Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Eine Aufgabe fürs Leben

Bea­te und Ser­ge Klars­feld muss man nicht vor­stel­len. Ihr Lebens­werk ist bekannt. Sie wer­den häu­fig als »Nazi­jä­ger« bezeich­net, was nur sehr ver­knappt ihren jahr­zehn­te­lan­gen Kampf beschreibt. Sie leben in Paris, wur­den dort hoch geehrt und mit vie­len Aus­zeich­nun­gen bedacht. In der Bun­des­re­pu­blik dau­er­te es wesent­lich län­ger, bis die Ver­ant­wort­li­chen erkann­ten, was bei­de in mehr als einem hal­ben Jahr­hun­dert gelei­stet haben. Hier­zu­lan­de hat­te man sich bekannt­lich nicht mit Ruhm bekleckert, wenn es um die Ver­fol­gung nazi­sti­scher Gewalt­ver­bre­cher ging. Vie­le von ihnen wur­den in das gesell­schaft­li­che Leben der BRD inte­griert und waren nicht sel­ten in hohen Ämtern tätig. Erst seit eini­gen Jah­ren wird die­ses dunk­le Kapi­tel suk­zes­si­ve auf­ge­ar­bei­tet und die Ergeb­nis­se wis­sen­schaft­li­cher For­schung vorgelegt.

2015 erschien die Auto­bio­gra­fie der Klars­felds auch in Deutsch­land. Im glei­chen Jahr wur­de ihnen das Bun­des­ver­dienst­kreuz ver­lie­hen. Jetzt zeigt eine Aus­stel­lung über bei­de ihren Kampf gegen das Ver­ges­sen, die am 8. Okto­ber fei­er­lich im Roten Rat­haus in Ber­lin eröff­net wur­de. Hier­zu waren Bea­te und Ser­ge Klars­feld aus Paris ange­reist. Nach­ein­an­der wür­dig­ten unter ande­rem der Ber­li­ner Sena­tor für Kul­tur, der fran­zö­si­sche Bot­schaf­ter in der BRD und die Lei­te­rin der Gedenk­stät­te »Topo­gra­phie des Ter­rors« das Werk der Klars­felds. Im Anschluss dar­an stan­den bei­de den etwa 80 gela­de­nen Gästen Rede und Ant­wort. Beson­ders berühr­te dabei die Beant­wor­tung der Fra­ge der Ver­ein­bar­keit der selbst gesteck­ten Zie­le mit der Ver­ant­wor­tung für die Fami­lie und die Kin­der. Ser­ge Klars­feld sprach lan­ge dazu, und man konn­te deut­lich erken­nen, wie sehr den inzwi­schen 87-Jäh­ri­gen dies rück­blickend noch immer beweg­te. Bei­des war ihnen wich­tig, die Auf­spü­rung und Ver­fol­gung nazi­sti­scher Ver­bre­cher in aller Welt wie auch das behü­te­te Auf­wach­sen und die Lie­be zu ihren Kindern.

Die Aus­stel­lung gibt einen Über­blick über die Bezie­hung des Fran­zo­sen, des­sen Vater in Ausch­witz ermor­det wur­de, mit der Deut­schen, die nach und nach eine gemein­sa­me und bedeu­tungs­vol­le Auf­ga­be fan­den. Dabei sind sie kei­nen Risi­ken aus dem Weg gegan­gen und nah­men selbst Haft und eige­ne Ver­fol­gung in Kauf. Auch hier­über erfährt man in der Aus­stel­lung mehr. Wer sie gese­hen hat, weiß ein­mal mehr, dass Bea­te Klars­feld nicht auf ihre berühm­te Ohr­fei­ge, die sie 1968 dem dama­li­gen Bun­des­kanz­ler Kie­sin­ger wegen des­sen frü­he­rer Tätig­keit in der rund­funk­po­li­ti­schen Abtei­lung von Hit­lers Außen­mi­ni­ste­ri­um gege­ben hat­te, redu­ziert wer­den darf. Sie und ihr Ehe­mann sorg­ten dafür, dass Kurt Lisch­ka und Ernst Achen­bach letzt­lich 1979 vor Gericht gestellt wur­den. Sie spür­ten Klaus Bar­bie, den Schläch­ter von Lyon, und den Stell­ver­tre­ter von Adolf Eich­mann, Alo­is Brun­ner, auf. Die Liste ihrer Erfol­ge ist lang. Sehr zu Recht genie­ßen sie jetzt die Aner­ken­nung und Wür­di­gung ihrer Verdienste.

Die Aus­stel­lung »Bea­te und Ser­ge Klars­feld – Der Kampf gegen das Ver­ges­sen« wird vom 8. Okto­ber bis 23. Novem­ber 2022 im Roten Rat­haus in Ber­lin und im Anschluss dar­an, ab 30. Novem­ber 2022 bis 19. Febru­ar 2023, im Doku­men­ta­ti­ons­zen­trum Topo­gra­phie des Ter­rors gezeigt.