Nachrichten heißen so, weil sie darauf abzielen, unser Denken und Handeln danach auszurichten.
Wir bekommen in den Nachrichten üblicherweise Berichte serviert, die eine kurzzeitige Aktualität aufweisen. Vieles davon kann man unmittelbar wieder vergessen, wenn die Aktualität nicht mehr gegeben ist. Zusammenhänge, Ursachen oder auch Entwicklungsstränge von Situationen, über die berichtet wird, werden dabei in der Regel ausgeblendet.
- Ein deutliches Beispiel ist der Krieg Israels gegen Gebiete, die Palästinenser bewohnen. Dieser Krieg begann nach üblicher medialer Darstellung am 7. Oktober 2023 mit den Gräueltaten der Hamas. Das ist quasi aus heiterem Himmel geschehen. Der geneigte Rezipient der Nachrichten schlussfolgert entsprechend, dass das Gut-Böse-Schema klar ist: Die Reaktion der israelischen Armee ist gerechtfertigt, denn ihr Land und die Bevölkerung des Staates sind Opfer eines Verbrechens.
Nicht erwähnt wurde und wird, dass sich Israels Armee laut einem Amnesty-Bericht vom Februar 2023, also 9 Monate vor dem 7. Oktober, Palästinenser/innen gegenüber wiederholt durch systematische Menschenrechtsverletzungen schuldig macht. Diese Vorgeschichte rechtfertigt kein Verbrechen, aber die Tendenz der Mainstream-Nachrichten, dass der Terror des 7. Oktober Ausgangspunkt der heutigen Situation ist, verhindert ganzheitliches Denken und unterstützt durch das Ausblenden der Menschenrechtsverletzungen indirekt kriminelles Verhalten israelischer Soldaten.
- Als Beginn der kriegerischen Entwicklung in der Ukraine gilt oft die Krim-Annexion, so etwa bei Wikipedia und der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg. Dabei wird ausgeblendet, dass die USA Wochen zuvor einen Putsch in Kiew mit fünf Milliarden US-Dollar mit-finanziert haben, in dessen Verlauf der neutralitätsorientierte Präsident Janukowitsch verfassungswidrig durch die pro-westliche sogenannte »Übergangsregierung« Jazenjuk abgelöst wurde. Während dieses Staatsstreichs waren laut Gregor Gysis Rede im Bundestag am 13. März 2014 bewaffnete Kräfte im Parlament zugegen. Doch für die Nato-Propaganda begannen die Rechtsbrüche mit der Krim-Krise, die allerdings bei Licht gesehen eine Reaktion auf die Installierung einer Regierung war, die repressiv gegen die russische Bevölkerung der Ostukraine vorging, was u. a. daran deutlich wurde, dass es eine ihrer ersten Amtshandlungen war, Russisch als Amtssprache zu verbieten.
- Die Oberflächlichkeit der Nachrichten zeigt sich auch in der China-Berichterstattung, wonach die – gefährliche – chinesische Führung Taiwan als abtrünnige Provinz betrachtet, weswegen die Nato diesen demokratischen Staaten schützen müsse, wie es z. B. exemplarisch das Redaktionsnetzwerk Deutschland am 29.07.2023 darstellte. Das ist eine Halbwahrheit. Dabei wird ausgeblendet, dass auch die UNO Taiwan als Bestandteil der Volksrepublik China einstuft, was auch die USA in einem »Joint Communique of the United States of America and the People’s Republic of China« vom 1. Januar 1979 anerkannten.
- Der DGB protestiert gegen den Sozialabbau, unterschlägt aber in seiner Kritik daran oft, wie etwa der DGB-Kongress im Mai dieses Jahres zeigte, den Zusammenhang zur milliardenschweren Rüstung, obwohl der Militärhaushalt Deutschlands innerhalb der letzten zehn Jahre von 34,29 Milliarden Euro auf 108,2 Milliarden Euro mehr als verdreifacht wurde. Bundesaußenminister Wadephul hat laut Süddeutscher Zeitung vom 17. Februar 2026 selbst diesen Zusammenhang deutlich gemacht, als er von Frankreich Einschnitte ins Sozialsystem zugunsten der Rüstung verlangte.
