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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Zuschrift an die Lokalpresse

Heu­re­ka und Hal­le­lu­jah! Ein seit Jahr­hun­der­ten immer wie­der dis­ku­tier­tes Grund­satz­pro­blem schiebt sich end­lich wie­der stär­ker in den Mit­tel­punkt der Medi­en­dis­kus­si­on. Nach­dem die welt­wei­ten Kli­ma­ka­ta­stro­phen, die wech­sel­sei­ti­gen Schuld­zu­wei­sun­gen der Poli­ti­ker über die Zuspit­zung der inter­na­tio­na­len Lage und Belei­di­gun­gen von Pro­mi­nen­ten unter der Gür­tel­li­nie in eine kur­ze Ver­schnauf­pau­se ein­ge­tre­ten sind, lau­tet die Fra­ge »Dür­fen Frau­en oben ohne?« Der Ber­li­ner Senat bekann­te sich mutig zu »all­ge­mei­nen Gepflo­gen­hei­ten hin­sicht­lich der Bade­be­klei­dung, wonach ein Mann in öffent­li­chen Bädern eine Bade­ho­se trägt und eine Frau einen Bade­an­zug oder Biki­ni, die die weib­li­che Brust bedecken« (Ber­li­ner Kurier vom 28.7.19). Das Pro­blem wur­de durch eine Beschwer­de einer Oben-ohne-Bade­rin im Strand­bad Plöt­zen­see aus­ge­löst, über die sich Beam­te und Sicher­heits­be­auf­trag­te vor Ort die Haa­re und ande­re Nackt­zo­nen rauf­ten. Der Ber­li­ner Kurier schal­te­te sich schein­hei­lig in die Debat­te ein, indem er ein ganz­sei­ti­ges Titel­fo­to ver­öf­fent­lich­te, das für die Schön­heit sich räkeln­der weib­li­cher Kör­per und die Bade­an­stalt Plöt­zen­see im Beson­de­ren wirbt und sicher­lich auch die Absatz­zah­len des Tage­blat­tes erhöh­te. Die Aus­ga­be vom 29. Juli pro­fi­tier­te dann durch ein wei­te­res Titel­fo­to zur auf­ge­heiz­ten Debat­te. Dum­mer­wei­se fie­len die auf­ge­brach­ten Dis­kus­sio­nen zeit­gleich mit dem wie­der­be­leb­ten Chri­sto­pher Street Day und der Dis­kus­si­on um koben­ar­ti­ge Bau­haus­stil-Ein­rich­tun­gen um den Stra­ßen­strich in der Kur­für­sten­stra­ße sowie den Ein­satz von »Love­mo­bils« mit Preiseti­ket­ten am Washing­ton­platz vor dem Haupt­bahn­hof zusam­men. Da unse­re öffent­li­chen Dienst­stel­len nie ver­le­gen sind, zur Klä­rung außer­or­dent­li­cher Ange­le­gen­hei­ten exter­ne Bera­ter ein­zu­set­zen, schla­ge ich vor, nichts dem Volks­emp­fin­den oder der Spe­ku­la­ti­on zu über­las­sen und nicht an der fal­schen Stel­le zu spa­ren. Fol­gen­de Fra­gen soll­ten von Exper­ten geklärt wer­den: Erstens: Sind Betrei­ber von Bade­an­stal­ten berech­tigt, die Beklei­dung der Besu­cher zu kon­trol­lie­ren? Zwei­tens: Soll­ten die für Bade­an­stal­ten übli­chen Rege­lun­gen auch auf pri­va­te Wan­nen über­tra­gen wer­den? Drit­tens: Darf sich ein Woh­nungs­in­ha­ber einer genos­sen­schaft­li­chen Woh­nung in sei­nen vier Wän­den im Adams­ko­stüm bewe­gen? Vier­tens: Was ist auf dem eige­nen Bal­kon oder im eige­nen Gar­ten gestat­tet? Fünf­tens: Genie­ßen Inha­ber des Senio­ren­tickets »65 plus« beson­de­re nudi­sti­sche Vor­zü­ge im öffent­li­chen Nah­ver­kehr? Über wei­te­re Vor­schlä­ge wür­de ich mich sehr freu­en. – Harald-Hel­muth Pie­sicke (78), FKK-Vete­ran, 06556 Mönchpfiffel-Nikolausrieth