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Herausgegeben von Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner,
Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Das Völkerrecht und Killing Joe

Mit stoi­scher Mie­ne ver­kün­de­te Biden höchst­selbst und coro­na­in­fi­ziert am 1. August 2022 (Orts­zeit) in Washing­ton, der aus Ägyp­ten stam­men­de al-Qai­da-Füh­rer Aiman al-Sawa­hi­ri sei bei einem Prä­zi­si­ons­schlag in der afgha­ni­schen Haupt­stadt Kabul ums Leben gekom­men. »Jetzt wur­de der Gerech­tig­keit Genü­ge getan. Und die­sen Ter­ro­ri­sten­füh­rer gibt es nicht mehr«, dekla­mier­te er. Die Akti­on wur­de als Zei­chen für die Ent­schlos­sen­heit und die Fähig­kei­ten der Ame­ri­ka­ner im Kampf gegen den Ter­ror geschönt. Eine US-Regie­rungs­ver­tre­te­rin erklär­te, al-Sawa­hi­ri sei am frü­hen Sonn­tag­mor­gen (des 31. Juli) auf dem Bal­kon eines Hau­ses in Kabul durch zwei von einer Droh­ne abge­feu­er­te Hell­fire-Rake­ten getö­tet wor­den. Der Ein­satz sei vom CIA gelei­tet worden.

Wie­der hat ein Kil­ler-Prä­si­dent made in USA das Völ­ker­recht miss­ach­tet und gebro­chen. Was gilt die Sou­ve­rä­ni­tät eines ande­ren Staa­tes? United Sta­tes first! Ließ Oba­ma am 2. Mai 2011 die Auf­trags­mör­der der Navy-Seals per Hub­schrau­ber nach Paki­stan ein­flie­gen, so bedien­te sich der jet­zi­ge Herr im Wei­ßen Haus einer moder­nen Droh­ne. Ver­mut­lich wur­den, wie in ande­ren Fäl­len, die Ziel­da­ten über Glas­fa­ser­ka­bel von den USA aus zur Air Base Ram­stein über­mit­telt und von dort von einer Satel­li­ten-Relais­sta­ti­on an den Rake­ten­trä­ger gefunkt. Somit ist die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land mit­wis­send und dul­dend am Mor­den per Droh­ne betei­ligt. Wie sei­ner­zeit im Jemen.

In der Urteils­be­grün­dung eines Ver­fah­rens jeme­ni­ti­scher Klä­ger vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt und der Pres­se­mit­tei­lung Nr. 68/​2020 vom 25.11.2020 wur­de die Air Base Ram­stein ein­deu­tig als Mili­tär­flug­platz in Rhein­land-Pfalz defi­niert. Den Leip­zi­ger Rich­tern reich­ten lei­der allein diplo­ma­ti­sche Bemü­hun­gen Deutsch­lands aus, um Zwei­fel an der Völ­ker­rechts­mä­ßig­keit des US-Droh­nen­krie­ges und die Invol­vie­rung der US-Mili­tär­ba­sis Ram­stein zu adres­sie­ren. Die­ser justi­tia­ble Segen wur­de öffent­lich zwar hef­tig kri­ti­siert, erweist sich aber als dau­er­haft legi­ti­mie­ren­der Frei­brief für (Atom)waffen- und kriegs­gei­le Ber­li­ner Regie­run­gen. Sie müs­sen über bis­her übli­che diplo­ma­ti­sche und poli­ti­sche Kon­sul­ta­tio­nen sowie die Ein­ho­lung recht­li­cher Zusi­che­run­gen hin­aus »kei­ne wei­te­ren Maß­nah­men ergrei­fen, dass Angrif­fe im Ein­klang mit dem Völ­ker­recht stehen«.

Daher kein Mucks zu Kil­ling Joe von der ober­sten Ber­li­ner AA-Grals­hü­te­rin von Frei­heit, Recht und Demo­kra­tie. Lon­don, Paris & Co. übten sich EU- und Nato-gedrillt eben­so folg­sam in ver­bün­de­tem Schwei­gen. Auch Selen­skyj in Kiew fehl­ten die pas­sen­den Wor­te. Eine Son­der­sit­zung des UN-Sicher­heits­ra­tes wur­de bis dato nicht beantragt.

Zei­ten ändern sich. Prä­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka kom­men und gehen. Ein Welts­he­riff und ein Bruch des Völ­ker­rechts wie der UN-Char­ta folgt dem ande­ren. Sol­chen Hel­den der west­li­chen Wer­te­ge­mein­schaft geht eben der eige­ne Staats­ter­ro­ris­mus kraft Amtes über alles.