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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Traumstreiter

Her­mann Kant: Er war schon ein Beson­de­rer: kri­tisch und gewitzt, ehr­gei­zig und detail­ver­zückt. Ein Schrift­stel­ler von Rang und ein Funk­tio­när, der mit dem Amt nicht sei­nen Glau­ben aufgab.

Irm­traud Gutsch­ke hat Erzäh­lun­gen und Essays, die bis­her nur in Zeit­schrif­ten erschie­nen sind, mit sei­ner letz­ten Erzäh­lung »Ein stren­ges Spiel« zusam­men­ge­stellt und mit einem noch unver­öf­fent­lich­ten Inter­view und einem sehr per­sön­li­chen Nach­wort ver­se­hen. Und da ist er wie­der: Der Sprach­ver­lieb­te, der manch­mal so lan­ge an einer Epi­so­de feil­te, bis der Zusam­men­hang ver­lo­ren­ging. Der gro­ße Strei­ter für einen Traum, den »wir« – die weni­gen sei­nes­glei­chen? – von der DDR und einer bes­se­ren Gesell­schaft hat­ten. Und vor allem: Her­mann Kant war ein Kriegs­geg­ner aus bit­te­rer Erfah­rung. Die Kriegs­ge­fan­gen­schaft in Polen, in die der 18-Jäh­ri­ge gera­ten war, hat ihn geprägt, was in sei­nem besten Roman »Der Auf­ent­halt« ein­drucks­voll nach­zu­le­sen ist. In Sachen Krieg ist er uner­bitt­lich, selbst in sei­ner letz­ten Erzäh­lung kommt er noch ein­mal dar­auf zu sprechen.

Es sind in der Haupt­sa­che Kants letz­te Tex­te, und sie ent­hal­ten – wohl unge­wollt – viel Per­sön­li­ches. Von Krank­heit und ihm gemä­ßer Arbeit ist die Rede, und vie­les atmet eine Leich­tig­keit, der man Ver­bit­te­rung nicht glaubt. Dass er sen­si­bel war und das zu ver­stecken ver­such­te, dass es ihm immer um Sprach­kunst ging, ver­ra­ten die Tex­te, deren Ver­öf­fent­li­chung eine gute Tat ist.

Her­mann Kant: The­ra­pie. Erzäh­lun­gen und Essays. Auf­bau Ver­lag, 160 Sei­ten, 22 €.