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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zum Scheitern verurteilt

Die­ser impe­ria­le Stell­ver­tre­ter­krieg des USA-Westens in der Ukrai­ne gegen Russ­land und indi­rekt gegen wei­te­re Bevöl­ke­run­gen in der soge­nann­ten 2. Welt – wie z. B. Chi­na – kann m.E. nur dadurch been­det werden:

  • wenn erstens die wirt­schaft­lich-finan­zi­el­len Aus­wir­kun­gen auf die west­li­chen Bevöl­ke­run­gen so ver­hee­rend wer­den, dass sich gesell­schaft­li­che Mas­sen­äng­ste und schließ­lich Mas­sen­pro­te­ste auch im Westen dage­gen Luft machen;
  • wenn zwei­tens die immer wei­ter sich ver­schär­fen­de, öko­lo­gi­sche Welt­kri­se end­lich eine neue, koope­ra­ti­ve Welt­po­li­tik erzwin­gen wird;
  • wenn drit­tens die uner­träg­li­chen Ver­lu­ste der ukrai­ni­schen Sol­da­ten und der ukrai­ni­schen Zivil­be­völ­ke­rung sowie die unvor­stell­ba­ren Kriegs­zer­stö­run­gen, die die­ser nicht zu gewin­nen­de Krieg sowohl in der Ukrai­ne als auch in Russ­land ver­ur­sacht, von den dor­ti­gen Bevöl­ke­run­gen nicht mehr mit­ge­tra­gen werden.

Der Westen dürf­te sich zudem, in jeder Hin­sicht, finan­zi­ell, durch die gigan­ti­sche Mili­ta­ri­sie­rung und Ener­gie­ko­sten­ex­plo­si­on, sowie mora­lisch-poli­tisch völ­lig über­neh­men, um die­ses »Fass ohne Boden« des Ukrai­ne-Krie­ges trotz eige­ner gigan­ti­scher Staats­schul­den wei­ter zu fül­len. Die­se erfolg­lo­se kon­tra­pro­duk­ti­ve Kriegs­po­li­tik wird die west­li­chen Bestre­bun­gen und ihre ver­lo­ge­nen Selbst­täu­schun­gen hof­fent­lich als­bald immer mehr entlarven.

Selen­skyj und die ukrai­ni­schen Natio­na­li­sten wären längst Geschich­te, wenn die USA-Nato nicht von Anfang an eine Regime-Chan­ge- und Kriegs­par­tei gewe­sen wären, um ihr eige­nes Gesell­schafts­sy­stem immer wei­ter nach Osten aus­zu­deh­nen. Dabei wird rück­sichts­los in Kauf genom­men und durch Dem­ago­gie ver­schlei­ert, dass sie damit die Mehr­heit ihrer eige­nen Bevöl­ke­run­gen öko­no­misch, sozi­al und öko­lo­gisch fort­lau­fend und immer schmerz­haf­ter zur Kas­se bit­ten, um ihre ver­lo­ge­nen west­li­chen Frei­heits­wer­te, pri­mär zugun­sten wohl­ha­ben­der Ober­schich­ten, durchzusetzen.

Die­ser impe­ria­le Krieg der Nato kann nie­mals, auch durch noch so moder­ne Waf­fen­sy­ste­me, gigan­ti­sche Geld­sprit­zen, Wirt­schafts- und Finanz­boy­kot­te und die end­lo­se Auf­nah­me von Kriegs­flücht­lin­gen, gewon­nen wer­den. Es ist doch eine Grun­d­il­lu­si­on der ukrai­ni­schen Macht­ha­ber und der Nato-Stra­te­gen, d.h. auch der Ampel­par­tei­en und ihrer wil­li­gen Hel­fer, dass es einen »mili­tä­ri­schen Sieg« über die Rus­sen etwa durch west­li­che Waf­fen­sy­ste­me geben und dadurch die Gebie­te der Ost­ukrai­ne und der Krim wie­der zurück­er­obert wer­den könn­ten. Was da dann, nicht nur dort, noch zurück­blei­ben wür­de, sind end­los ver­brann­te Erde und Mil­lio­nen Tote auf allen Sei­ten sowie unab­seh­ba­re Kriegs­fol­gen auch für Deutsch­land, Euro­pa und die ganz Welt.

