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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Urlaubsbeobachtungen

Mit Beginn des Som­mers konn­ten coro­nabe­ding­te Beschrän­kun­gen teil­wei­se gelockert wer­den. Die Urlaubs­sai­son begann auch in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Gast­stät­ten­be­su­che waren unter Ein­hal­tung stren­ger Hygie­ne­re­geln wie­der mög­lich. Beim Betre­ten eines Restau­rants hat­ten wir uns mit einer Mas­ke ver­klei­det und die Hän­de des­in­fi­ziert, wor­auf­hin uns eine Mas­kier­te an einen Tisch führ­te, den sie in unse­rer Gegen­wart abwisch­te, um ihn zu des­in­fi­zie­ren. An einem uri­gen Bal­ken war ein wei­ßes Blatt befe­stigt, von dem uns ein Smi­ley mit star­ren Augen und Mund-Nasen-Mas­ke anglotz­te. Dem war fol­gen­der Text zuge­ord­net: »Ter­as­se [sic!] und WC« in schwar­zer Schrift und in roter: »Nicht am Tisch!!!« Die Farb­zu­ord­nung schien uns etwas will­kür­lich, den­noch fan­den wir den Hin­weis ent­ge­gen­kom­men­der als den näch­sten: »Tische mit max. 6 Per­so­nen bele­gen!!!« Dan­kens­wer­ter­wei­se wur­den wir dann doch sit­zend ver­sorgt. Betrübt muss­ten wir an ande­rem Ort lesen: »Die­ser Bahn­hof hat kei­ne [signal­rot mar­kiert] Toi­let­te [zwölf Aus­ru­fe­zei­chen]«. Dar­un­ter fand sich der unmiss­ver­ständ­li­che Hin­weis: »Wir sind ein Buch- und Kunst­ver­kauf ohne [signal­rot mar­kiert] Toi­let­te«. Offen­bar han­del­te es sich um den Auf­schrei von Buch- und Kunst­ver­kau­fen­den, obwohl sich ein neu­es Geschäfts­feld durch­aus anbot. Vor Freu­de jauch­zend sahen wir einen Tafel­auf­stel­ler: »Jetzt NEU! Ori­gi­na­le DDR Him­beer-Kirsch Fass­brau­se«, gra­fisch gestal­tet mit ver­schie­den­far­bi­gen Krei­den, lachen­der Son­ne, flie­gen­den Möwen sowie einem sti­li­sier­ten Glas mit Trink­halm und per­len­den roten Punk­ten. Min­de­stens drei­ßig Jah­re alte ori­gi­na­le Fass­brau­se ver­sag­ten wir uns ohne Bedau­ern. Der näch­ste Tafel­auf­stel­ler »Ange­bot – fri­scher Erd­beer­eis­be­cher 5,50« klang ver­lockend, aber wir blie­ben kri­tisch. An einem Zaun hing eine ein­ge­rahm­te Tafel mit lachen­der Son­ne links, dem Schrift­zug »Restau­rant«, lachen­der Son­ne rechts, dar­un­ter: »Ahl­becker Flair klei­ne fri­sche Küche [mit Wel­len­li­nie unter­stri­chen]«. Ein Pfeil wies den Weg um eine Ecke. Wir hat­ten einen Tisch in einem Fisch­re­stau­rant reser­viert und hoff­ten nicht bewor­be­nen fri­schen Fisch ser­viert zu bekom­men. Ent­täuscht wur­den wir nicht. Wie­der in hei­mi­schen Gefil­den lasen wir am Ein­gang zum Super­markt: »Lie­be Kun­den und Kun­din­nen, Zwecks der Situa­ti­on Bit­ten [sic!] wir Sie pro Kun­de [dop­pelt unter­stri­chen] einen Ein­kaufs­wa­gen für Ihren Ein­kauf zu nut­zen. Vie­len Dank für Ihr Ver­ständ­nis. Ihr […] Team«. Was bedeu­tet das jetzt für Frauen?

Im Bar­nim Pan­ora­ma in Wand­litz begrüß­te uns die Auf­for­de­rung »Bit­te nur auf­wärts gehen um Begeg­nungs­ver­kehr zu ver­mei­den [sic!]«. Der Ver­ab­schie­dungs­text aller­dings stimm­te uns nach­denk­lich: »Bit­te nicht auf­wärts gehen«.

Erstaun­lich, was alles auf wel­che Art mit­ge­teilt wer­den kann.