Ossietzky-Signet

Herausgegeben von Matthias Biskupek, Rainer Butenschön, Daniela Dahn, Rolf Gössner, Ulla Jelpke und Otto Köhler

Begründet 1997 von Eckart Spoo

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Walter Kaufmanns Lektüre

Die Erkun­dun­gen des Lucas Vogel­sang und Joa­chim Król im ehe­mals geteil­ten Deutsch­land begin­nen treff­lich. Lan­ge hat­te sich die ost­deut­sche Ver­kehrs­po­li­zi­stin Ursu­la Thom »nach drü­ben« gesehnt und zu glei­cher Zeit Andre­as Malu­ga aus dem Ruhr­pott in die ande­re Rich­tung. Ursu­la Thoms Träu­me soll­ten erst kurz vor der Wen­de wahr wer­den, die des Andre­as Malu­ga nie – denn der Kom­mu­nist aus der BRD wur­de stets zurück­ge­wie­sen: In Bochum sei­en Leu­te wie er nöti­ger als im Osten. Malu­ga füg­te sich brav, und was er im Lauf der Zeit (qua­si nost­al­gisch) an genui­nen DDR-Gegen­stän­den zusam­men­tra­gen wird, erweist sich spä­ter als nütz­lich bei Film­pro­duk­tio­nen mit öst­li­chen Schau­plät­zen: Malu­gas DDR-Museum!

Kurz­um, die lebens­fro­he Ursu­la Thom, die in die wei­te Welt hin­aus woll­te, und der von der DDR begei­ster­te Andre­as Malu­ga, der gern in dem aus sei­ner Sicht »bes­se­ren Deutsch­land« gelebt hät­te, sie bei­de bestim­men die Rich­tung des Buches bis hin zu Vogel­sangs und Króls Ent­deckung des Ost­see­bads Bol­ten­ha­gen, wo sie den ein­sti­gen See­mann Joa­chim Clau­sen befra­gen, der mit der DDR nie viel am Hut hat­te, die DDR nicht einen Tag lang zurück­ha­ben will, aber bei all sei­nen Welt­rei­sen Bol­ten­ha­gen treu geblie­ben ist, weil »der Ort von jeher anders gestrickt und auch schon in DDR-Zei­ten mul­ti­kul­ti« war.

Das über 250 Sei­ten star­ke Buch ist in sei­ner Gegen­über­stel­lung west- und ost­deut­scher Befind­lich­kei­ten unter­halt­sam und dabei lehr­reich. Was sich über 1000 Kilo­me­ter Deutsch­land 30 Jah­re nach der Wen­de dem stau­nen­den Schau­spie­ler und dem genau beob­ach­ten­den, genau hin­hö­ren­den Jour­na­li­sten dar­bie­tet, erweist sich auch all­ge­mein als erfahrenswert!

Lucas Vogelsang/​Joachim Król: »Was wol­len die denn hier? Deut­sche Grenz­erfah­run­gen«, Rowohlt Ver­lag, 269 Sei­ten, 20 €