Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Anne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er, auf dem Kriegs­pfad. – Sie haben vor­ge­schla­gen, eine inter­na­tio­nal kon­trol­lier­te Schutz­zo­ne in Nord­sy­ri­en ein­zu­rich­ten, unter Mit­wir­kung auch der Bun­des­wehr. In Ihrer ersten Wort­mel­dung schränk­ten Sie ein, das müs­se »mit den USA und mit der Tür­kei natür­lich abge­spro­chen« sein. Die Kanz­le­rin habe aber Ihren Vor­stoß begrüßt, und den Außen­mi­ni­ster Maas hät­ten Sie infor­miert. Per SMS, wie inzwi­schen bekannt. Sie haben bloß ein paar Klei­nig­kei­ten ver­ges­sen: Ohne Ein­la­dung der Syrer oder ein – in die­sem Fall aus­ge­schlos­se­nes – Man­dat des UN-Sicher­heits­rats ist ihr Plan völ­ker­rechts­wid­rig. Und ohne Syri­en und Russ­land eine Rech­nung ohne den Wirt. ARD und ZDF machen viel Auf­he­bens um Ihren »Vor­stoß«. Fra­gen Sie mal Ihre Gene­rä­le. Die haben einen Fach­be­griff für Ihren Plan: »Rohr­kre­pie­rer«. Es bleibt nur noch zu klä­ren, ob der Begriff auch auf Sie als Mini­ste­rin und Kanz­ler­kan­di­da­tin anzu­wen­den wäre.

Infor­ma­ti­ons­ge­mein­schaft IVW, Auf­la­gen­for­scher. – In Ihrer jüng­sten »Fest­stel­lung der Ver­brei­tung von Wer­be­trä­gern« beschei­ni­gen Sie eini­gen über­re­gio­na­len Tages-, Sonn­tags- und Wochen­zei­tun­gen erneut dra­ma­ti­sche Auf­la­gen­ver­lu­ste. Im drit­ten Quar­tal die­ses Jah­res hät­ten Bild, Welt und neu­es deutsch­land sowie Bildam Sonn­tag und Frank­fur­ter All­ge­mei­ne Sonn­tags­zei­tung ein wei­te­res Mal deut­lich ver­lo­ren: Die »popu­lär­ste deut­sche Tages­zei­tung«, Bild, habe ein Minus von 9,9 Pro­zent ihrer Abos und Ein­zel­ver­käu­fe zu ver­bu­chen. Mit 1,28 Mil­lio­nen Ver­käu­fen lie­ge sie aller­dings immer noch bei gut 1 Mil­li­on Exem­pla­ren, weit vor der mit 275.000 Abos und Ein­zel­ver­käu­fen zweit­platz­ier­ten Süd­deut­schen Zei­tung. Die SZ habe nur 1,6 Pro­zent ein­ge­büßt. Die Bild-Ent­wick­lung ist aus hygie­ni­schen Grün­den und als klei­ner Bei­trag gegen die Kli­ma­ka­ta­stro­phe zu begrü­ßen, fürs bedruck­te Papier muss­ten weni­ger Bäu­me sterben.

Johan­ne Mod­der, Vor­sit­zen­de der nie­der­säch­si­schen SPD-Land­tags­frak­ti­on. – Sie haben zum Hun­dert­jäh­ri­gen des Wies­moo­rer Orts­ver­eins via Lokal­pres­se zur selbst­be­wuss­ten Erin­ne­rung auf­ge­ru­fen, näm­lich »an gro­ße SPD-Poli­ti­ker wie August Bebel, Karl Lieb­knecht, Wil­ly Brandt und Hel­mut Schmidt«! Kri­tisch, aber fol­gen­los hat­te dies dar­auf­hin der Hei­mat-Blog exit-esens.de auf­ge­grif­fen. Aber viel­leicht gibt’s ja in Ihrer Land­tags­frak­ti­on eine Histo­ri­ker­kom­mis­si­on, die noch mal prü­fen könn­te, wie die SPD Karl Lieb­knecht einst mit­ge­spielt hat! Das Gre­mi­um könn­te auch her­aus­fin­den, ob Karls Vater, Wil­helm Lieb­knecht, gemeint gewe­sen sein könn­te und ob die Genos­sen inzwi­schen man­ches, zum Bei­spiel Täter und Opfer, ein­fach durcheinanderwerfen.

