Die Tagesschau berichtete am 3. August dieses Jahres, die Bundeswehr plane, dass Atomwaffen im von den Militärs »Ernstfall« genannten Krieg gegen Russland auch dann eingesetzt werden können, wenn es nicht um die sogenannten »ureigenen Sicherheitsinteressen« Deutschlands gehe, sondern wenn Abschreckungsstrukturen die sogenannten »Sicherheitsinteressen« verbündeter Nato-Staaten berühren. Es geht der Tagesschau zufolge um die nukleare Weltordnung. Eine deutsch-französische »Steuerungsgruppe« wird dazu in die Nato-Strategie integriert.
Die FAZ berichtete am 17.07.2026, wie weitgehend konkret diese Nuklearstrategie schon gediehen ist: »Der deutsch-französische Verteidigungs- und Sicherheitsrat werde (…) auf dem Fliegerhorst im nordrhein-westfälischen Nörvenich zusammentreten (…). Dort werden (…) ein nuklearfähiger französischer Rafale-Jet und deutsche Eurofighter betankt.« Das Ganze sei »ein erstes Stück« der Umsetzung zu einer engeren Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung.«
Dazu tagte ein sogenannter »Sicherheits- und Verteidigungsrat« beider Staaten kürzlich auf Schloss Augustusburg in Brühl, an dem zahlreiche Ministerinnen und Minister beider Seiten teilnahmen; auch Kanzler Merz und Präsident Macron waren einbezogen. Die erste Bundeswehr-Beteiligung an der Nuklearübung der französischen Armee sei »komplementär zu unserer nuklearen Teilhabe und der Abschreckung in der Nato, an der wir festhalten«, sagte der Kanzler.
Für den kommenden Herbst planen beide Seiten eine erstmalige Beteiligung deutscher Soldaten an einem französischen Nuklear-Manöver. Der Widerstand gegen diese erneute Steigerung der nuklearen Gefahr für die europäische Zivilisation stützt sich aktuell auf die Friedensbewegung und auf Teile alternativer Kräfte in den etablierten Parteien, in denen das Narrativ der russischen Bedrohung dominiert, obwohl es laut einer Rede des obersten US-Kommandeurs der Nato, General Alexus Grynkewich, auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin am 11. Juni dieses Jahres dafür keine Anzeichen gebe. Die beteiligten Regierungen und die Nato insgesamt erweisen sich damit erneut als ein Sicherheitsrisiko für das Überleben der Menschheit.
Einstein warnte nach den Verbrechen von Hiroshima und Nagasaki: »Ich weiß nicht, mit welchen Waffen der Dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im Vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen.« Er engagierte sich in der Atomwaffenkontrollbewegung und forderte die Menschen guten Willens auf, die Verbreitung und den Einsatz von Atomwaffen zu verhindern.
Im Manifest, das er mit Bertrand Russel dazu veröffentlichte, sagten die beiden weltberühmten Friedensaktivisten bereits 1955: »Im Angesicht der drohenden Gefahr eines Atomkriegs, der die Zivilisation auslöschen könnte, rufen wir die Wissenschaftler und die Öffentlichkeit dazu auf, sich für die Abschaffung von Atomwaffen einzusetzen. Wir fordern die Regierungen auf, Konflikte durch Verhandlungen und nicht durch Gewalt zu lösen. Die Menschheit steht vor einer Wahl: Entweder sie schafft die Atomwaffen ab, oder die Atomwaffen schaffen die Menschheit ab.«
Im Interview mit dem Time Magazin (25. Mai 1946) ergänzte Einstein: »Die Freisetzung der Atomkraft hat alles verändert, außer unsere Denkweise. Wir schlittern einer beispiellosen Katastrophe entgegen, wenn wir nicht lernen, in einer neuen Art und Weise zu denken. Die Atomenergie muss unter internationale Kontrolle gestellt werden, bevor sie uns alle vernichtet.«
Die Atombombe ist entgegen allen Propagandalügen der Abschreckungsstrategen keine Waffe, sie ist ein Massenvernichtungsmittel, das schon deshalb verboten gehört, weil sie an Kriegshandlungen Unbeteiligte tötet. Sie ist eine Waffe gegen uns alle, gegen unsere Kinder, gegen unsere Städte, gegen die Zukunft. Mit der Legitimationslüge einer vermeintlichen Sicherheitspolitik riskieren die Verantwortlichen ein unendliches und unbeschreibliches menschliches Leid, das die gesamte Menschheit erfasst.
Die Lüge begleitete bereits die US-Atom-Angriffe auf Hiroshima und Nagasaki: Die USA erklärten, sie hätten damit eine frühzeitige Kapitulation Japans erwirkt und dadurch in der Gesamtbilanz Leben gerettet. Demgegenüber erklärte der Enkel des damaligen US-Präsidenten Truman: »Der Abwurf der Atombomben auf die Zivilbevölkerung der beiden japanischen Großstädte habe seinerzeit vor allem dem Zweck gedient, die Sowjetunion abzuschrecken.« In anderen Worten: der Kalte Krieg begann am 6. August 1945 in Hiroshima.
Im Interesse des Lebens fordern wir mit dem Ende des Wettrüstens den Beginn einer auf das Überleben gerichteten Diplomatie. Die Differenzen zwischen den Staaten und Kulturen dürfen kein Grund sein, den Weg der Eskalation und also immer weiter in Richtung Abgrund zu gehen.
Das von Einstein und Oppenheimer einst gegründete Mitteilungsblatt (Bulletin of the Atomic Scientists) warnt, die Menschheit sei noch nie so nahe am nuklearen Abgrund gewesen, wie heute. Die Ächtung von Atomwaffen und Krieg, von Hochrüstung und der mit dem NS-Wort »Kriegstüchtigkeit« verklausulierten Kriegstreiberei ist das Gebot des mahnenden Gedenkens an Hiroshima und Nagasaki.
Wir gedenken dabei auch der beiden Angehörigen der Roten Armee der UdSSR, denen wir verdanken, dass sie mit ihrem gesunden Menschenverstand in international zugespitzten Zeiten nicht wie vorgeschrieben den roten Knopf gedrückt haben: In der Kuba-Krise war das Wassili Archipow, der sich mutig so entschied, als die US-Marine Unterwassertorpedos gegen sein U-Boot abgefeuert hatte. Während der Phase der Hochspannungen zwischen Nato und Warschauer Pakt, als der Nato-Raketen-Beschluss die Spannungen steigerte und die Friedensbewegung millionenfach auf den Plan rief, war es Stanislaw Petrow, der mutig seiner Intuition folgte und einen Atomkrieg, trotz des Alarms, dass die Sowjetunion von US-Atomraketen angegriffen wird, verhinderte.
In ihrem Sinn engagiert sich die Friedensbewegung seit jeher für das Überleben der Menschheit.