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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Krieg IX.

Wer nur fast 2000 Jah­re zurück­geht, stößt auf einen erhel­len­den Text des latei­ni­schen Kir­chen­leh­rers Aure­li­us Augu­sti­nus von Hip­po (354-430), ein afri­ka­nisch-römisch phi­lo­so­phi­scher Kopf, der gewis­se Staa­ten schon als Räu­ber­ban­den ansah, wenn es dar­in kei­ne Gerech­tig­keit gibt. In sei­ner Schrift »De civia­te Dei« (Vom Got­tes­staat) heißt es im 4. Buch/​4. Kapi­tel, in der Über­set­zung von Alfred Schrö­der: »Ohne Gerech­tig­keit sind die Staa­ten nur gro­ße Räuberbanden. «

Im vol­len Zitat, das ich mei­nem Freund Claus Berndt (Ber­lin) ver­dan­ke, lau­tet die Pas­sa­ge: »Was sind über­haupt Rei­che, wenn die Gerech­tig­keit fehlt, ande­res als gro­ße Räu­ber­ban­den? Sind doch auch Räu­ber­ban­den nichts ande­res als klei­ne Rei­che. Sie sind eine Schar von Men­schen, wer­den gelei­tet durch das Regi­ment eines Anfüh­rers, zusam­men­ge­hal­ten durch Gesell­schafts­ver­trag und tei­len ihre Beu­te nach Maß­ga­be ihrer Über­ein­kunft. Wenn eine sol­che schlim­me Gesell­schaft durch den Bei­tritt ver­wor­fe­ner Men­schen so ins gro­ße wächst, dass sie Gebie­te besetzt, Nie­der­las­sun­gen grün­det, Staa­ten erobert und Völ­ker unter­wirft, so kann sie mit Fug und Recht den Namen ›Reich‹ anneh­men, den ihr nun­mehr die Öffent­lich­keit bei­legt, nicht als wäre die Hab­gier erlo­schen, son­dern weil Straf­lo­sig­keit dafür ein­ge­tre­ten ist. Hübsch und wahr ist der Aus­spruch den ein ertapp­ter See­räu­ber Alex­an­der dem Gro­ßen gegen­über getan hat. Auf die Fra­ge des Königs, was ihm denn ein­fal­le, dass er das Meer unsi­cher mache, erwi­der­te er mit frei­mü­ti­gem Trotz: ›Und was fällt dir ein, dass du den Erd­kreis unsi­cher machst? Aber frei­lich, weil ich es mit einem arm­se­li­gen Fahr­zeug tue, nennt man mich einen Räu­ber, und dich nennt man Gebie­ter, weil du es mit einer gro­ßen Flot­te tust.‹«

Quel­le: Biblio­thek der Kir­chen­vä­ter – https://www.unifr.ch/bkv/kapitel1922-3.htm.