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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Manifest mit festen Fakten

Ana­ly­se und Vor­schlä­ge in Bezug auf die Ver­kehrs­po­li­tik in ein­zig­ar­ti­ger Wei­se ver­ei­nigt – das lei­sten Carl Waß­muth und Win­fried Wolf in ihrem Buch »Ver­kehrs­wen­de. Ein Mani­fest«. Sie haben Argu­men­te und Schluss­fol­ge­run­gen in 20 Punk­te gefasst, von denen jeder ein­zel­ne gesell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Vor­tei­le brin­gen wür­de. In Sum­me erge­ben sie ein schlüs­si­ges Kon­zept für die not­wen­di­ge Kor­rek­tur der Verkehrspolitik.

»Der Schlüs­sel­ge­dan­ke der in die­sem Mani­fest vor­ge­stell­ten Ver­kehrs­wen­de stellt den Men­schen, den Umwelt­schutz und den Kampf gegen die Kli­ma­er­wär­mung ins Zen­trum«, benen­nen die Autoren ihr Anlie­gen einleitend.

Die Rei­hen­fol­ge ist kei­nes­wegs zufäl­lig oder belie­big: Vie­le Ver­öf­fent­li­chun­gen begin­nen mit der dro­hen­den Öko­ka­ta­stro­phe und ent­spre­chen­den Sze­na­ri­en. Hier dage­gen gehen die Autoren Punkt für Punkt von den posi­ti­ven Fol­gen ihrer Vor­schlä­ge für die Men­schen aus. Und die Vor­schlä­ge beinhal­ten nicht nur struk­tu­rel­le, son­dern eine Fül­le von ›wei­chen‹, leich­ter rea­li­sier­ba­ren Schritten.

Das ist des­halb bedeut­sam, weil eine Ver­kehrs­wen­de – wie über­haupt eine öko­lo­gi­sche Trans­for­ma­ti­on – gegen die Wider­stän­de der von Ver­än­de­run­gen betrof­fe­nen Men­schen kaum durch­setz­bar sein dürf­te. Es ist zwei­tens auch des­halb wich­tig, weil das Bewusst­sein von den Mög­lich­kei­ten viel­fach durch jahr­zehn­te­lan­ge Lob­by­ar­beit, die ver­brei­te­te schein­ba­re Alter­na­tiv­lo­sig­keit und eine ein­ge­fah­re­ne Kon­sum­ge­sell­schaft getrübt und gelenkt ist.

Die Autoren sen­ken eine erkennt­nis­psy­cho­lo­gi­sche Hemm­schwel­le, die aus Angst vor dem Unbe­kann­ten das Klam­mern an das, was man kennt, bewirkt.

Von daher ist es auch nicht zufäl­lig, dass das Auto erst in den letz­ten bei­den Punk­ten in den Blick genom­men wird, obwohl der »Abschied vom Auto« den »Wesens­kern der Ver­kehrs­wen­de« bil­det. Aber auch hier über­rascht das Buch durch sei­nen Ein­stieg mit syste­ma­tisch nied­rig­schwel­li­gen Vor­schlä­gen, um schließ­lich zum The­ma Kon­ver­si­on vorzudringen.

Bei der Auf­klä­rung hilft ein wei­te­rer Plus­punkt des Buches: das Zah­len­ma­te­ri­al. Bis ins Detail und gut belegt wer­den akri­bisch Ent­wick­lun­gen nach­ge­zeich­net, die zu den heu­ti­gen Zustän­den geführt haben, und die in die­ser Dich­te sonst nicht so schnell zu fin­den sind.

So ist es nicht ver­wun­der­lich, dass die Eng­füh­rung der Trans­for­ma­ti­on auf die Elek­tro­mo­bi­li­tät in der Auto­bran­che, wie sie in der Wirt­schafts­po­li­tik und damit auch der gesell­schaft­li­chen Main­stream-Debat­te vor­herrscht, für die Autoren nicht als Lösung in Fra­ge kommt. Ergän­zend sei dazu auf das Buch »Mit dem Elek­tro­au­to in die Sack­gas­se« des Ko-Autors Wolf verwiesen.

»Ver­kehrs­wen­de – Ein Mani­fest« soll­ten all die­je­ni­gen parat haben, die poli­tisch unter­wegs sind, in Bil­dungs­ein­rich­tun­gen für Auf­klä­rung sor­gen oder ein­fach nur das Gefühl über­win­den wol­len, etwas ändern zu sol­len, ohne die Alter­na­ti­ven genau­er zu kennen.

Carl Waßmuth/​Winfried Wolf: »Ver­kehrs­wen­de. Ein Mani­fest«, Papy­Ros­sa, 200 Sei­ten, 14,90 €