Wohl nur eine erneu­te gro­ße west­li­che Nie­der­la­ge – wie erst kürz­lich in Afgha­ni­stan – wie sie sich in dem nicht enden wol­len­den Stel­lungs­krieg in der Ukrai­ne abzeich­net, kann schließ­lich auch die west­li­che Ein­sicht beför­dern, den ein­zig rich­ti­gen Weg einer neu­en koope­ra­ti­ven Welt­po­li­tik aus­schließ­lich durch Ver­hand­lun­gen zu gehen. Das wird welt­weit »von Unten« erzwun­gen wer­den müs­sen, oder wir ver­sin­ken in die apo­ka­lyp­ti­sche-ato­ma­re Welt­ka­ta­stro­phe eines 3. Weltkrieges.

Die Aus­sicht auf solch kol­lek­ti­ven Selbst­mord muss und wird wei­te­ren glo­ba­len Wider­stand her­vor­ru­fen. Die­ser zu füh­ren­de Frie­dens­kampf ist zugleich eine Wei­ter­füh­rung des alten Klas­sen­kamp­fes, um die Chan­ce auf eine post-kapi­ta­li­sti­sche Opti­on welt­ge­schicht­lich zu wah­ren, so wenig dies auf den ersten Blick im repres­si­ven Russ­land auch mög­lich erschei­nen mag. Hier­bei geht es im Kern erneut um den Kampf: glo­ba­li­sier­ter Kapi­ta­lis­mus und eine wei­te­re Spal­tung zwi­schen Arm und Reich, Ost und West, Nord und Süd oder eine neue Opti­on für eine pri­mär poli­tisch-staat­lich regu­lier­te, post-kapi­ta­li­sti­sche Gesell­schafts­ent­wick­lung, zugun­sten des Gemein­wohls der ärme­ren Schich­ten der Welt­be­völ­ke­rung. Aller­dings liegt der Schlüs­sel für die Lösung die­ser uni­ver­sel­len Grund­fra­ge der Mensch­heit nicht in einem pri­mi­ti­ven »ent­we­der oder«, son­dern in einem »sowohl als auch«, d.h. in einer erneut erzwun­ge­nen Ent­wick­lung zur »fried­li­chen Koexi­stenz«, um die eman­zi­pa­to­ri­schen Vor­tei­le bei­der Gesell­schafts­sy­ste­me zu einer Syn­the­se zusam­men­zu­füh­ren. Dabei gilt es, end­lich eine Gesell­schafts­fu­si­on von Reform­ka­pi­ta­lis­mus und Reform­so­zia­lis­mus zu fin­den, die bis­her lei­der noch nicht, histo­risch trag­fä­hig, gefun­den wer­den konn­te. Es gilt dabei, den durch alle UN-Beschlüs­se geför­der­ten KSZE-Pro­zess im 21. Jahr­hun­dert erneut zu bele­ben, der ja schon erfolg­reich zur Been­di­gung der Nach­kriegs­ord­nung, nicht nur in Deutsch­land, geführt hat! Das ist der ein­zig rich­ti­ge Weg, um die sozi­al-öko­lo­gi­schen Her­aus­for­de­run­gen der Zukunft zu bewältigen.

