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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Kleine Hilfe aus der Bibliothek

Manch­mal muss man ein­fach raus. Weg aus dem Büro, aus der häus­li­chen Enge. Weg vom Fern­se­her, vom Tele­fon, vom Radio und all die­sen furcht­ba­ren Nach­rich­ten. Manch­mal braucht es die hei­len­den Kräf­te der Natur, die schon im klein­sten Stadt­park wir­ken kön­nen. Der Kies knirscht unter den Füßen, die Son­ne wärmt das Gesicht und das Rau­schen vom Wind kühlt ange­nehm die Stirn …

Aber klappt das wirk­lich so ein­fach? Gera­de wird Brecht wie­der aktu­ell. »Was sind das für Zei­ten, wo ein Gespräch über Bäu­me fast ein Ver­bre­chen ist, weil es ein Schwei­gen über so vie­le Unta­ten ein­schließt!« Ja, es stimmt, die Bäu­me blü­hen. Aber so rich­tig Freu­de bringt ihr Anblick nicht.

Wenn es nur eine Lösung gäbe! Aber die gan­ze Sache ist so kom­plex, so ver­win­kelt, so ein­schüch­ternd groß. Ein wei­tes Feld, hat Theo­dor Fon­ta­ne gesagt. Es war der Schluss­satz in einem Roman. Wann wird hier das Ende kom­men? Was wird davor noch alles gesche­hen? Wie viel Leid wird noch zu ertra­gen sein?

Wenn man nur etwas tun könn­te! War­um war man nicht beim Mili­tär? War­um hat man dann doch nicht Medi­zin stu­diert oder ist wenig­stens Sani­tä­ter gewor­den? War­um hat man kein Auto übrig, mit dem man ein­fach los­fah­ren könn­te, um dort anzu­packen! Man denkt an Ril­ke in der Räte­re­pu­blik, Mün­chen 1919. War es Oskar Maria Graf, der sich dar­über lustig mach­te, wie die manier­li­chen Elfen­bein­dich­ter plötz­lich über die Sor­gen der Arbei­ter dis­ku­tier­ten? Man stutzt und ärgert sich: Man ist ja selbst so einer, so ein Salon­so­zia­list, der im ech­ten, prak­ti­schen Leben gera­de ein­mal so eine Glüh­bir­ne aus­tau­schen kann. Was weiß man schon!

In der Schu­le wird dis­ku­tiert. Ja, man soll­te reden, auch wenn man gar nicht mehr reden mag. Man kann sams­tags im Kel­ler das Spiel­zeug durch­ge­hen und die Kin­der­klei­dung. Man weiß ja selbst nicht, wofür man das alles eigent­lich auf­ge­ho­ben hat. Man kann sich Zeit frei­schau­feln und nach­fra­gen: Was wird gebraucht, wo wird es gebraucht, wie kann ich hel­fen? »Es gibt nichts Gutes, außer: Man tut es«, hat Erich Käst­ner gesagt. Schon wie­der ein Dich­ter! Ein Guter, klar, und er hat recht. Es ist viel­leicht nicht viel, und es ist ganz sicher nicht bedeu­tend, aber du kannst damit hel­fen. Den ande­ren. Und dir. Aus dei­ner Hilflosigkeit.