schaf­fung natio­na­ler und völ­ker­recht­li­cher Rechts­vor­schrif­ten. Deren Durch­set­zungs­kraft ist aller­dings oft umstrit­ten, wie in der UNO zu besich­ti­gen, weil sie wie­der­um von vor­herr­schen­den Inter­es­sen und davon gelei­te­ten Men­schen aus­ge­legt und not­falls blockiert wer­den – und im Zwei­fel gewalt­sam durch­ge­setzt wer­den müs­sen. Das alles zei­gen, nicht zuletzt, die uner­bitt­li­chen Kon­kur­renz­ge­set­ze im Exi­stenz­kampf zwi­schen den Men­schen im All­tag jeder Gesell­schaft und, auf die Spit­ze getrie­ben, die von Nazi­deutsch­land im 2. Welt­krieg began­ge­nen Völ­ker­mor­de wie auch die von vie­len Län­dern began­ge­nen, ras­si­sti­schen, eth­ni­schen »Säu­be­run­gen« sowie alle kolo­nia­li­sie­ren­den Völkermorde.

Das Zurück­drän­gen sozia­ler Spal­tung hat sich, trotz allem, als das beste Mit­tel zur Befrie­dung und Huma­ni­sie­rung des Men­schen­ge­schlechts erwie­sen. Dar­in besteht, im Kern, nach wie vor die revo­lu­tio­nä­re Geschichts­theo­rie von Marx und Engels. Aller­dings hat die Pra­xis erwie­sen, dass die Mensch­heit immer noch am Anfang eines sol­chen neu­en Zeit­al­ters steht und Rück­schrit­te unver­meid­lich waren und sind. Wenn Klas­sen­ge­sell­schaft und Klas­sen­herr­schaft aber nicht wei­ter zurück­ge­drängt wer­den, bleibt die natur­wüch­si­ge Gewalt­tä­tig­keit bis zur Selbst­ver­nich­tung der Mensch­heit, im tie­ri­schen Exi­stenz­kampf jeder gegen jeden, domi­nant. Die kolo­nia­li­sie­ren­de Her­ren­men­schen- Ideo­lo­gie sug­ge­riert dabei, dass sie nur die Wah­rung und den Aus­bau der Men­schen­rech­te im Sinn hat. In Wirk­lich­keit aber geht es immer wie­der pri­mär nur um die Macht­in­ter­es­sen der jeweils Herrschenden.

Also: Suchen wir wei­ter nach einem gerech­ten Frie­den und jagen ihm nach!