Die soge­nann­te »Zei­ten­wen­de«, die Scholz aus­rief, um ein gigan­ti­sches und illu­sio­nä­res Rüstungs­pro­gramm unter jubeln­dem Bei­fall der staats­tra­gen­den Par­tei­en zu begrün­den, begann in Wahr­heit nicht erst am 24. Febru­ar 2022, son­dern bereits 1990: durch die per­fi­den Nato-Ost­erwei­te­rungs­plä­ne des Westens, ent­ge­gen den Zusa­gen an Gor­bat­schow, und schließ­lich durch das fort­lau­fen­de Her­aus­bre­chen der alten Sowjet­re­pu­bli­ken aus der ehe­ma­li­gen Sowjet­uni­on, anstatt wei­ter an einer koope­ra­ti­ven gesamt­eu­ro­päi­schen und glo­ba­len, gemein­sa­men Frie­dens­ord­nung fest­zu­hal­ten und sie durch ste­ti­ge, gegen­sei­ti­ge Annä­he­rung und Zusam­men­ar­beit wei­ter­zu­ent­wickeln. Statt­des­sen wur­den die Span­nun­gen und eine Rück­kehr zum »Kal­ten Krieg«, durch die expan­si­ve west­li­che Glo­bal­po­li­tik wei­ter und wei­ter vor­an­ge­trie­ben. Die USA-geführ­te Nato erwies sich erneut als kein Frie­dens­bünd­nis, son­dern als Auf­rü­stungs­trei­ber und eigent­li­cher Kriegs­ver­ur­sa­cher. Dies wird durch die west­li­che Pro­pa­gan­da und Ideo­lo­gie bis­her weit­ge­hend ver­schlei­ert, und davon sind lei­der auch die »Ampel« und die ande­ren Par­tei­en im Bun­des­tag toxisch kon­ta­mi­niert. Ein offe­ner poli­ti­scher Dis­kurs auf Augen­hö­he ist in die­ser angeb­lich »frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung«, des­halb bis­her so gut wie unmög­lich, obwohl es um die außer­or­dent­lich exi­sten­zi­el­len Grund­fra­gen von Krieg und Frie­den geht.

Das ver­kehr­te Bewusst­sein, die dün­kel­haf­te Füh­rungs-Ideo­lo­gie des bür­ger­lich-kapi­ta­li­sti­schen Westens, der davon aus­geht, dass nur an sei­nem längst ana­chro­ni­sti­schen, pri­mär Pro­fit- und nicht Gemein­wohl- ori­en­tier­ten Gesell­schafts­sy­stem die zukünf­ti­ge Welt gene­sen soll, ist nach wie vor voll­stän­dig illu­sio­när und auf impe­ria­le Kriegs­trei­be­rei und Über­rü­stung auf­ge­baut: Es ist der alte, patri­ar­cha­lisch-natio­na­li­sti­sche und impe­ria­le Grün­dungs­my­thos der west­li­chen Welt, der erst durch ein neu­es glo­ba­les Kräf­te­ver­hält­nis und lei­der auch durch die sich sozi­al und öko­lo­gisch zuspit­zen­de Welt­kri­se über­wun­den wer­den kann, wenn vie­le Men­schen, auf­grund uner­träg­li­cher Kriegs­la­sten end­lich aus die­sem mani­pu­lier­ten, läh­men­den Alp­traum erwa­chen und sich zu weh­ren beginnen.

Lei­der ist auch die Lin­ke, die ein Anti­kriegs­be­wusst­sein kon­se­quent ver­brei­ten müss­te, immer noch in einem völ­lig zer­strit­te­nen und restau­ra­ti­ven Zer­falls­pro­zess begrif­fen. Und doch wer­den die grau­sa­men Zwän­ge der glo­ba­len gesell­schaft­li­chen Pra­xis mit ihren außer­or­dent­lich schmerz­haf­ten, welt­wei­ten sozi­al-öko­lo­gi­schen Aus­wir­kun­gen auf das Pre­ka­ri­at, auf alle Kriegs­op­fer, alle Lohn- und Gehalts­emp­fän­ger, ja, sogar auf die Pro­fit- und macht­gie­ri­gen Olig­ar­chien in der Ukrai­ne und über­all auf der Welt, zu einem men­ta­len und gesell­schaft­li­chen Para­dig­men­wech­sel füh­ren. Wir müs­sen uns wohl dafür erst wie­der einer welt­wei­ten Situa­ti­on nähern, wo die »Oben« nicht mehr kön­nen und die »Unten« nicht mehr wol­len! Bis dahin lasst uns dafür selbst­be­wuss­ter und viel laut­star­ker als bis­her kämp­fen. Denn es geht dabei nicht weni­ger als um das huma­ne, soli­da­ri­sche Über­le­ben der gesam­ten Mensch­heit und ihrer natür­li­chen Lebensgrundlagen.