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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Der Mainstream …

… ist wie die mei­sten grö­ße­ren Flüs­se durch­setzt von leicht Bekömm­li­chem und Unge­sun­dem und, obwohl von Über­fluss ver­wöhnt, doch rela­tiv arm an Sub­stanz und Nähr­stof­fen. Für die Mas­se ist er die Basis des täg­li­chen Lebens. Die­se Main­streams, von denen jedes Land wel­che, mit diver­sen Zu- und Abflüs­sen, besitzt, sind oft so stark gefärbt, dass gesun­des Leben dar­in nur sel­ten mög­lich ist. Vor allem die gro­ßen Indu­strie­zwei­ge las­sen Unmen­gen ihrer unge­fil­ter­ten Abflüs­se in die Main­streams und sor­gen damit für nach­hal­ti­ge Schä­den für Mensch und Umwelt.

Unmen­gen an Holz, Che­mi­ka­li­en und ande­ren Res­sour­cen sind not­wen­dig, um die Wirt­schaft am Main­stream auf­recht zu erhal­ten. Da deren Erzeug­nis­se häu­fig unter Labor­be­din­gun­gen her­ge­stellt sind, wir­ken die­se enorm aggres­siv auf die ver­letz­li­chen und leicht beein­fluss­ba­ren Ökosysteme.

Das heißt jedoch nicht, dass es im Main­stream kein wan­deln­des Leben gibt. Vie­le sehr ähn­li­che domi­nie­ren­de Arten fin­den sich dort, doch auch eini­ge sel­te­ne Über­le­bens­künst­ler tum­meln sich an gewis­sen Stel­len, an denen kla­re und trans­pa­ren­te Ver­hält­nis­se vorherrschen.

Indem sie neue Kanä­le zie­hen, Bar­rie­ren und Stau­däm­me errich­ten oder selbst­stän­dig sich for­men­de Zu- und Abströ­me ver­sie­geln, neh­men vor allem gro­ße und mäch­ti­ge Akteu­re wie Kon­zer­ne und Staa­ten oft schwe­re und nach­hal­ti­ge Zer­stö­run­gen am Öko­sy­stem vor. Mit der Absicht, ihren Main­stream rein­zu­hal­ten, unter­neh­men Staa­ten oft Abgren­zungs­maß­nah­men zu ande­ren Strö­mun­gen, die der Qua­li­tät der Land­schaft jedoch zuträg­lich wären, da hier­durch neue Mate­ria­li­en und eine brei­te­re Fül­le an Nähr­stof­fen zuströmten.

In fast allen Tei­len der Welt hat die Ver­schmut­zung des Main­streams bis­her zu gro­tes­ken Kata­stro­phen geführt, die nicht sel­ten in Krank­heit, Hun­ger und Krieg mün­de­ten. In den letz­ten Jah­ren ist über­all ein signi­fi­kan­ter Tem­pe­ra­tur­an­stieg und eine damit ein­her­ge­hen­de Ver­schär­fung der Bedin­gun­gen zu beobachten.

Nicht alles, was in den Kanä­len nach oben getrie­ben wird, ist so ein­deu­tig zu erken­nen, wie es scheint, und so braucht man oft einen lan­gen Atem, viel Aus­dau­er und Mut, um Ursprung und Cha­rak­ter eines durch den Main­stream getrie­be­nen Stücks herauszufinden.

Wer die Abgrün­de des Main­streams ergrün­den möch­te, muss tief tau­chen ler­nen, und wer das tut, begibt sich dabei nicht sel­ten in Lebens­ge­fahr. Auch hier kommt es auf die Kanä­le an und dar­auf, in wel­chen Län­dern man bes­ser wel­chen Unge­heu­ern aus dem Weg geht. So wer­den in man­chen Län­dern die Kanä­le mit der Kriegs­ma­ri­ne ver­tei­digt, in ande­ren sind wie­der Pira­ten die Her­ren, wie­der ande­re, die ganz fried­lich dahin­zu­flie­ßen schei­nen, wer­den viel sub­ti­ler mit ande­ren Metho­den bewirt­schaf­tet und geschützt. Doch kaum ein Kanal fließt frei.

Aus soge­nann­ten Leaks flie­ßen in den letz­ten Jah­ren häu­fi­ger kla­re Strö­me aus bis­lang ver­schlos­sen geglaub­ten Quel­len bis zu den Main­streams, die dort regel­mä­ßig eine klä­ren­de Wir­kung erzeugen.

Beim Auf­tre­ten die­ser meist unver­hoff­ten Leaks reagie­ren betrof­fe­ne Indu­strien und Staa­ten, die die­se ver­heim­li­chen woll­ten, meist mit unge­wöhn­li­cher Här­te und ver­su­chen am Ran­de der Lega­li­tät die undich­ten Stel­len zu schlie­ßen oder zu färben.

Grö­ße­re Leaks füh­ren in ange­spann­ten Öko­sy­ste­men manch­mal zum Auf­schrei der am Strom Ange­sie­del­ten, oder sogar zum Kampf gegen die zer­stö­re­ri­schen Einflüsse.

Jeder und jede, die etwas Klä­ren­des zum Main­stream bei­tra­gen kann, soll­te sich des­halb um Auf­klä­rung bemü­hen. Denn je auf­ge­klär­ter der Main­stream ist, umso gesün­der ist das Umfeld und umso schnel­ler erkennt man Ver­schmut­zun­gen und Gefahren.

Sobald die umlie­gen­de Bevöl­ke­rung bemerkt, dass der Zustand ihres Main­streams ein unge­sun­des Aus­maß erreicht hat und sau­be­re Quel­len geheim gehal­ten wer­den, wen­den sich vie­le oft alter­na­ti­ven Quel­len zu, die jedoch nicht immer eine gesun­de Alter­na­ti­ve bieten.

Der Auf­ent­halt in ver­schmut­zen Kanä­len führt bei den Kon­su­men­ten oft zu Lethar­gie oder aggres­si­vem Ver­hal­ten gegen Unbe­tei­lig­te. Auch Depres­si­on, Rea­li­täts­ver­lust, Angst­zu­stän­de bis hin zur Mas­sen­pa­nik sind die Fol­ge von Kon­sum aus unzu­ver­läs­si­gen Kanä­len. Es emp­fiehlt sich des­halb, sich so nah wie mög­lich an zer­ti­fi­zier­ten und sau­be­ren Quel­len aufzuhalten.

Trotz der vie­len Unklar­hei­ten gibt es noch aller­lei fri­sche Quel­len, deren Flüs­se oft­mals, wenn auch nur kurz, zu nach­hal­ti­gen Berei­ni­gun­gen des Main­streams füh­ren. Lei­der sind die­se Quel­len oft schwer zu fin­den oder wer­den nicht sel­ten von Indu­strie und staat­li­chen Ein­grif­fen abge­lenkt, ver­tuscht oder gar ver­gif­tet. Quel­len­schutz hat hier eine beson­de­re Bedeu­tung. Das Rin­gen um gesun­de Quel­len wird die näch­sten Jah­re in beson­de­rer Wei­se prä­gen – mehr als sich die eine oder der ande­re bis­lang bewusst ist.