Skip to content

Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

☞

Menu
Menu

Zusätzliche Belohnung

Es wer­de sich auf die Bonus­zah­lun­gen von Bahn­ma­na­gern aus­wir­ken, wenn die Zie­le, die der Bund vor­gibt, nicht ein­ge­hal­ten wer­den, ließ der neue Ver­kehrs­mi­ni­ster Bil­ger wis­sen, weil er mehr Pünkt­lich­keit will. Die Boni sind varia­ble, an Ziel­er­rei­chung gebun­de­ne Zah­lun­gen, aber bekann­ter­ma­ßen nie Obo­li. »Der damals acht­köp­fi­ge Vor­stand erhielt eine Gesamt­ver­gü­tung von rund 10,1 Mil­lio­nen Euro, davon ent­fie­len rund 2,9 Mil­lio­nen Euro auf varia­ble, an Ziel­er­rei­chung gebun­de­ne Bestand­tei­le. Der dama­li­ge Vor­stands­vor­sit­zen­de Richard Lutz kam auf eine Gesamt­ver­gü­tung von rund 2,1 Mil­lio­nen Euro, sein varia­bler Anteil lag bei rund 706.000 Euro«, berich­te­te die Ber­li­ner Zei­tung.

Mei­ne Eltern ver­dien­ten bei der Deut­schen Reichs­bahn in den fünf­zi­ger Jah­ren monat­lich zwi­schen 250 und 300 Mark der DDR, in den sech­zi­ger Jah­ren viel­leicht hun­dert Mark mehr. Ein Jahr lang rech­ne­ten sie, was sie sich von der »zusätz­li­chen Beloh­nung«, einer Treue­prä­mie, die ein­mal im Jahr, nach Dienst­jah­ren gestaf­felt, gezahlt wur­de, wür­den anschaf­fen kön­nen. Das Wort »Bonus« haben sie wohl nicht gekannt; sie fürch­te­ten, Feh­ler im Dienst zu machen, die sie um die Zah­lung bräch­ten. Mei­nem Vater wider­fuhr das, indem er auf dem Bahn­hof Klein Wanz­le­ben einen »Betriebs­un­fall« ver­ur­sach­te. Er war Fahr­dienst­lei­ter und ver­trat einen Wei­chen­wär­ter, der Geburts­tag hat­te. Beim Ran­gie­ren leg­te er die fal­sche Wei­che um, ein lee­rer Kes­sel­wa­gen sprang aus den Glei­sen, sodass der »Hilfs­zug« alar­miert wer­den muss­te. Des­sen Besat­zung hob den schief ste­hen­den Kes­sel­wa­gen mit einem Kran in kur­zer Zeit wie­der auf die Schie­nen. Mein Vater muss­te die Schicht been­den und betrank sich an dem Abend, nie hat er sich davon abbrin­gen las­sen, dass er die Ent­glei­sung vor­her im Traum gese­hen habe.

Ich weiß nicht mehr, wel­che Erwer­bun­gen unter­blie­ben und ob es des­we­gen Streit gab oder ob sich die Ehe­leu­te still ins Gesche­he­ne füg­ten. Gar zu gern wüss­te ich, was sie zu heu­ti­gen Kür­zun­gen (nicht Ver­sa­gun­gen!) zusätz­li­cher Beloh­nun­gen sagen wür­den. Oder wür­den sie auch davon reden, dass sie die Welt nicht mehr verstehen?