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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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»Nachrichten« genannte Propaganda

Nach­rich­ten hei­ßen so, weil sie dar­auf abzie­len, unser Den­ken und Han­deln danach aus­zurich­ten.

Wir bekom­men in den Nach­rich­ten übli­cher­wei­se Berich­te ser­viert, die eine kurz­zei­ti­ge Aktua­li­tät auf­wei­sen. Vie­les davon kann man unmit­tel­bar wie­der ver­ges­sen, wenn die Aktua­li­tät nicht mehr gege­ben ist. Zusam­men­hän­ge, Ursa­chen oder auch Ent­wick­lungs­strän­ge von Situa­tio­nen, über die berich­tet wird, wer­den dabei in der Regel ausgeblendet.

  1. Ein deut­li­ches Bei­spiel ist der Krieg Isra­els gegen Gebie­te, die Palä­sti­nen­ser bewoh­nen. Die­ser Krieg begann nach übli­cher media­ler Dar­stel­lung am 7. Okto­ber 2023 mit den Gräu­el­ta­ten der Hamas. Das ist qua­si aus hei­te­rem Him­mel gesche­hen. Der geneig­te Rezi­pi­ent der Nach­rich­ten schluss­fol­gert ent­spre­chend, dass das Gut-Böse-Sche­ma klar ist: Die Reak­ti­on der israe­li­schen Armee ist gerecht­fer­tigt, denn ihr Land und die Bevöl­ke­rung des Staa­tes sind Opfer eines Verbrechens.

Nicht erwähnt wur­de und wird, dass sich Isra­els Armee laut einem Amne­sty-Bericht vom Febru­ar 2023, also 9 Mona­te vor dem 7. Okto­ber, Palästinenser/​innen gegen­über wie­der­holt durch syste­ma­ti­sche Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen schul­dig macht. Die­se Vor­ge­schich­te recht­fer­tigt kein Ver­bre­chen, aber die Ten­denz der Main­stream-Nach­rich­ten, dass der Ter­ror des 7. Okto­ber Aus­gangs­punkt der heu­ti­gen Situa­ti­on ist, ver­hin­dert ganz­heit­li­ches Den­ken und unter­stützt durch das Aus­blen­den der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen indi­rekt kri­mi­nel­les Ver­hal­ten israe­li­scher Soldaten.

  1. Als Beginn der krie­ge­ri­schen Ent­wick­lung in der Ukrai­ne gilt oft die Krim-Anne­xi­on, so etwa bei Wiki­pe­dia und der Lan­des­zen­tra­le für poli­ti­sche Bil­dung Baden-Würt­tem­berg. Dabei wird aus­ge­blen­det, dass die USA Wochen zuvor einen Putsch in Kiew mit fünf Mil­li­ar­den US-Dol­lar mit-finan­ziert haben, in des­sen Ver­lauf der neu­tra­li­täts­ori­en­tier­te Prä­si­dent Janu­ko­witsch ver­fas­sungs­wid­rig durch die pro-west­li­che soge­nann­te »Über­gangs­re­gie­rung« Jazen­juk abge­löst wur­de. Wäh­rend die­ses Staats­streichs waren laut Gre­gor Gysis Rede im Bun­des­tag am 13. März 2014 bewaff­ne­te Kräf­te im Par­la­ment zuge­gen. Doch für die Nato-Pro­pa­gan­da began­nen die Rechts­brü­che mit der Krim-Kri­se, die aller­dings bei Licht gese­hen eine Reak­ti­on auf die Instal­lie­rung einer Regie­rung war, die repres­siv gegen die rus­si­sche Bevöl­ke­rung der Ost­ukrai­ne vor­ging, was u. a. dar­an deut­lich wur­de, dass es eine ihrer ersten Amts­hand­lun­gen war, Rus­sisch als Amts­spra­che zu verbieten.
  2. Die Ober­fläch­lich­keit der Nach­rich­ten zeigt sich auch in der Chi­na-Bericht­erstat­tung, wonach die – gefähr­li­che – chi­ne­si­sche Füh­rung Tai­wan als abtrün­ni­ge Pro­vinz betrach­tet, wes­we­gen die Nato die­sen demo­kra­ti­schen Staa­ten schüt­zen müs­se, wie es z. B. exem­pla­risch das Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land am 29.07.2023 dar­stell­te. Das ist eine Halb­wahr­heit. Dabei wird aus­ge­blen­det, dass auch die UNO Tai­wan als Bestand­teil der Volks­re­pu­blik Chi­na ein­stuft, was auch die USA in einem »Joint Com­mu­ni­que of the United Sta­tes of Ame­ri­ca and the People’s Repu­blic of Chi­na« vom 1. Janu­ar 1979 anerkannten.
  3. Der DGB pro­te­stiert gegen den Sozi­al­ab­bau, unter­schlägt aber in sei­ner Kri­tik dar­an oft, wie etwa der DGB-Kon­gress im Mai die­ses Jah­res zeig­te, den Zusam­men­hang zur mil­li­ar­den­schwe­ren Rüstung, obwohl der Mili­tär­haus­halt Deutsch­lands inner­halb der letz­ten zehn Jah­re von 34,29 Mil­li­ar­den Euro auf 108,2 Mil­li­ar­den Euro mehr als ver­drei­facht wur­de. Bun­des­au­ßen­mi­ni­ster Wade­phul hat laut Süd­deut­scher Zei­tung vom 17. Febru­ar 2026 selbst die­sen Zusam­men­hang deut­lich gemacht, als er von Frank­reich Ein­schnit­te ins Sozi­al­sy­stem zugun­sten der Rüstung verlangte.

