Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Poetische Überfahrt

Das deut­sche Stadt­thea­ter ist gewiss dazu da, das plat­te Land mit Thea­ter­kunst zu ver­sor­gen, als Kul­tur-Haus im besten Sin­ne. Gele­gent­lich aber darf es auch ein Schar­nier sein für ver­schie­de­ne Gen­res und Spar­ten. So gibt es am Thea­ter Rudol­stadt neben Tech­nik und Werk­stät­ten sowohl ein pro­fes­sio­nel­les Schau­spiel-ensem­ble als auch ein Sin­fo­nie­or­che­ster. Der seit über zehn Jah­ren in der Klein­stadt mit dem gro­ßen Ein­zugs­be­reich als Inten­dant wir­ken­de Stef­fen Men­sching star­tet des­halb immer wie­der Ver­su­che, die Spar­ten in gemein­sa­men Pro­duk­tio­nen zu ver­ei­nen. Dazu ver­si­chert er sich nicht nur der Mit­ar­beit von aus­häu­si­gen Künst­lern, son­dern vor allem auch der des Chef­di­ri­gen­ten Oli­ver Weder und der sei­nes Chef­dra­ma­tur­gen Micha­el Klie­fert, Co-Autor und Co-Regisseur.

Die Pro­duk­ti­on für das Jahr 2019 hat Was­ser als Hin­ter- und Vor­der­grund für ein Lyrik-Musik-Pro­gramm mit den Strei­chern des Orche­sters und den Musi­kern Kar­la Wen­zel und Tobi­as Vetha­ke. »Die Welt auf der Wel­le« lag zudem auf einem pas­sen­den Pre­mie­ren­ter­min. Genau vor 25 Jah­ren wur­de die Regi­on an der Saa­le von hef­ti­gen Hoch­wäs­sern heim­ge­sucht. Zudem baut man das blau­wei­ße Gro­ße Haus, das nicht so gewal­tig groß ist, seit zwei Jah­ren um – wegen Was­ser­schä­den, die, pas­send, aller­lei För­der­mil­lio­nen in den Thea­ter­haus­halt spülten.

In die­ser Pro­duk­ti­on liegt Rudol­stadt weni­ger am Fluss als am Meer, auf gro­ßer Pro­jek­ti­on zu sehen, hin­ter der die Musi­ker mal zu ahnen sind, mal deut­lich agie­ren. Es tum­meln sich Fische und Boo­te, es schäumt die Gischt und es dreht sich eine Schiffs­schrau­be (Büh­ne: Man­fred Kolb). Fünf Schau­spie­ler spre­chen und sin­gen auf einem gestran­de­ten Con­tai­ner Tex­te von einem guten Dut­zend Dich­tern und Schrift­stel­lern, ob es sich um Kun­erts »Sint­flut« oder Rolf Die­ter Brink­manns »Roll­trep­pen im August« han­delt. Wie Johan­nes Gei­ßer den alt­be­kann­ten Theo­dor-Fon­ta­ne-Hit von der Schwal­be, die übern Erie-See fliegt, inter­pre­tiert, das ist gro­ße Thea­ter­kunst. Lei­der plät­schern ande­re der Tex­te dahin, nicht immer gelin­gen über­zeu­gen­de sze­ni­sche Umset­zun­gen. Hin­ge­gen riss die Musik in der Orche­ster­fas­sung mit elek­tro­ni­scher Unter­stüt­zung den Rezen­sen­ten mit, ob es sich um Bach und Schosta­ko­witsch oder Tre­nets »La mer« und David Bowies »Heroes« han­del­te. Zur Pre­mie­re gab es für die­se Revue eine Wel­le der Sym­pa­thie von den Zuschauern.

Näch­ste Vor­stel­lun­gen: 19. Mai 18 Uhr, 2. Juni 15 Uhr