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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Doppelt verdeckt

War­um und wie wird aus einem jun­gen Schrift­stel­ler und geschätz­ten Hoch­schul­leh­rer ein Dop­pel­agent? Das beschreibt der kuba­ni­sche Autor Raúl Anto­nio Capo­te in einem Buch über sei­ne eige­nen Erleb­nis­se. Es han­delt sich dabei um teil­wei­se sehr genaue Schil­de­run­gen der ersten Kon­tak­te des jun­gen Kuba­ners mit US-Diplo­ma­ten in Havan­na, die schritt­wei­se Annä­he­rung. Wei­te­re Kapi­tel betref­fen den Ein­stieg in die CIA, die damit ver­bun­de­nen Tref­fen und zahl­rei­chen klan­de­sti­nen Akti­vi­tä­ten, die Wei­ter­lei­tung unzäh­li­ger Infor­ma­tio­nen an den »Feind«. In Form von Dia­lo­gen und Rück­blen­den sowie histo­ri­schen Kon­tex­ten erläu­tert Capo­te ein­drucks­voll, mit welch kri­mi­nel­ler Ener­gie und schein­hei­lig-über­heb­li­cher Hal­tung sei­ne »Part­ner« aus den USA agier­ten. Im Zuge der 34 kur­zen Kapi­tel wer­den maß­geb­li­che diplo­ma­ti­sche und geheim­dienst­li­che Per­sön­lich­kei­ten beschrie­ben – und mit ihren Akti­vi­tä­ten der »psy­cho­lo­gi­sche Krieg der USA gegen Kuba«. Bemer­kens­wert ist, wie eng per­sön­li­che und fami­liä­re Kon­tak­te sich dabei ent­wickel­ten, wie abhän­gig die Bezie­hun­gen von den jewei­li­gen Cha­rak­ter­ei­gen­schaf­ten der Indi­vi­du­en waren.

Im Pro­log heißt es: »Die Geschich­te, die hier erzählt wird, ist wahr, und sie ist Teil eines Epos des kuba­ni­schen Vol­kes, des Kamp­fes eines klei­nen Lan­des gegen ein gro­ßes, das immer die Absicht hat­te, es zu domi­nie­ren und zu besit­zen. Es han­delt sich um ein Schar­müt­zel im Kampf von David gegen Goli­ath, erzählt von einer Haupt­fi­gur.« (S. 18) Es wird deut­lich, mit welch immensem Auf­wand und wel­chen Mühen Capo­te sein Dop­pel­le­ben führ­te, und welch emo­tio­na­le Kri­sen gegen­über Fami­lie und Freun­den durch­zu­ste­hen waren, da er sich als Geg­ner Kubas gerie­ren musste.

Am Ende des Buches zitiert der Autor ein Lied der Musik­grup­pe Buena Fe: »Was Du Gutes tust, ver­ber­gen sie, was Du rich­tig machst, ver­dre­hen sie, was Du falsch machst, bau­schen sie auf.« (S. 298) Die­se Ein­schät­zung der Medi­en­ma­ni­pu­la­ti­on der USA trifft aber auch auf die deut­schen Mas­sen­me­di­en und ihre Dar­stel­lun­gen über Kuba zu, die US-Kam­pa­gnen zei­gen Wir­kun­gen – noch. Capo­te ist heu­te als Jour­na­list tätig und fällt durch ana­ly­tisch her­vor­ra­gen­de Arti­kel in kuba­ni­schen Medi­en auf, wie Gran­ma und Cuba­de­ba­te.

Die Über­set­zung erfolg­te auf Basis der ita­lie­ni­schen Aus­ga­be, was wohl die etwas holp­ri­gen und teil­wei­se fal­schen For­mu­lie­run­gen, Begrif­fe und Flüch­tig­keits­feh­ler mit ver­ur­sacht hat. Den­noch: Das Buch bie­tet span­nen­de Ein­blicke in die Sub­ver­si­on, der Kuba per­ma­nent aus­ge­setzt ist.

Raúl Anto­nio Capo­te: »Der ande­re Mann in Havan­na. Aben­teu­er eines kuba­ni­schen Under­co­ver-Agen­ten in der CIA«, ins Deut­sche über­setzt von Anton Stengl; Zam­bon Ver­lag, 303 Sei­ten, 15 €. Edgar Göll ist Sozio­lo­ge, als Zukunfts­for­scher tätig und enga­giert sich seit 1993 für Kuba.