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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Fakten und Fantasie

Robert Cohen, gebo­ren 1941 in Zürich, ist Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler und Schrift­stel­ler, der lan­ge Zeit an der New-Yor­ker Uni­ver­si­tät lehr­te, unter ande­rem deut­sche Exil­li­te­ra­tur. Dabei ging es ihm nicht nur um die genau­en Fak­ten, ihm lag beson­ders das tie­fe Ver­ständ­nis für sei­ne Prot­ago­ni­sten am Her­zen. Das neue Buch ist ein her­vor­ra­gen­der Beweis dafür.

Aus einem Foto von Anna Seg­hers in einem tro­pi­schen Gar­ten anläss­lich ihres Besuchs 1963 bei Jor­ge Ama­do in Bra­si­li­en erfin­det er eine sich erin­nern­de und nach­den­ken­de Anna Seg­hers. Sie erin­nert sich der Kind­heit am Rhein, der Emi-gra­ti­on in Mexi­ko, denkt an die Kin­der, Freun­de, an ihre Ehe mit Rodi und fühlt sich in die­ser exo­ti­schen Welt in Ama­dos Gar­ten wie ver­zau­bert – von den Tie­ren, Pflan­zen und dem Licht. Mär­chen­haft und fan­ta­stisch erschei­nen die Ereig­nis­se ihres Lebens, und der Autor nutzt die erfun­de­ne Atmo­sphä­re, um Anna Seg­hers in den vie­len Facet­ten ihres Lebens auf­zu­spü­ren. So debat­tiert sie wie in ihrer Erzäh­lung »Rei­se­be­geg­nung« mit Franz Kaf­ka über Lite­ra­tur und ver­gleicht ihr Leben in der bun­ten Aus­nah­me­si­tua­ti­on in Bra­si­li­en mit dem graue­ren Dasein in der DDR, für das sie sich letzt­end­lich doch ent­schei­det. Hier hat sie Auf­ga­ben, denen sie sich ein Leben lang gewid­met hat.

Cohen ist ein exzel­len­ter Ken­ner der Fak­ten von Anna Seg­hers’ Bio­gra­fie, aber eben­so beein­druckend ist es, wie er lite­ra­ri­sche Mit­tel ein­setzt, um Anna Seg­hers ver­ständ­lich und leben­dig zu machen.

Robert Cohen: Anna Seg­hers im Gar­ten von Jor­ge Ama­do. Erzäh­lung, Faber & Faber, 103 S., 20 €.