Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Gesundheitsprofitmaximierung

Was hal­ten Sie davon, wenn wir, die wir durch­ge­hend geschröpft wer­den, den Kran­ken­kas­sen- und Ärz­testand­ort Deutsch­land ver­las­sen und uns zum Bei­spiel unse­re Zäh­ne in Ungarn rich­ten las­sen, oder den Fie­ber­qua­len der Grip­pe durch eine Imp­fung in Tsche­chi­en entgehen?

Eine Dosis Aspi­rin, in Ita­li­en gekauft, hilft auch, die Aus­ga­ben für »rezept­freie« Medi­ka­men­te zu redu­zie­ren, die man aus eige­nen Ein­künf­ten beglei­chen darf.

Als ich kürz­lich an der Poli­ti­ker­am­pel-Krank­heit litt, ich hör­te ein­fach nicht nur nichts mehr, auch das Zuhö­ren klapp­te nicht, begab ich mich zu einem Ohren­arzt, der auch noch zusätz­lich auf Nasen und Häl­se spe­zia­li­siert war. Ich muss­te nicht mein Ohr abge­ben, aber dafür Grö­ße, Gewicht, Vor­lei­den, Ope­ra­tio­nen und aktu­el­len Blut­druck ange­ben und ein Pröb­chen Urin liefern.

Ehr­lich, der Mann, der sich um mei­ne Hör­pro­ble­me küm­mern soll­te, war wirk­lich kein Uro­lo­ge, son­dern ein Ohrolo­ge. Eine Rei­se durchs Labor begann, ich lern­te ein neu­es Wun­der­land der Tech­no­lo­gie ken­nen. Was man da alles mit mir gemacht hat. Las­sen wir nicht Blu­men, son­dern die Rech­nung kor­rekt nach GOÄ* (Gebüh­ren­ord­nung für Ärz­te) und rich­ti­gen Hebe­satz sprechen:

  • Num­mer 65: ein­ge­hen­de Unter­su­chung 55,96 €.
  • Num­mer 1418: Ton­schwel­len-Audio­me­trie 83,42 €.
  • Num­mer 1418: Unter­su­chung des Nasen-Rachen-Raums 93,00 €.
  • Num­mer 1530: Kehl­kopf­un­ter­su­chung 96,96 €.
  • Num­mer 1556: Stim­men-Prü­fung 55,81 €.

Bei wei­te­ren 12 Posi­tio­nen der Rech­nung hät­te mir nicht nur der Ver­stand, son­dern auch die Stim­me bald ver­sagt. Vom Seh­ver­mö­gen ganz zu schwei­gen. Der Gesamt­be­trag, der für die ärzt­li­chen Bemü­hun­gen zu zah­len war, betrug 1570,42 €.

Die Dia­gno­se lau­te­te: »Ohr­pfrop­fen«, und Hei­lung brach­te die Num­mer 1565 der Gebüh­ren­ord­nung: – Ent­fer­nung eines Ohr Schmalz­pfrop­fens für gan­ze 17,32 €. Die ande­ren 1553,10 € hät­te ich mir also spa­ren können.

Nur, von 17,32 € kann doch ein hie­si­ger Hals-Nasen-Ohren­arzt nicht leben, geschwei­ge denn ster­ben. In Russ­land wäre das anders, da wür­de so eine Unter­su­chung nach der spar­sa­men rus­si­schen Metho­de kaum Kosten ver­ur­sa­chen, und im sozia­li­sti­schen Kuba mit sei­nem fei­nen sozia­len Gesund­heits­sy­stem hät­te die­se Behand­lung 5,32 € gekostet.

Als mir der lie­be Dok­tor der Hals-Nasen-Ohren-Frak­ti­on nach­rief, »wenn es ihnen nicht bes­ser geht, kom­men sie mor­gen wie­der«, da wuss­te ich, nun kommt noch eine Rech­nung über 48,80 € dazu – aus­führ­li­che Beratung!

Der medi­zi­ni­sche Stand­ort Deutsch­land muss auf­ge­ge­ben wer­den! Geben wir den Medi­zin­frau­en und Män­nern im afri­ka­ni­schen Dschun­gel eine Chan­ce. Die sind bezahlbar.

*Um etwai­gen Kla­gen zu ent­ge­hen: Es han­delt sich um Zah­len, die nicht unbe­dingt stim­men, da auch bei der GOÄ das Preis­ge­fü­ge, wie bei den Spei­se­kar­ten der Restau­rants, Ände­run­gen aus­ge­setzt ist, die den Schwan­kun­gen der Bör­sen­kur­se, den Wet­ter­be­rich­ten und ähn­lich seriö­sen Metho­den unterliegen.