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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Lauter kleine Leute

Weil nach zwei Roma­nen und einem Erzäh­lungs­band eine neue Novel­le bei den Ver­la­gen dahin­düm­pel­te und über­haupt das Leben etwas zäh lief, ent­schloss sich Kat­ja Oskamp zu einer radi­ka­len Lebens­än­de­rung. Sie lern­te Fuß­pfle­ge­rin und fing an, in einem Mar­zahner Kos­me­tik­sa­lon zu arbei­ten. Was sie da erleb­te, was sie von den Kun­den erfuhr und wie die drei Mit­ar­bei­te­rin­nen »den Laden schmei­ßen«, kann man nun in »Mar­zahn, mon amour. Geschich­ten einer Fuß­pfle­ge­rin« nachlesen.

Nichts Spek­ta­ku­lä­res – kur­ze Bege­ben­hei­ten und Lebens­ge­schich­ten von zumeist Rent­nern. Ger­lin­de Bon­kat, die nach einem arbeits­rei­chen Leben in bei­den Deutsch­lands noch immer Königs­berg als ihre Hei­mat angibt. Eber­hard Pietsch, der frü­he­re Funk­tio­när, der das Orga­ni­sie­ren und Beleh­ren nicht las­sen kann. Frau Fren­zel, die Hun­de mehr liebt als Män­ner. Und. Und.

Das sind freund­li­che, manch­mal auch wit­zi­ge Beschrei­bun­gen mit gro­ßer Freu­de am Detail. Kaum einer der Kun­den jam­mert, lie­ber genießt man das Ange­neh­me einer Fuß­mas­sa­ge und die Auf­merk­sam­keit der Pfle­ge­rin. Und an der Freu­de an die­sem sym­pa­thi­schen Buch merkt man, dass es der neu­en Lite­ra­tur an etwas fehl­te: Gab es da über­haupt noch »klei­ne Leute«?

Kat­ja Oskamp: »Mar­zahn, mon amour. Geschich­ten einer Fuß­pfle­ge­rin«, Han­ser Ber­lin, 143 Sei­ten, 16 €