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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Sozialgeschichte Polens

»Sach­ver­hal­te, Leu­te, Gescheh­nis­se« nann­te Dari­usz Jar­osz sei­nen Sam­mel­band »zur Sozi­al­ge­schich­te des Sta­li­nis­mus in Polen« in den Jah­ren 1948–1956. Die­se pol­nisch­spra­chi­ge Publi­ka­ti­on des Pro­fes­sors am Insti­tut für Geschich­te der Pol­ni­schen Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten ver­tieft und erwei­tert sei­ne bis­he­ri­gen sozi­al­ge­schicht­li­chen For­schun­gen zum The­ma. Im Unter­schied zur Mehr­zahl der Autoren des Insti­tuts für Natio­na­le Erin­ne­run­gen (IPN), die sich auf die poli­ti­sche Geschich­te kon­zen­trie­ren, unter­sucht D. J. aus­ge­wähl­te Pro­ble­me der Sozi­al­ge­schich­te Polens. Im Sta­li­nis­mus in Polen sieht er einen Moder­ni­sie­rungs­pro­zess eige­ner Art.

Sei­ne Ana­ly­se beruht auf bis­her nicht genutz­ten Quel­len in Betriebs- und Behör­de­n­ar­chi­ven sowie von der histo­ri­schen For­schung unbe­ach­te­ten Spe­zi­al­un­ter­su­chun­gen, zum Bei­spiel zu den unge­wöhn­li­chen Kli­ma­ver­hält­nis­sen in den ersten Nach­kriegs­jah­ren. Vor dem Hin­ter­grund der Umwelt­ver­än­de­run­gen unter­sucht D. J. vor allem die Indu­stria­li­sie­rung Polens und die dar­aus resul­tie­ren­den grund­le­gen­den Ver­än­de­run­gen der Sozi­al­struk­tur des Lan­des. In der ersten Hälf­te der 50er Jah­re (1951–1955) über­sie­del­ten in einem Mas­sen­pro­zess knapp 1,8 Mil­lio­nen vor­nehm­lich jun­ger Polen vom Land in die Städ­te. Sie bezo­gen (je nach Erwerb neu­er Beru­fe) eige­ne und neu­erbau­te Woh­nun­gen oder kamen teil­wei­se für län­ge­re Zeit auch in neu ein­ge­rich­te­ten soge­nann­ten Arbei­ter­ho­tels unter. In den Städ­ten erwar­ben sie im Lau­fe der Jah­re nicht nur für sie neue Beru­fe in der Indu­strie, son­dern sie ver­än­der­ten auch die Struk­tur der Stadt­be­völ­ke­rung, par­ti­ell sogar deren Umgangs­spra­che. Dar­in sieht der Autor eine bäu­er­li­che Inbe­sitz­nah­me der Städ­te. Die mas­sen­haf­ten Migra­ti­ons­be­we­gun­gen gin­gen ein­her mit wei­te­ren Ver­än­de­run­gen, so stieg das mitt­le­re Lebens­al­ter der pol­ni­schen Bevöl­ke­rung deut­lich, unter ande­rem auch des­halb, weil sich deren Ernäh­rung ver­bes­ser­te. Deut­lich wuchs bei­spiels­wei­se der Fleisch­ver­brauch der Bevöl­ke­rung, Urlaub und Erho­lung wur­den zu Selbst­ver­ständ­lich­kei­ten für die Bür­ger Polens, die Bil­dung der Land- wie der Stadt­be­völ­ke­rung nahm zu. Die Zahl der öffent­li­chen Biblio­the­ken ver­dop­pel­te sich bis 1989 auf 5110 Biblio­the­ken im Ver­gleich zum Zeit­raum 1949–56

Dari­usz Jar­osz: »Rszec­zy, lud­zie, zja­wis­ka. Stu­dia z histo­rii spolecz­nej sta­li­niz­my w Pol­sce«, (Sach­ver­hal­te, Leu­te, Gescheh­nis­se. Stu­di­en zur Sozi­al­ge­schich­te des Sta­li­nis­mus in Polen 1948–1956), Ins­ty­tut Histo­rii PAN, 296 Sei­ten ISBN: 978-83-65880-02-4, 35 Zloty