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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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KRIEG

Seit Wochen steht das Wort KRIEG in Euro­pa wie­der über Tage und Näch­te. Ein KRIEG, der von denen, die ihn vom Zaun gebro­chen haben, nicht KRIEG genannt wird. Also lässt sich mit Karl Kraus, wie schon 1915 auch heu­te sagen: Nichts hat sich geän­dert, höch­stens, dass man es nicht sagen darf.

Ergo: Der Krieg wird nicht mehr erklärt, son­dern fort­ge­setzt (Inge­borg Bachmann).

Es sind Wor­te von Abra­ham a San­ta Cla­ra (1644-1709) seit Jahr­hun­der­ten aktu­ell: Ein Krieg ist dem Elend ver­wandt, der Not befreun­det, der Trüb­sal ver­bun­den und mit allen Übeln alliiert.

Zudem die drän­gen­de Fra­ge Arthur Schnitz­lers: Wodurch wer­den Krie­ge mög­lich? Sei­ne Ant­wort gilt wohl in Tei­len noch immer: Erstens durch die Schur­ke­rei der Mäch­ti­gen. – Zwei­tens durch die Dumm­heit der Diplo­ma­tie und drit­tens durch die Phan­ta­sie­lo­sig­keit der Völ­ker. Die­se letz­te wird unter­stützt durch die in Geschich­te und Poli­tik übli­che Flucht ins Abstrakte.

Es bleibt eine ein­zi­ge For­de­rung, in nur drei Wor­ten klar aus­ge­spro­chen: Die Waf­fen nie­der! (Ber­tha von Sutt­ner), wenn nicht der Wahn jenes unsäg­li­chen Adolf Schick­lgru­bers sich spät ein­lö­sen soll, der fasel­te: Da der Krieg ver­lo­ren ist, muss die Nati­on gleich­falls zugrun­de gehen. Er war sich gewiss, die­ses Schick­sal sei (nach dem Desa­ster, das er einst vom Zaun gebro­chen hat­te) unver­meid­lich gewor­den.

Im Jahr 2022 ist noch nicht abzu­se­hen, wie die »mili­tä­ri­sche Spe­zi­al­ope­ra­ti­on« in der Ukrai­ne aus­ge­hen wird. Der Begriff ist tech­nisch kalt genug und Syn­onym für Ver­nich­tungs-KRIEG gewor­den, zu einer Zeit, in der seit Jahr­zehn­ten ein glo­ba­ler KRIEG gegen das Leben auf die­ser Erde geführt wird. Wenn nicht auch hier die Waf­fen nie­der­ge­legt wer­den und eine öko­lo­gi­sche – das Leben auf unse­rem Pla­ne­ten erhal­ten­de – »Not-Ope­ra­ti­on« ein­ge­lei­tet und fort­ge­führt wird, dann wird die Wahn­idee des Herrn Schick­lgru­ber, das eigent­lich doch Ver­meid­li­che(!), sich aufs Gan­ze gese­hen abspielen.

Berlin/​Celle, im April 2022