Die Gewerk­schaf­ten haben eine lan­ge Tra­di­ti­on im ver­bun­de­nen Abwehr­kampf gegen Sozi­al­ab­bau und Hoch­rü­stung. So ver­lang­ten sie schon vor ca. 100 Jah­ren But­ter statt Kanonen!

  1. Die Öko­lo­gie- und die Frie­dens­be­we­gung enga­gie­ren sich zu sel­ten gemein­sam für die Bewah­rung der Lebens­grund­la­gen durch Abrü­stung. Die einen fokus­sie­ren sich stark auf das The­ma CO2 und gehen dabei in vie­len Aktio­nen, Erklä­run­gen und For­de­run­gen mit kei­nem Wort auf die Kli­ma­schä­di­gung des Mili­tär­sek­tor ein. Umge­kehrt kri­ti­sie­ren vie­le Frie­dens­kräf­te die Hoch­rü­stung ohne auf die die Not­wen­dig­keit hin­zu­wei­sen, die natür­li­chen Lebens­grund­la­gen auch durch Abrü­stung der natur­zer­stö­ren­den soge­nann­ten »Sicher­heits- und Ver­tei­di­gungs­maß­nah­men« – also des Mili­tärs – zu bewahren.

Ein Hin­ter­grund dafür besteht dar­in, dass die US-Regie­rung es 1997 wäh­rend der Ver­hand­lun­gen zum Kyo­to-Kli­ma-Pro­to­koll durch­ge­setzt hat, dass die Staa­ten der Welt ihre mili­tä­risch beding­ten Ver­bren­nungs­ab­gas-Emis­sio­nen nicht an den Welt­kli­ma­rat mel­den müs­sen. So kommt es, dass das Mili­tär als Gefahr, das u.a. die Erd­er­hit­zung zen­tral mit ver­ur­sacht, aus dem Blick gerät. Die Tat­sa­che, dass das Mili­tär die­se fata­le Wir­kung hat, mach­te u. a. die Wie­ner Zei­tung Stan­dard am 14.06.2019 deut­lich, als sie berich­te­te, dass das US-Mili­tär der größ­te insti­tu­tio­nel­le CO2-Pro­du­zent der Welt ist.

  1. Die Atom­rü­stung ist das Gegen­teil eines Schutz­schirms: Von den über 12 000 welt­weit vor­han­de­nen Nukle­ar­spreng­köp­fen müs­sen in einem Schlag­ab­tausch von Atom­mäch­ten wie der Nato, Chi­nas oder Russ­lands, laut Spek­trum der Wis­sen­schaft vom Mai 2015, nur ca. 100 zur Explo­si­on gebracht wer­den, um die Atmo­sphä­re durch Flug­asche der­art zu ver­dun­keln, dass die Nah­rungs­mit­tel-Ver­sor­gung der Mensch­heit akut gefähr­det ist. Sowje­ti­sche und US-ame­ri­ka­ni­sche Wis­sen­schaft­ler fan­den dies in einem gemein­sa­men For­schungs­pro­zess bereits vor über 40 Jah­ren her­aus. Sie spra­chen von einem »Nuklea­ren Win­ter«. Er wäre der letz­te der Menschheitsgeschichte.
  2. Wenn Die Mili­tär­lob­by für Kriegs­tüch­tig­keit wirbt, dann geht sie ein Risi­ko ein, das nie­mals jemand ein­ge­hen darf: In Euro­pa ste­hen ca. 140 Atom­re­ak­to­ren. Die­se Syste­me benö­ti­gen unun­ter­bro­che­ne Küh­lung. Das kann aber nie­mand im Krieg sicher­stel­len. In ande­ren Wor­ten: Die Mili­tär­lob­by wirbt für eine Stra­te­gie, die sehen­den Auges auf das Ende zumin­dest der euro­päi­schen Zivi­li­sa­ti­on hin­aus­läuft. Sie ver­kau­fen uns die­se Tita­nic-Poli­tik als Sicher­heits­po­li­tik. Sicher­heit aber gibt es nicht in der Kon­fron­ta­ti­on der Groß­mäch­te, son­dern nur in einem gemein­sa­men Haus Erde von Lis­sa­bon über Wla­di­wo­stok bis New York und Dover. Nur in Koope­ra­ti­on und nicht in Kon­fron­ta­ti­on kann die Mensch­heit die Her­aus­for­de­run­gen des digi­ta­len Atom­zeit­al­ters überleben.

FAZIT: All das zeigt, dass der Schlüs­sel zum Ver­ständ­nis der Her­aus­for­de­run­gen unse­rer Zeit im ganz­heit­li­chen Erfas­sen der Ursa­chen, Ent­wick­lun­gen und Zusam­men­hän­ge liegt. Wir müs­sen radi­kal sein, im Sinn des Wor­tes, es geht dar­um, den Din­gen auf den Grund zu gehen. Und wir brau­chen eine Resi­li­enz gegen die Infil­tra­ti­on unse­rer Gehir­ne durch die Kriegs­tüch­tig­keits­pro­pa­gan­da, die uns nach­rich­ten­stünd­lich erreicht.