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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Eine marxistische Position

Vor lan­ger Zeit, 2014, ver­öf­fent­lich­te die jun­ge Welt einen klei­nen Aus­zug aus Rosa Luxem­burgs Schrift »Die Rus­si­sche Revo­lu­ti­on«. Es war die Zeit der Vor­ge­schich­te des gegen­wär­ti­gen Kriegs in der Ukrai­ne; eine Zeit, in der man die­sen ver­hin­dern hät­te kön­nen; viel­leicht gab es aber schon damals oder kurz danach ande­re Plä­ne vom Pro­tek­tor Biden und sei­nem Sohn.

Schon zu Luxem­burgs Zeit, d. h. im 1. Welt­krieg, ver­band sich nach ihr mit der Paro­le vom Selbst­be­stim­mungs­recht der Natio­nen der staat­li­che Zer­fall Russ­lands. Ein ver­hee­ren­der Feh­ler der Bol­sche­wi­ki, die­ses Recht auf ihre Fah­nen zu schrei­ben, denn: »dass es eben unter der Herr­schaft des Kapi­ta­lis­mus kei­ne Selbst­be­stim­mung der Nati­on gibt, dass sich in einer Klas­sen­ge­sell­schaft jede Klas­se der Nati­on anders ›selbst­zu­be­stim­men‹ strebt und dass für die bür­ger­li­chen Klas­sen die Gesichts­punk­te der natio­na­len Frei­heit hin­ter denen der Klas­sen­herr­schaft völ­lig zurück­tre­ten. Das fin­ni­sche Bür­ger­tum wie das ukrai­ni­sche Klein­bür­ger­tum waren dar­in voll­kom­men einig, die deut­sche Gewalt­herr­schaft der natio­na­len Frei­heit vor­zu­zie­hen, wenn die­se mit den Gefah­ren des ›Bol­sche­wis­mus‹ ver­bun­den wer­den sollte.«

Nun 100 Jah­re spä­ter wie­der­holt sich man­ches unter ande­ren Vor­zei­chen: Aus der Sowjet­uni­on ist wie­der Russ­land gewor­den, das im US-domi­nier­ten Westen rela­tiv allei­ne steht, nicht so im Rest der Welt; sogar der Papst zeigt Verständnis …

Statt dass die Lin­ke im Par­la­ment sich auf die Namens­ge­be­rin ihrer Stif­tung beruft, gab es das, was sie »par­la­men­ta­ri­schen Kre­ti­nis­mus« genannt hät­te. Wäre ich in die­ser Par­tei, ich hät­te die­se Ver­an­stal­tung »geschwänzt«. Wel­che Schan­de hier nicht das Wort für den mar­xi­sti­schen Anti-Mili­ta­ris­mus, für Völ­ker­freund­schaft, gutes Leben (Sozia­lis­mus) und Klas­sen­kampf gegen die Kriegs­trei­ber und Pro­fi­teu­re ergrif­fen zu haben!

Wir über­las­sen die Anti­kriegs­auf­klä­rung bür­ger­li­chen Brie­fe­schrei­bern mit ihrer berech­tig­ten Sor­ge vor dem Welt­krieg, den die grü­nen Freun­de der ver­brann­ten Erde wohl weni­ger fürch­ten als den Unter­gang ihrer Profitsphären.

Der »Ukrai­ne« und dem dik­ta­to­ri­scher US-Vasal­len mit sei­nen Olig­ar­chen, die ihn füt­tern, kann unse­re Soli­da­ri­tät nicht gel­ten. Wenn, dann gilt sie einem raschen Frie­dens­schluss und einer gleich­be­rech­tig­ten Zusam­men­ar­beit und fried­li­chen Zusam­men­le­ben der bei­den und vie­len Völ­ker. Das ukrai­ni­sche Volk, Arbei­ter, Bau­ern, (ein paar kri­ti­sche) Intel­lek­tu­el­le kön­nen ihre Zukunft schwer­lich in einem US-Pro­tek­to­rat oder in einem end­lo­sen Schlacht­feld fin­den. Es wird ihnen nichts ande­res übrig­blei­ben, als mit unse­ren Waf­fen ihre Regie­rung zu stür­zen. Es wäre nicht das erst Mal, dass so etwas pas­siert. Und auch die rus­si­sche Regie­rung wird ler­nen müs­sen, dass ohne ech­te Demo­kra­tie nie­mand ihren Staat ver­tei­di­gen wird – wie es nötig wäre.

Und die Sozi­al­de­mo­kra­tie, wie schon ein­mal: »Die deut­sche Sozi­al­de­mo­kra­tie beeil­te sich beim Aus­bruch des Krie­ges, den Raub­zug des deut­schen Impe­ria­lis­mus mit einem ideo­lo­gi­schen Schild aus der Rum­pel­kam­mer des Mar­xis­mus zu schmücken, indem sie ihn für den von unse­ren Alt­mei­stern her­bei­ge­sehn­ten Befrei­er­feld­zug gegen den rus­si­schen Zaris­mus erklärte.«

Auch was die Moral unse­res Bür­ger­tums angeht, war sie hell­sich­tig: »Mit der Abstrei­fung der kon­ven­tio­nel­len Schran­ken und Stüt­zen für Moral und Recht fällt die bür­ger­li­che Gesell­schaft, deren inner­stes Lebens­ge­setz die tief­ste Unmo­ral: die Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen, unmit­tel­bar und hem­mungs­los ein­fa­cher Ver­lum­pung anheim.« Die kann man jeden Tag in ihrer Tages­zei­tung oder bei den ÖR sehen

Die Zita­te stam­men aus: Rosa Luxem­burg: Poli­ti­sche Schrif­ten. Hrsg. und ein­gel. von Ossip K. Flecht­heim, Frankfurt/​M. 1987.