Skip to content
Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

Menu
Ossietzky-Signet
Menu

Weizenpreise

Bei der Fra­ge, ob die gegen­wär­ti­gen infla­tio­nä­ren Ten­den­zen bald abflau­en oder sich fest­set­zen wer­den, gibt es – vor allem mit Blick auf lau­fen­de Lohn­ver­hand­lun­gen – den Ver­weis dar­auf, die Preis­stei­ge­run­gen wür­den ja doch über­wie­gend ent­we­der Ener­gie­ko­sten betref­fen oder aber auf Lie­fer­ket­ten­pro­ble­men etwa bei Halb­lei­tern zurück­zu­füh­ren sein, die sich im Lau­fe der Zeit ent­span­nen wür­den. Einer der zen­tral­sten Prei­se über­haupt aber lässt sich nicht in die­ses Sche­ma der Infla­ti­ons­leug­ner pressen.

Wei­zen wur­de an der euro­päi­schen Leit­bör­se für land­wirt­schaft­li­che Pro­duk­te, der MATIF in Frank­reich, seit Herbst 2013 bis Mit­te 2020 für um die 200 Euro pro Ton­ne gehan­delt. Seit­dem geht es mit den übli­chen Schwan­kun­gen bestän­dig auf­wärts. In der zwei­ten Novem­ber­wo­che notier­te der Wei­zen­preis erst­mals über 300 Euro. Für die Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Zei­tung schätz­te am 19. Novem­ber Wie­land Staud in einer »tech­ni­schen Ana­ly­se« ein, dass dies noch nicht der End­punkt sein wer­de, son­dern Stei­ge­run­gen um wei­te­re 8 bis 10 Pro­zent zu erwar­ten sei­en. Er gab die düste­re Pro­gno­se ab: »Es ist nicht selbst­ver­ständ­lich, dass Nah­rungs­mit­tel im Über­fluss zur Ver­fü­gung ste­hen – schon gar nicht zu den heu­ti­gen Prei­sen in Europa.«

Die­ser Teil der Preis­stei­ge­run­gen hat zwar auch mit Ener­gie­prei­sen zu tun. Aber er ist erstens Ergeb­nis einer schon län­ge­ren Ent­wick­lung. Zwei­tens spie­gelt er den Rück­gang der land­wirt­schaft­lich nutz­ba­ren Flä­chen bei wei­ter stei­gen­der Zahl der Erd­be­völ­ke­rung und nahe­zu sta­gnie­ren­der Pro­duk­ti­vi­täts­ent­wick­lung in der Land­wirt­schaft wider. Und drit­tens ist bei den Lebens­mit­tel­kon­zer­nen Ver­lass dar­auf, dass sie den Preis­trend frü­her oder spä­ter mit Auf­schlä­gen für die eige­nen Pro­fi­te an all die­je­ni­gen wei­ter­ge­ben wer­den, für die Brot, Nudeln und ande­re Wei­zen­pro­duk­te die Haupt­nah­rungs­mit­tel sind.

Am Wei­zen­preis hängt poli­tisch viel. An sei­ner Ent­wick­lung wer­den zunächst ver­mut­lich die Ver­su­che schei­tern, die sich eta­blie­ren­de Infla­ti­on weg zu prognostizieren.