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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Ausspioniert

Mut­maß­lich wur­de Roger Tor­rent, Mit­glied der Par­tei Esquer­ra Repu­bli­ca­na de Catalunya (ERC) und kata­la­ni­scher Par­la­ments­prä­si­dent, syste­ma­tisch aus­spio­niert. Die Spit­zel sol­len dafür Whats­App und die Spy­wa­re »Pega­sus« des israe­li­schen Tech­no­lo­gie­un­ter­neh­mens NSO Group genutzt haben. Im letz­ten Jahr behaup­te­te Whats­App, dass NSO einen Spy­wa­re-Injek­ti­ons­vor­gang, der auf sei­ne Auf­ruf­funk­ti­on abzielt, ent­wickelt habe. Der 40-jäh­ri­ge Poli­ti­ker war gewarnt wor­den, dass sein Mobil­te­le­fon aus­spio­niert wird. Tor­rent gehört zu den Poli­ti­kern, die Kata­lo­ni­en von Spa­ni­en tren­nen wol­len. »Die Berich­te sind ein Beweis, dass in Spa­ni­en der Staat Spio­na­ge gegen die poli­ti­schen Geg­ner betreibt«, so Tor­rent in sei­ner ersten Stel­lung­nah­me. Das sei mit einer Demo­kra­tie unver­ein­bar, so der Poli­ti­ker abschlie­ßend in der Inter­net­zei­tung el.Diario.es.

Nach Infor­ma­tio­nen der spa­ni­schen Tages­zei­tung El País und des bri­ti­schen The Guar­di­an steht Tor­rents Han­dy auf einer Liste von 100 Namen, bei denen die Spio­na­gesoft­ware »Pega­sus« zum Ein­satz kom­me. Man ver­mu­tet, dass der spa­ni­sche Geheim­dienst Cen­tro Nacio­nal de Inte­li­gen­cia (CNI) dahin­ter­steht, der aber demen­tier­te sofort. Zwei wei­te­re Unab­hän­gig­keits­be­für­wor­ter, dar­un­ter Ernest Mara­gall (ERC), sol­len eben­falls betrof­fen sein.

Das IT-Unter­neh­men NSO Group steht wegen sei­ner Spy­wa­re schon län­ger in der Kri­tik. Nach den Bedin­gun­gen des Her­stel­lers darf die Soft­ware nur an Staa­ten und Behör­den zum Kampf gegen Ter­ro­ri­sten abge­ge­ben wer­den, nie zum ille­ga­len Ein­satz. Die Regie­rung Petro Sán­chez bestrei­tet jede Betei­li­gung oder Kennt­nis eines Aus­spio­nie­rens von Tor­rent oder ande­ren kata­la­ni­schen Poli­ti­kern. Die spa­ni­sche Justiz­mi­ni­ste­rin Dolo­res Del­ga­do will sich der Sache anneh­men und hat Auf­klä­rung versprochen.