Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Das rote Dreieck

Als ich zehn Jah­re alt war und für Adolf Hit­ler und sei­ne Wehr­macht schwärm­te, befrei­ten im April 1945 US-Trup­pen Unter­fran­ken. All­mäh­lich lern­te ich in den Ame­ri­ka­häu­sern von Ham­mel­burg und Schwein­furt Demo­kra­tie ken­nen. Spä­ter, als ich schon in Würz­burg stu­dier­te, säu­ber­ten die Kom­mu­ni­sten­jä­ger des lan­ge Zeit all­mäch­ti­gen Joseph McCar­thy die Ame­ri­ka­häu­ser von allem, was ihnen als anti­fa­schi­stisch erschien. Ham­mel­burg wur­de wie­der Stand­ort der alten Wehr­macht, die jetzt Bun­des­wehr heißt oder KSK und seit Jahr­zehn­ten den Tod aus Deutsch­land in alle Welt exportiert.

Damals, 1945, hat­ten die Alli­ier­ten wenn nicht die Deut­schen, so doch deren KZ-Häft­lin­ge befreit. Jetzt hat der US-Prä­si­dent Donald Trump den eigent­li­chen Feind ent­deckt und zur als­bal­di­gen Eli­mi­nie­rung gekenn­zeich­net. Er trägt ein rotes Drei­eck. Und eine Mas­ke vor dem Gesicht, zum Schutz vor Coro­na. Das rote Drei­eck dien­te den Nazis zur Kenn­zeich­nung der beson­ders gefähr­li­chen, der poli­ti­schen Gefan­ge­nen in den Konzentrationslagern.

Sogar Face­book wies Trumps Annon­cen für die Zukunft zurück: »Wir erlau­ben kei­ne Sym­bo­le, die hass­erfüll­te Orga­ni­sa­tio­nen oder hass­erfüll­te Ideo­lo­gien reprä­sen­tie­ren, wenn sie nicht mit Kon­text oder einer Ver­ur­tei­lung ver­bun­den sind.« Das rote Drei­eck hat­te aller­dings einen Kon­text. Es dien­te dem Kampf gegen die »Anti­fa«. Trumps Wahl­kampf­team hat­te mit die­sem roten Win­kel vor »links­ra­di­ka­len Grup­pen« gewarnt.

Letz­tes Wochen­en­de zeig­te Trump Gesicht ohne Mas­ke. Mit – nach­ge­wie­se­ner­ma­ßen – sechs Coro­na-Infi­zier­ten in sei­nem Kam­pa­gnen-Team. Zum 99-sten Jubi­lä­um des Mas­sa­kers von Tul­sa eröff­ne­te er sei­nen Wahl­kampf. Eben­dort. In Tul­sa wur­den 1921 Hun­der­te von Schwar­zen umge­bracht, ihre Häu­ser aus der Luft bombardiert.

2020 warn­te das »Team Trump«, dass »gefähr­li­che Mobs und links­ra­di­ka­le Grup­pen« in den Stra­ßen unter­wegs sei­en. Es mach­te sie für die »Kra­wal­le« und die Zer­stö­rung der Städ­te ver­ant­wort­lich. Es sei »abso­lu­ter Wahnsinn«.

Aber Trump freu­te sich, dass in Tul­sa Hun­dert­tau­sen­de Anhän­ger kom­men wür­den. Wer kam, muss­te unter­schrei­ben, dass er die Orga­ni­sa­to­ren nicht für eine Covid-19-Erkran­kung und mög­li­che Fol­gen haft­bar mache. Die Are­na hat­te für 20.000 Teil­neh­mer Platz. Aber es kam nur die Hälf­te. Die Treue­sten. Ohne Mas­ke. Dicht­ge­drängt auf den vor­de­ren Plät­zen, obwohl die obe­ren Rän­ge leer waren.

Das schafft Hoff­nung. Für Coro­na. Und für den Rest der Welt.