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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Portugal im Wandel

Por­tu­gal ist kein Boll­werk mehr gegen Rechts­ex­tre­me. Gegrün­det wur­de die Rechts­par­tei Che­ga! (Jetzt reicht´s!) 2017 vom ehe­ma­li­gen Spit­zen­kan­di­da­ten der Parti­do Social Demo­cra­ta, dem Juri­sten André Ven­tu­ra. Zur Euro­pa­wahl 2019 schloss sich Che­ga mit der Parti­do Popu­lar Monár­qui­co zum Bünd­nis Basta zusam­men. 1,49 Pro­zent der Stim­men reich­ten nicht für ein Man­dat, das Zweck­bünd­nis wur­de auf­ge­löst. Bei den Por­tu­gie­si­schen Par­la­ments­wah­len am 8. Okto­ber 2019 erhielt Che­ga mit 1,3 Pro­zent der Stim­men ein Man­dat. Der Par­tei­vor­sit­zen­de André Ven­tu­ra zog als Abge­ord­ne­ter ins Par­la­ment ein.

Damit hat sich Por­tu­gal ver­än­dert, mit der Par­tei ein rech­tes Sprach­rohr erhal­ten. Anfang des Jah­res sorg­te Ven­tu­ra bereits für Auf­re­gung. Er for­der­te die Depor­ta­ti­on der schwar­zen Par­la­men­ta­rie­rin Joa­ci­ne Katar Morei­ra von der Links­par­tei Liv­re (Frei). Deren Par­tei wur­de am 10. Mai 2017 vom por­tu­gie­si­schen Ver­fas­sungs­ge­richt aner­kannt und bekam bei den Par­la­ments­wah­len 2019 1,09 Pro­zent der Stim­men, die Histo­ri­ke­rin Morei­ra, gebo­ren in Gui­nea-Bissau, zog ins Par­la­ment ein.

André Ven­tu­ra stört es, dass Joa­ci­ne Katar Morei­ra auf die blu­ti­ge por­tu­gie­si­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te hin­weist und die Rück­ga­be der geraub­ten Kul­tur­gü­ter for­dert. Die Abge­ord­ne­te ist stän­di­gen ras­si­sti­schen Angrif­fen von Ven­tu­ra aus­ge­setzt. Die lin­ken Par­tei­en Parti­do Socia­li­sta, Parti­do Comu­ni­sta Por­tu­guês und Blo­co de Esquer­da haben sich mit Morei­ra solidarisiert.

Angriffs­zie­le der Che­ga sind Anti­fa­schi­sten, Flücht­lin­ge, Schwar­ze und Trans­se­xu­el­le. Das Euro­päi­sche Netz­werk gegen Ras­sis­mus hat die por­tu­gie­si­sche Regie­rung zum Han­deln auf­ge­for­dert. Inzwi­schen gibt es gegen Par­la­men­ta­ri­er Mord­dro­hun­gen. Droh­schrei­ben haben erhal­ten Joa­ci­ne Katar Morei­ra von Liv­re und vom Blo­co de Esquer­da die Abge­ord­ne­ten Maria­na Mor­tá­gua und Bea­triz Gomes. Auch der Gewerk­schaf­ter und Akti­vist in der anti­ras­si­sti­schen und anti­fa­schi­sti­schen Bewe­gung Dani­lo Morei­ra. Absen­der der Brie­fe sind die »Neue Ord­nung von Avis« und der »Natio­na­le Wider­stand«. Sie for­dern von den Emp­fän­gern, das »natio­na­le Ter­ri­to­ri­um« bin­nen 48 Stun­den zu ver­las­sen und von allen poli­ti­schen Ämtern zurück­zu­tre­ten. Ist das Ulti­ma­tum abge­lau­fen, wer­den »wir Maß­nah­men gegen Sie und Ihre Fami­lie ergrei­fen, um die Sicher­heit des por­tu­gie­si­schen Vol­kes zu garan­tie­ren«, heißt es in den Droh­brie­fen weiter.

Dass der Par­tei­vor­sit­zen­de der Che­ga, Ven­tu­ra, gute Kon­tak­te in die gewalt­tä­ti­ge Sze­ne hat, ist in Por­tu­gal bekannt. Für den Poli­to­lo­gen Antó­nio Costa Pin­to von der Uni­ver­si­tät Lis­sa­bon ist der Ras­sis­mus Treib­stoff für Che­ga, die nun ver­schie­de­ne rech­te Grup­pen ver­ei­nigt. Die Par­tei spre­che das aus, was vie­le in Por­tu­gal den­ken, da die blu­ti­ge Kolo­ni­al­ge­schich­te des Lan­des bis­her nicht auf­ge­ar­bei­tet wur­de. Pin­to: »In Por­tu­gal gab es immer Grüpp­chen der extre­men Rech­ten, die aber bei Wah­len nie rele­vant wur­den. Das ist jetzt vorbei.«