Die Gewerkschaften haben eine lange Tradition im verbundenen Abwehrkampf gegen Sozialabbau und Hochrüstung. So verlangten sie schon vor ca. 100 Jahren Butter statt Kanonen!
- Die Ökologie- und die Friedensbewegung engagieren sich zu selten gemeinsam für die Bewahrung der Lebensgrundlagen durch Abrüstung. Die einen fokussieren sich stark auf das Thema CO2 und gehen dabei in vielen Aktionen, Erklärungen und Forderungen mit keinem Wort auf die Klimaschädigung des Militärsektor ein. Umgekehrt kritisieren viele Friedenskräfte die Hochrüstung ohne auf die die Notwendigkeit hinzuweisen, die natürlichen Lebensgrundlagen auch durch Abrüstung der naturzerstörenden sogenannten »Sicherheits- und Verteidigungsmaßnahmen« – also des Militärs – zu bewahren.
Ein Hintergrund dafür besteht darin, dass die US-Regierung es 1997 während der Verhandlungen zum Kyoto-Klima-Protokoll durchgesetzt hat, dass die Staaten der Welt ihre militärisch bedingten Verbrennungsabgas-Emissionen nicht an den Weltklimarat melden müssen. So kommt es, dass das Militär als Gefahr, das u.a. die Erderhitzung zentral mit verursacht, aus dem Blick gerät. Die Tatsache, dass das Militär diese fatale Wirkung hat, machte u. a. die Wiener Zeitung Standard am 14.06.2019 deutlich, als sie berichtete, dass das US-Militär der größte institutionelle CO2-Produzent der Welt ist.
- Die Atomrüstung ist das Gegenteil eines Schutzschirms: Von den über 12 000 weltweit vorhandenen Nuklearsprengköpfen müssen in einem Schlagabtausch von Atommächten wie der Nato, Chinas oder Russlands, laut Spektrum der Wissenschaft vom Mai 2015, nur ca. 100 zur Explosion gebracht werden, um die Atmosphäre durch Flugasche derart zu verdunkeln, dass die Nahrungsmittel-Versorgung der Menschheit akut gefährdet ist. Sowjetische und US-amerikanische Wissenschaftler fanden dies in einem gemeinsamen Forschungsprozess bereits vor über 40 Jahren heraus. Sie sprachen von einem »Nuklearen Winter«. Er wäre der letzte der Menschheitsgeschichte.
- Wenn Die Militärlobby für Kriegstüchtigkeit wirbt, dann geht sie ein Risiko ein, das niemals jemand eingehen darf: In Europa stehen ca. 140 Atomreaktoren. Diese Systeme benötigen ununterbrochene Kühlung. Das kann aber niemand im Krieg sicherstellen. In anderen Worten: Die Militärlobby wirbt für eine Strategie, die sehenden Auges auf das Ende zumindest der europäischen Zivilisation hinausläuft. Sie verkaufen uns diese Titanic-Politik als Sicherheitspolitik. Sicherheit aber gibt es nicht in der Konfrontation der Großmächte, sondern nur in einem gemeinsamen Haus Erde von Lissabon über Wladiwostok bis New York und Dover. Nur in Kooperation und nicht in Konfrontation kann die Menschheit die Herausforderungen des digitalen Atomzeitalters überleben.
FAZIT: All das zeigt, dass der Schlüssel zum Verständnis der Herausforderungen unserer Zeit im ganzheitlichen Erfassen der Ursachen, Entwicklungen und Zusammenhänge liegt. Wir müssen radikal sein, im Sinn des Wortes, es geht darum, den Dingen auf den Grund zu gehen. Und wir brauchen eine Resilienz gegen die Infiltration unserer Gehirne durch die Kriegstüchtigkeitspropaganda, die uns nachrichtenstündlich erreicht.