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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Belastender Skandal

End­lich Klar­heit: Der eme­ri­tier­te spa­ni­sche König Juan Car­los I. ist in Abu Dha­bi. Die katho­lisch-mon­ar­chi­sti­sche Tages­zei­tung ABC brach­te die Nach­richt mit Foto, dann auch TVE1.

Mini­ster­prä­si­dent Pedro Sán­chez (Parti­do Socia­li­sta Obre­ro Espa­ñol) ist der­zeit der wich­tig­ste Ver­bün­de­te von König Feli­pe VI. Sán­chez nahm nach dem Abgang des Ex-Königs ins Exil die Mon­ar­chie öffent­lich in Schutz. Spa­ni­en brau­che in die­sen schwe­ren Zei­ten robu­ste Insti­tu­tio­nen, teil­te er in einem Brief den Mit­glie­dern sei­ner Par­tei mit. »Mit der Ver­ab­schie­dung der spa­ni­schen Ver­fas­sung 1978 und der Ein­füh­rung der kon­sti­tu­tio­nel­len Mon­ar­chie« sei in Spa­ni­en »eine der zwan­zig besten Demo­kra­tien der Welt« ent­stan­den, schrieb Sán­chez wei­ter. In sei­ner Regie­rungs­er­klä­rung vor der Som­mer­pau­se sag­te er, es müs­se ver­hin­dert wer­den, dass Juan Car­los’ Fehl­trit­te des­sen Sohn Feli­pe und die Insti­tu­ti­on Mon­ar­chie in Mit­lei­den­schaft ziehen.

Die Ein­füh­rung der Mon­ar­chie berei­te­te aller­dings bereits 1947 Fran­cis­co Fran­co zur Siche­rung sei­ner Dik­ta­tur vor.

Vize­mi­ni­ster­prä­si­dent Pablo Igle­si­as übte Kri­tik dar­an, dass Juan Car­los ein­fach unter­ge­taucht ist, er hält das Ver­hal­ten für mehr als beschä­mend. Nach fast vier­zig­jäh­ri­ger Amts­zeit als Staats­chef sei Juan Car­los ver­pflich­tet, Ver­ant­wor­tung für sei­ne Taten zu über­neh­men. Auch sei es kein guter Stil, dass sich Feli­pe VI. und Sán­chez auf das Exil einig­ten, ohne dass er und ande­re Regie­rungs­mit­glie­der in die Bera­tun­gen ein­be­zo­gen wor­den seien.

Im kata­la­ni­schen Par­la­ment gab es eine Son­der­sit­zung zur Kri­se der spa­ni­schen Mon­ar­chie. Quim Tor­ra, Prä­si­dent der Gene­ra­li­tat de Catalunya, rief Feli­pe VI. zum Thron­ver­zicht auf und bezeich­ne­te die spa­ni­sche Mon­ar­chie als ein von Fran­co auf­ge­zwun­ge­nes »Bour­bo­nen-Regime«.

Ange­sichts der Skan­da­le der Königs­fa­mi­lie haben vie­le Spa­ni­er das Ver­trau­en in die Mon­ar­chie ver­lo­ren. Das zei­gen die anti­mon­ar­chi­sti­schen Demon­stra­tio­nen im Bas­ken­land und in Kata­lo­ni­en. Das spa­ni­sche Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tut Cen­tro de Inve­sti­ga­cio­nes Socioló­gi­cas hat­te 2015 das letz­te Mal nach der Beliebt­heit des Königs­hau­ses gefragt – damals wur­den von mög­li­chen zehn Punk­ten nur 4,3 Punk­te erzielt. Eini­ge Städ­te, dar­un­ter Cádiz und Sara­go­za über­le­gen, ob Stra­ßen, Parks oder Uni­ver­si­tä­ten, die nach Juan Car­los benannt sind, einen neu­en Namen erhal­ten sollen.

Ian Gib­son, ein iri­scher Autor und His­pa­nist, schreibt am 11. August in der Inter­net­zei­tung elDiario.es: »Es ist bedau­er­lich, dass Juan Car­los das Fran­co-Regime nie hin­ter­fragt hat.« Er for­dert: »Nach der Pan­de­mie muss die Debat­te Mon­ar­chie oder Repu­blik geführt werden.«