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Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Volker Braun zum 80.

»Dabei wis­sen wir doch, daß uns die Frei­heit nicht auf den Ver­sen folgt. Wir müs­sen, gräß­li­che Ver­nunft, Pro­vo­ka­teu­re blei­ben.« Vor fast genau 35 Jah­ren in der Main­zer Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten und Lite­ra­tur unter dem Titel »Rim­baud. Ein Psalm der Aktua­li­tät« vor­ge­tra­gen, hat der Essay noch heu­te gro­ße Spreng­kraft und Aktua­li­tät für immer. Sät­ze, die weh­tun und die Lust auf Har­mo­nie zer­stö­ren. So trat er an, der Pro­vo­ka­teur, und ist doch ein eher lei­ser, scheu­er Sach­se, der es mit der Spra­che und der Welt genau nimmt. Als koste es ihn Über­win­dung, so scharf und kon­se­quent sein zu müs­sen. Er ist Phi­lo­soph, Dich­ter, Dra­ma­ti­ker, Erzäh­ler und Essay­ist von For­mat, und der Suhr­kamp Ver­lag tat gut dar­an, anläss­lich sei­nes 80. Geburts­tags zwei Bän­de »geball­te Ladung« Braun her­aus­zu­ge­ben: »Hand­strei­che«: Apho­ris­men, Dia­log­fet­zen, Zita­te, Träu­me – manch­mal böse und wit­zig, immer vol­ler Hin­ter­sinn, nicht ganz ohne Hoff­nung und doch: »Zum Sehen gebo­ren, zum Schau­dern bestellt.« Er schenkt uns Lesern nichts.

Das ande­re Buch, »Ver­la­ge­rung des gehei­men Punk­tes«, umfasst Reden und Schrif­ten, genau­er: Fest­re­den und Unter­grund­tex­te. Aber die­se unter­schei­den sich kaum von­ein­an­der, denn auch der mit Prei­sen Geehr­te blieb in sei­nen Dank­re­den Pro­vo­ka­teur und nann­te stets das Dilem­ma sei­ner Zeit beim Namen, sei es im Namen Büch­ners, Les­sings, Schil­lers und ande­rer sei­ner gei­sti­gen Ahnen. Dabei kneift Vol­ker Braun nicht vor der jewei­li­gen Gegen­wart. Wo er ein­fach nur zu dan­ken brauch­te, stellt er sich den Wider­sprü­chen. Er hat sei­ne Art gefun­den, mit den eige­nen und den Gedan­ken sei­ner Ver­bün­de­ten gei­sti­ge Gerü­ste zum Ertra­gen und Sich-Weh­ren gegen die Welt zu bau­en. Das ist nicht immer leicht zu ver­ste­hen, aber immer ein Gewinn. Er ist – so unei­tel und beschei­den – ein Gro­ßer. Herz­li­chen Glückwunsch!