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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Die Jahreszeiten

Der hoff­nungs­vol­le Lenz
1.
Man ist des Win­ters überdrüssig,
doch Wär­me steigt nur aus dem Schlot.
Der Stra­ßen­dreck wird wie­der flüssig
und bin­det sich mit Hundekot.
2.
Frau trägt in grau­en Frühlingstagen
noch immer Pelz zum Parapluie.
Wer wird schon oben ohne wagen,
höhlt ste­ter Trop­fen noch das Knie.
3.
Das Kli­ma wird zum Klimakterium,
die Trüb­sal wird zum Elixier.
Da hilft kein Beten und kein Serum,
da hilft nur ange­wärm­tes Bier.
4.
Die Son­ne blin­zelt durch die Wolken,
der Wind streicht lau­nisch durchs Gebüsch.
Ein Ren­dez­vous bleibt ohne Folgen,
die Kru­me ist dafür zu frisch.
5.
Der Früh­ling steht und wird stets bleiben
im Wahl­kon­zept der Volkspartein.
Sie wer­den sich an vie­lem reiben,
doch alle für den Früh­ling sein.

Der glut­vol­le Sommer
1.
Die Son­ne knallt auf Zopf und Platte,
das Ther­mo­me­ter sprengt den Rand.
Ein Pär­chen stöhnt nachts auf der Matte
und bringt sich schier um den Verstand.
2.
Der Spar­gel drängt aus sei­ner Furche,
die Mei­se trennt sich von der Brut,
die Stör­che schnä­beln Frosch und Lurche,
die Haus­be­set­zer üben Wut.
3.
Ein Hagel stürzt sich ins Getreide,
ein Flie­ger schwin­det vom Radar.
Acht Unter­neh­mer geh›n in Pleite -
ein Som­mer wie in jedem Jahr.
4.
Das Par­la­ment erhöht Diäten,
der BER erzürnt Berlin.
Radies­chen kann man flei­ßig jäten,
außen rot und innen grün.
5.
Wer ein­bricht, braucht sich nicht zu sorgen,
den Bul­len fehl­ts an Personal.
Wer Geld stiehlt, braucht es nicht zu borgen,
die Klä­rungs­quo­te ist fatal.

Der lau­ni­sche Herbst
1.
Der Herbst fährt ein mit dem September,
reif sind die Äpfel, grün der Lauch.
Wer will, hat da ein Kriegsremember,
doch Krie­ge gibt es heu­te auch.
2.
Es reg­net Pflau­men von den Bäumen,
drum trägt man Blau­helm im Geäst.
so man­cher will von Frei­heit träumen -
die Impf­pflicht ist ein schlech­ter Test.
3.
Der Ein­heits­tag bewegt die Geister,
die Fei­er wird zum Tribunal.
An etwas natio­na­lem Kleister
begei­stern wir uns allemal.
4.
In Mün­chen kotzt man auf die Wies›n,
das bleibt ein alter deut­scher Brauch.
Kann man den Hirn­stamm nicht mehr leasen,
quillt halt der Inhalt aus dem Bauch.
5.
Der Wind ver­wir­belt bun­te Blätter,
die Poli­tik lügt Stim­men ein.
Ver­drieß­lich ändert sich das Wetter,
deutsch bleibt die Lore­ley am Rhein.

Der trüb­se­li­ge Winter
1.
Dann folgt der Win­ter kalendarisch,
er krönt den Jah­res­lauf final.
Mal kommt er zögernd, mal barbarisch,
doch oft wird die Bilanz fatal.
2.
Par­tei­en loben ihre Taten,
sie haben mehr als sonst erreicht.
Dage­gen sind die Korrelaten
der Kon­kur­renz ver­schönt geeicht.
3.
Die Pil­ze schmel­zen in den Wäldern,
der letz­te Apfel fault am Stamm.
Die Kin­der quä­len ihre Eltern,
die Eltern loben nur das Lamm.
4.
Der Weih­nachts­mann betritt die Szene,
der Niko­laus stapft durch den Tann.
Doch gegen Mieterhöhungspläne
kommt nicht mal Jesus Chri­stus an.
5.
Wie reiz­voll, wenn man an Silvester
auf dem Bal­kon Geknall genießt
und mit benach­bar­tem Semester
im Pul­ver­dampf den Frie­den grüßt!

Fazit
Lasst uns Coro­na überwinden
und boo­stern gegen Pandemie,
in Gera, Rostock oder Minden,
und nicht ver­za­gen – C’est la vie!