Bernd Pos­selt (CSU), Vor­sit­zen­der der Sude­ten­deut­schen Lands­mann­schaft. – Die Debat­te über die Aggres­si­on des tür­ki­schen Prä­si­den­ten Erdoğan gegen das Nach­bar­land Syri­en nut­zen Sie für einen aggres­si­ven Vor­stoß in eige­ner Sache. Den Vor­wurf, Erdoğan pla­ne »einen Eth­no­zid gegen­über den syri­schen Kur­den, deren Gebiet er mit zwei Mil­lio­nen Ara­bern besie­deln und so die dort leben­de Volks­grup­pe zwangs­as­si­mi­lie­ren möch­te«, ver­bin­den Sie in Ihrer Pres­se­mit­tei­lung vom 16. Okto­ber mit der Behaup­tung, von »sol­chen gegen­über allen Betei­lig­ten men­schen­feind­li­chen Ver­su­chen« könn­ten »vie­le Min­der­hei­ten auf der Welt ein trau­ri­ges Lied sin­gen, nicht zuletzt die hei­mat­ver­trie­be­nen deut­schen Volks­grup­pen aus dem Osten und ihre hei­mat­ver­blie­be­nen Lands­leu­te«. Nicht zum ersten Mal schmei­ßen Sie alles in einen Topf und rüh­ren das Gan­ze gut um. Sie set­zen den Aggres­sor Erdoğan gleich mit Poli­ti­kern wie Edvard Ben­esch, Prä­si­dent der dama­li­gen Tsche­cho­slo­wa­kei, der am Ende des Zwei­ten Welt­krie­ges im Ein­klang mit dem Pots­da­mer Abkom­men die Par­tei­gän­ger des deut­schen Besat­zungs­re­gimes aus der soeben befrei­ten Tsche­cho­slo­wa­kei aus­ge­wie­sen hat. Zwei Situa­tio­nen, die in kei­ner Wei­se ver­gleich­bar sind. Aber den Zusam­men­hang zwi­schen Welt­krieg II und der »Ver­trei­bung« der deut­schen Min­der­hei­ten aus den von Deutsch­land besetz­ten Län­dern haben Sie ja schon immer geleugnet.

Joa­chim Herr­mann, baye­ri­scher Innen­mi­ni­ster. – Die neun Men­schen – sie­ben Münch­ner mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund, zwei jun­ge Sin­ti –, die am 22. Juli 2016 vor dem Ein­gang zum Olym­pia-Ein­kaufs­zen­trum in Mün­chen von dem Rechts­ex­tre­mi­sten David Son­bo­ly erschos­sen wur­den, fie­len einem Akt »poli­tisch moti­vier­ter Gewalt­kri­mi­na­li­tät, rechts« zum Opfer. Um zu die­ser Erkennt­nis zu gelan­gen, brauch­ten Sie und Ihr Mini­ste­ri­um drei Jah­re, drei Mona­te und drei Tage. Und eine gan­ze Men­ge Nach­hil­fe­stun­den – obwohl von Anfang an kein Zwei­fel an der rech­ten Gesin­nung des Täters bestand. Nach Okto­ber­fe­stat­ten­tat und zwei NSU-Mor­den wie­der ein rech­ter Ter­ror­an­schlag in Mün­chen? Da hiel­ten Sie lie­ber an der The­se fest, Son­bo­ly habe sich mit einem Amok­lauf vor allem für erlit­te­ne Krän­kun­gen wäh­rend sei­ner Schul­zeit rächen wol­len. Wir sind gespannt, wie lan­ge es jetzt dau­ern wird, bis das Wort »Amok­lauf« aus der Inschrift der Gedenk­in­stal­la­ti­on am Ort des Anschlags verschwindet.