Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Flaggentag der Bürgermeister für den Frieden

Mit dem His­sen der grün-wei­ßen Flag­ge mit der Frie­dens­tau­be appel­lier­te das welt­wei­te Bünd­nis der »Mayors for Peace« am 8. Juli an die Staa­ten der Welt, Atom­waf­fen end­gül­tig abzu­schaf­fen. Zum neun­ten Mal zeig­ten die »Bür­ger­mei­ster für den Frie­den« in die­sem Jahr gemein­sam Flag­ge und setz­ten sich für eine fried­li­che Welt ohne Atom­waf­fen ein. An der deutsch­land­wei­ten Akti­on nah­men 360 Städ­te teil, die größ­te dezen­tra­le Akti­on für Frie­den und ato­ma­re Abrü­stung in Deutschland.

Ver­ein­zel­te Kri­ti­ker sahen zum Bei­spiel bei Face­book in die­sem Jahr dar­in ledig­lich eine sym­bo­li­sche Akti­on. Ich hal­te die Sym­bo­lik dage­gen für wich­tig vor dem Hin­ter­grund der Gefah­ren eines neu­en ato­ma­ren Wett­rü­stens – 75 Jah­re nach den US-Atom­bom­ben­ab­wür­fen auf Hiro­shi­ma und Nagasaki.

Der Flag­gen­tag der Mayors for Peace erin­nert jähr­lich an die völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung zur voll­stän­di­gen Abrü­stung aller Atom­waf­fen. In dem Rechts­gut­ach­ten des Inter­na­tio­na­len Gerichts­hofs in Den Haag, das von dem Haupt-Recht­spre­chungs­or­gan der Ver­ein­ten Natio­nen vor 24 Jah­ren am 8. Juli 1996 ver­öf­fent­licht wur­de, heißt es, dass die Andro­hung und der Ein­satz von Atom­waf­fen gegen inter­na­tio­na­les Recht und gegen Prin­zi­pi­en des huma­ni­tä­ren Völ­ker­rechts ver­sto­ßen. Bei einem Ein­satz von Atom­waf­fen kön­ne zum Bei­spiel zwi­schen Sol­da­ten und Zivi­li­sten nicht unter­schie­den wer­den. Des­halb sei­en alle Staa­ten ver­pflich­tet, mit Ver­hand­lun­gen zur voll­stän­di­gen Abrü­stung der Atom­waf­fen zu begin­nen. Das Gut­ach­ten ist zwar nicht bin­dend, aber den­noch von gro­ßer Bedeu­tung: Die Staa­ten der Welt­ge­mein­schaft wer­den an ihre »völ­ker­recht­li­che Ver­pflich­tung« gemahnt, ernst­haf­te Ver­hand­lun­gen zur Besei­ti­gung von Kern­waf­fen aufzunehmen.

Die Bür­ger­mei­ster von Hiro­shi­ma und Naga­sa­ki grün­de­ten 1982 das Netz­werk Mayors for Peace. Aus der grund­sätz­li­chen Über­le­gung her­aus, dass Bür­ger­mei­ste­rin­nen und Bür­ger­mei­ster für die Sicher­heit und das Leben ihrer Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ver­ant­wort­lich sind, ver­sucht die Orga­ni­sa­ti­on durch Aktio­nen und Kam­pa­gnen die welt­wei­te Ver­brei­tung von Atom­waf­fen zu ver­hin­dern und deren Abschaf­fung zu errei­chen. Mehr als 7900 Städ­te aus über 160 Län­dern gehö­ren dem Netz­werk an – in Deutsch­land immer­hin mehr als 680 Städte.

Mit der dies­jäh­ri­gen Akti­on setz­ten sich die Bür­ger­mei­ster für den Frie­den für die Ver­län­ge­rung des New-Start-Ver­tra­ges ein. Das von den USA und Russ­land unter­zeich­ne­te Abkom­men trat 2011 in Kraft und läuft im Febru­ar 2021 aus. Eben­so appel­lier­ten die Mayors for Peace an die Atom­mäch­te, den UN-Atom­waf­fen­ver­bots­ver­trag von 2017 zu unterzeichnen.

Pünkt­lich zum Flag­gen­tag ver­öf­fent­lich­ten die Medi­en die Mut machen­den Ergeb­nis­se einer neu­en Umfra­ge: Die deut­sche Bevöl­ke­rung ist für den Abzug aller Atom­waf­fen aus Deutsch­land. Zwei­und­neun­zig Pro­zent der befrag­ten Per­so­nen sind dafür, dass die Bun­des­re­gie­rung den Atom­waf­fen­ver­bots­ver­trag unter­zeich­net. Dar­aus wür­de resul­tie­ren, dass alle US-ame­ri­ka­ni­schen Atom­bom­ben aus Deutsch­land abge­zo­gen wer­den müss­ten. Die aktu­el­le Umfra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts Kan­t­ar im Auf­trag von Green­peace ist im Netz zu lesen: https://www.greenpeace.de/presse/publikationen/umfrage-atomwaffen-und-atomwaffenverbotsvertrag.

