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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Fußball-WM und die vergessenen Kinder

Port-au-Prin­ce Anfang der 2010er Jah­re. Drei Jun­gen spie­len bar­fuß auf einem stau­bi­gen Fuß­ball­platz. Das Tor nur auf­ge­malt an der Wand, der Ball ist abge­nutzt, die Mau­ern erzäh­len von Armut. Und doch zeigt die­ses Bild vor allem eines: Hoffnung.

Die Auf­nah­me ent­stand in der Cité Soleil, einem der ärm­sten Stadt­tei­le Hai­tis. Damals war die­ser Platz mehr als ein Ort zum Spie­len. Er war Treff­punkt, Zuflucht und Traum zugleich. Hier jag­ten Kin­der einem Ball nach und glaub­ten dar­an, dass Talent stär­ker sein könn­te als Elend.

Heu­te exi­stiert die­ser Ort ver­mut­lich nicht mehr.

Nach dem Erd­be­ben 2010 folg­ten poli­ti­sche Kri­sen, Gewalt, Hun­ger und der Zusam­men­bruch vie­ler staat­li­cher Struk­tu­ren. Gan­ze Lebens­wel­ten ver­schwan­den. Fami­li­en wur­den aus­ein­an­der­ge­ris­sen. Vie­le Kin­der gerie­ten aus dem Blick­feld der Welt. Und so drängt sich eine ein­fa­che Fra­ge auf: Was ist aus die­sen Jun­gen geworden?

Wäh­rend der inter­na­tio­na­le Fuß­ball Mil­li­ar­den bewegt, kennt nie­mand ihre Namen. Kei­ne Sta­ti­stik erfasst ihr Schick­sal. Kei­ne Kame­ra beglei­tet ihren wei­te­ren Weg.

Viel­leicht muss­ten sie flie­hen. Viel­leicht kämp­fen sie ums täg­li­che Über­le­ben. Viel­leicht lebt man­cher von ihnen nicht mehr. Wir wis­sen es nicht.

Genau dar­in liegt die eigent­li­che Tra­gö­die. Denn Fuß­ball beginnt nicht in den gro­ßen Sta­di­en der Welt. Er beginnt auf stau­bi­gen Plät­zen wie die­sem. Dort, wo Kin­der mit blo­ßen Füßen spie­len und für einen Moment ver­ges­sen kön­nen, wie arm sie sind. Wo sie auf ein bes­se­res Leben hof­fen, in dem sie irgend­wann in Schu­hen von Nike und in einem gro­ßen Sta­di­on Tore schie­ßen. In dem sie für die gan­ze Fami­lie Geld verdienen.

Die Glaub­wür­dig­keit des Welt­sports ent­schei­det sich nicht in VIP-Logen oder bei Fern­seh­quo­ten. Sie ent­schei­det sich dort, wo Kin­der kei­ne Stim­me haben.

Das Ein­gangs­fo­to zeigt kei­ne Welt­mei­ster und kei­ne Poka­le. Es zeigt etwas Wich­ti­ge­res: Kin­der, die noch träu­men konnten.

Die Fra­ge lau­tet des­halb nicht nur, was aus ihnen gewor­den ist. Die Fra­ge lau­tet: War­um haben wir auf­ge­hört, nach ihnen zu fragen?