 

Mayors for Peace, der Flag­gen­tag und Bre­men – eine lan­ge Geschichte

Bre­men hat sich bereits 1984 unter Bür­ger­mei­ster Hans Koschnick (SPD) der Initia­ti­ve »Mayors for Peace« ange­schlos­sen. Dar­an erin­ner­te der Bür­ger­mei­ster von Hiro­shi­ma, Tad­a­to­shi Aki­ba, in einem Brief vom 16. August 2004 an Koschnick-Nach-Nach­fol­ger Hen­ning Scherf (SPD): »Seit 1992 haben wir kei­ne Reak­tio­nen aus Bre­men mehr bekom­men, des­halb freu­ten wir uns, von den Akti­vi­tä­ten des Bre­mer Frie­dens­fo­rums zu erfah­ren. Wir wären sehr glück­lich, wenn Sie wie­der in unse­rer Initia­ti­ve aktiv wer­den wür­den. Des­halb sen­den wir die­sen Brief durch Ekke­hard Lentz an Sie und drücken damit unse­re Hoff­nung aus, dass wir wie­der gemein­sam für ato­ma­re Abrü­stung arbei­ten werden.«

Obwohl Scherf-Nach­fol­ger Jens Böhrn­sen (SPD) am 1. Sep­tem­ber 2006 der Initia­ti­ve per­sön­lich bei­trat, betei­lig­te sich die Stadt jah­re­lang nicht an der Flag­gen­ak­ti­on. Die Begrün­dung: »Bre­men ist nicht nur Kom­mu­ne, son­dern auch Lan­des­haupt­stadt. Es ist so, dass die Beflag­gung aus pro­to­kol­la­ri­scher Sicht nicht geht, weil das Rat­haus Sitz der Lan­des­re­gie­rung ist und nicht aus­schließ­lich kom­mu­na­les Rat­haus«, äußer­te sich die Pres­se­stel­le des Senats im Jahr 2013 gegen­über dem Bre­mer Frie­dens­fo­rum. Das wie­der­um bedau­er­te sei­ner­zeit: »Eine ver­pass­te Gele­gen­heit, für eine atom­waf­fen­freie Welt zu wer­ben.« Paul-Burk­hard Schnei­der, Lei­ter des Büros für inter­na­tio­na­le Ange­le­gen­hei­ten in Han­no­ver, der Part­ner­stadt Hiro­shi­mas, und vom Büro Mayors for Peace in Deutsch­land, bedank­te sich damals beim Bre­mer Frie­dens­fo­rum für sein Enga­ge­ment. »Die Städ­te reagie­ren höchst unter­schied­lich. Man­che haben auch sehr enge (selbst gege­be­ne) Vor­schrif­ten, ob über­haupt eine ande­re Flag­ge als die Stadt­flag­ge gehisst wer­den darf. Vor die­sem Hin­ter­grund sind wir sehr dank­bar für das in die­sem Jahr über­wäl­ti­gen­de Inter­es­se … Jedes Jahr wer­den es mehr Städ­te. Viel­leicht wird Bre­men im kom­men­den Jahr auch dabei sein!« so Schnei­der vor sie­ben Jahren.

Im Jahr 2016 betei­lig­te sich Böhrn­sen-Nach­fol­ger Car­sten Sie­ling (SPD) zum ersten Mal in beschei­de­ner Wei­se am Flag­gen­tag. An einem Pfei­ler im Bre­mer Rat­haus wur­de die Fah­ne auf­ge­hängt, nur zu sehen von Mit­ar­bei­tern und Gästen.

Vor zwei Jah­ren hat­ten akti­ve Men­schen aus der Bre­mer Frie­dens­be­we­gung zu einer eige­nen Foto­ak­ti­on neben dem Bre­mer Rat­haus ein­ge­la­den. Sie hiss­ten die Fah­ne der Mayors for Peace auf den Spee­ren der gepan­zer­ten Rit­ter zu Pferd am Ost­por­tal des Alten Bre­mer Rat­hau­ses. Ihr Mot­to: »Wenn das Rat­haus kei­ne Flag­ge zeigt, dann müs­sen die Herol­de ran. Herol­de des Frie­dens for­dern: Atom­waf­fen stoppen!«

2020 wur­de nun zum ersten Mal die Fah­ne der Mayors for Peace am mitt­le­ren Flag­gen­stän­der des Bre­mer Rat­hau­ses weit­hin sicht­bar gehisst. Das Bre­mer Frie­dens­fo­rum begrüß­te aus­drück­lich die Betei­li­gung Bre­mens und das Enga­ge­ment von Bür­ger­mei­ster Andre­as Boven­schul­te (SPD, seit 2019 im Amt), der sich auch mit einem kur­zen Wort­bei­trag auf You­tube für die ato­ma­re Abrü­stung aus­sprach. Ein poli­ti­scher Erfolg für die Frie­dens­grup­pen in Bre­men, die sich jah­re­lang für eine öffent­lich­keits­wirk­sa­me Betei­li­gung der Stadt am Flag­gen­tag ein­setz­ten, sie­he auch: https://www.bremerfriedensforum.de/1279/aktuelles/Flaggentag-Buergermeister-fuer-den-Frieden/.

Die Grup­pen der Frie­dens­be­we­gung sind gut bera­ten, im näch­sten Jahr ver­stärkt den Flag­gen­tag durch ein Zuge­hen auf die jewei­li­gen Rat­häu­ser bun­des­weit zu unter­stüt­zen und sich im Bereich der Beflag­gung mit zusätz­li­chen Infor­ma­tio­nen und Akti­vi­tä­ten an die Bevöl­ke­rung zu wenden.

 

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Mayors for Peace Deutsch­land, c/​o Lan­des­haupt­stadt Han­no­ver, Büro Ober­bür­ger­mei­ster, Adres­se: Tramm­platz 2, 30159 Han­no­ver, www.mayorsforpeace.de